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Test von Star Wars The Old Republic: Sternenkrieg mit Suchtfaktor

Es ist das wohl wichtigste Onlinerollenspiel seit World of Warcraft : Wochen, Monate und Jahre sollen Sternenkrieger in The Old Republic verbringen können. Schon jetzt kommen Einzelspieler dank packender Atmosphäre und der Stärken klassischer Solokampagnen auf ihre Kosten.
/ Peter Steinlechner
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Star Wars: The Old Republic (Bild: Bioware)
Star Wars: The Old Republic Bild: Bioware

Eine kleine Warnung vorneweg: The Old Republic kann blöde Nebenwirkungen haben. Jedenfalls haben wir bei uns selbst festgestellt, dass wir Star Wars plötzlich aus anderem Blickwinkel sehen. Seitdem wir im Onlinerollenspiel von Bioware selbst das Lichtschwert schwingen, würde es uns beim Angucken der Filme brennend interessieren, wie viele Erfahrungspunkte Han Solo etwa für den Abschuss eines Sturmtrupplers bekommt – und wie viele Level steigt wohl Luke Skywalker für das Absolvieren dieser Elite-Quest auf, in der er Darth Vader und den Imperator besiegt?

Star Wars The Old Republic – Test
Star Wars The Old Republic – Test (03:15)

Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, aber immerhin ermöglicht Star Wars: The Old Republic als erstes massenkompatibles Onlinerollenspiel im Stile von World of Warcraft einem großen Publikum, so tief in die Welt der Jedi und der Macht einzusteigen wie kein anderes Programm. Das wesentlich mehr auf erfahrene Spiele ausgelegte Star Wars: Galaxies hat übrigens wenige Tage vor dem Start von SWTOR die Server geschlossen.

The Old Republic spielt nicht zur Zeit von Han Solo, Prinzessin Leia und Lord Vader, sondern viele tausend Jahre früher. Die beiden Machtblöcke – quasi die Fraktionen – erinnern trotzdem überdeutlich an Imperium und Rebellion: Gleich zum Start müssen wir uns für die eher freiheitsliebende galaktische Republik oder für das straff militärisch organisierte Imperium der Sith entscheiden. Anschließend steht die Wahl der Klasse an. Vier sind es auf jeder Seite, aber der Jedi-Ritter ähnelt sehr seinem Gegenstück, dem Sith-Krieger, und der Kopfgeldjäger der einen Fraktion hat viel mit dem Soldaten der anderen gemein. Je nachdem, wie streng die Kriterien sind, gibt es also vier oder acht Klassen.

Allerdings: Ab Level 10 kann der Spieler seinem Charakter noch eine Spezialisierung verpassen und aus einem Sith-Krieger etwa einen mittelschwer gepanzerten, mit zwei Lichtschwertern kämpfenden Damage-Dealer machen, oder einen eine schwere Rüstung tragenden Tank. Diese Entscheidung mit größerer Tragweite geht seltsamerweise fast etwas unter – wer allzu sehr mit anderen Quests beschäftigt ist, kann das auch mal übersehen, darf die Wahl aber jederzeit nachholen. Spätestens dann fühlt sich The Old Republic in Sachen Klassenvielfalt doch einigermaßen auf Augenhöhe an wie World of Warcraft.

Die ersten Schritte als Jedi und Sith

Der Weg zu Level 10 dauert etwas länger als im Konkurrenzprodukt von Blizzard. Er ist in ähnlicher Art wie dort als überlanges Tutorial angelegt, in dem Einsteiger durch Ingame-Textfenster das Wichtigste über die Steuerung und den Kampf lernen. Wer schon einmal World of Warcraft gespielt hat, kann sich das Durchlesen der Hinweise allerdings ersparen: Die Kombination aus WASD-Tastatur und Maus hat Bioware ebenso übernommen wie weite Teile der Benutzerführung; eigene User-Interface-Erweiterungen lassen sich in The Old Republic übrigens nicht einbauen. Etwas besser gelöst als in WoW ist die Übersichtskarte, die zwar weniger schön aussieht, aber den Weg zum nächsten Ziel mit klaren Hinweisen beschreibt, und das Quest-Journal, das etwas umfangreichere Hinweise anbietet.

