DSL: Deutsche Telekom testet 100 MBit/s per Kupferkabel

Niek Jan van Damme, Chef der Telekom Deutschland, hat sich in einem Artikel zu hohen Datenübertragungsraten im Kupferkabel(öffnet im neuen Fenster) geäußert. Unter der Überschrift "Appetit auf Geschwindigkeit" erklärte der Manager: "Deutschland ist hungrig nach Bandbreite. (...) Dabei spielt es letztlich keine Rolle, mit welcher Technik die Kunden hohe Übertragungsgeschwindigkeiten erhalten. Entscheidend ist, dass sie schnelle Internetverbindungen bekommen – und das möglichst günstig. (...) Im Festnetz hat zudem das gute alte Kupferkabel längst nicht ausgedient: Wir testen derzeit Technologien, mit denen sich auch darüber Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s erreichen lassen."
Die von van Damme geführte Tochtergesellschaft ist für Privatkunden und kleine und mittlere Geschäftskunden in Deutschland zuständig. Das teure Glasfasernetz sei nicht der einzige Weg zum flächendeckenden Hochgeschwindigkeitsnetz. "Der Hunger kann auf viele Arten gestillt werden" , so van Damme.
Auf Nachfrage von Golem.de war van Damme nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Manager war bereits im Weihnachtsurlaub.
Konzernsprecher Frank Domagala schrieb Golem.de: "Das bezieht sich auf unser Glasfaserangebot." Doch van Damme hatte ausdrücklich vom "guten alten Kupferkabel" gesprochen. Mehrmalige Rückfragen am Mobiltelefon hat Domagala am 23. Dezember 2011 nicht mehr beantwortet.
Was könnte van Damme wirklich gemeint haben? Bei der DSL-Technik VDSL kommt Kupferleitung nur auf dem letzten Stück der Übertragungsstrecke zum Einsatz. Mit VDSL bietet die Telekom derzeit für den Endkunden eine Übertragungsrate von maximal 50 MBit/s.
Der DSL Phantom Mode erhöht die Leistung von kupferbasierten DSL-Netzwerken. Theoretische Bandbreiten von bis zu 825 MBit/s lassen sich so realisieren. Das ist jedoch nur mit Hardwareanpassungen beim Modem des Kunden, beim Digital Subscriber Line Access Multiplexer (DSLAM) oder beim Multi-Service Access Node (MSAN) im Netz des Betreibers möglich. Mit zwei Kupferdoppeladern lässt sich jeweils eine Bandbreite von rund 120 MBit/s realisieren, zusammen also 240 MBit/s. Eine dritte, virtuelle Leitung liefert noch einmal 120 MBits/s, in Summe also 360 MBit/s.
Private Telekommunikationsnutzer in älteren Häusern in Deutschland verfügen meist nur über eine Kupferdoppelader in Form eines zweiadrigen Kabels. Seit einigen Jahren jedoch werden geschirmte Rundkabel mit zwei Paaren Kupferdraht im Inhouse-Bereich als Teilnehmeranschlussleitung verwendet.