Die ersten 60 Minuten in Star Wars The Old Republic
Die ersten 60 Minuten in Star Wars The Old Republic (03:39)

Obwohl sich Bioware in wesentlichen Punkten bei der Konkurrenz von Blizzard bedient hat, fühlt sich The Old Republic doch anders an als World of Warcraft. Das liegt in erster Linie an einem Element, das auf den ersten Blick wie pure Kosmetik wirkt, das aber entscheidende Auswirkungen auf die Atmosphäre hat: Statt Quests und sonstige Aufgaben in schnöden Textfenstern zu beschreiben, bekommen Sternenkrieger Zwischensequenzen zu sehen.

Egal, ob uns ein Offizier bittet, mal schnell einen Brief zu transportieren, oder ob uns ein mächtiger Sith-Lord in eine Höhle voller Macht schickt: Das geschieht immer in einigermaßen aufwendig animierten Engine-Sequenzen, in denen die Beteiligten in meist ordentlicher deutscher – wahlweise auch hierzulande englischer – Sprachausgabe erklären, was zu tun ist. Ähnlich wie in Mass Effect können wir durch Auswahl von drei Antwortmöglichkeiten reagieren, und einen Auftrag auch mal ablehnen, uns für ein besonders brutales Vorgehen oder einen eher friedlichen Weg entscheiden.

Motivation durch spannende Handlung

Durch die Zwischensequenzen baut sich doch deutlich mehr an Anteilnahme für die Welt und ihre Bewohner auf, außerdem ist die Handlung schlicht interessant. Als junger Sith-Krieger erleben wir etwa einen gut in Szene gesetzten Konkurrenzkampf mit einem direkten Konkurrenten, der anders als wir nicht von reinstem Sith-Blut ist, sondern aus ärmlichen Verhältnissen stammt und sich erst hochkämpfen musste – kein Wunder, dass er uns allzu schnellen Erfolg neidet. Bioware hat mehrere solcher Erzählstränge gebaut: Während zwei der Sith-Klassen auf dem Planeten Korriban der streng hierarchisch aufgebauten imperialen Akademie angehören, sind die beiden anderen – Agenten und Kopfgeldjäger – auf Hutta unterwegs, wo eine deutlich entspanntere Atmosphäre herrscht. Jedi-Ritter und -Botschafter verschlägt es zu Beginn nach Tython, während Schmuggler und Soldaten in Ord Mantell unterwegs sind.

Die Handlungsstränge haben einen weiteren Nebeneffekt: Im Mittelpunkt des Spielens steht nicht mehr ganz so sehr die Jagd nach dem nächsten Superartefakt, der besseren Rüstung oder schlicht nach Erfahrungspunkten. Stattdessen wollten wir oft schlicht wissen, wie die Story weitergeht – was sich ganz angenehm anfühlt. Wer mag, kann sich trotzdem schnell durch die Zwischensequenzen klicken, die Sätze abbrechen, schnell seine Antworten auswählen und sich ganz aufs Jagen und Sammeln konzentrieren.

Standardquests bis Level 50

Leider haben die aufwendigen Missionsbeschreibungen nur selten sonderlich interessante Quests zur Folge. Ähnlich wie in World of Warcraft geht es so gut wie immer darum, einer bestimmten Anzahl von Gegnern das virtuelle Lebenslicht auszuknipsen, bestimmte Gegenstände zu finden und zum Auftraggeber zu bringen oder einen Oberboss aus dem Weg zu räumen – der natürlich nach ein paar Minuten für den nächsten Sternenkrieger wieder auf seinem Platz steht.

Star Wars The Old Republic – Huttenball
Star Wars The Old Republic – Huttenball (03:11)

Mit seinen Zwischensequenzen spricht The Old Republic insbesondere Spieler an, die als Einzelkämpfer ohne Gruppe oder Gilde unterwegs sein wollen. Wer das möchte, hat keine nennenswerten Schwierigkeiten, die derzeitige Levelobergrenze von 50 zu erreichen – und wer das mit mehreren Charakteren und Handlungssträngen macht, wird die nächsten Wochen und Monate wohl kaum noch Zeit für Nebenjobs wie Schule, Studium oder Job haben.

Nach und nach gesellen sich aber trotzdem immer mehr optionale Missionen mit ins Angebot, für die sich mehrere Spieler zusammentun müssen. Das ist dann an Hinweisen wie [Helden +2] in der Questbeschreibung zu erkennen. Mal sind das eher kleine Aufgaben, die etwa in einem Nebental auf der allgemein zugänglichen Weltkarte stattfinden. Es gibt aber auch sogenannte Flashpoints: Das sind umfangreichere, als eigene Instanz ausgeführte Einsätze, in denen sich bis zu vier Spieler zusammentun müssen, um beispielsweise ein Raumschiff in ihre Gewalt zu bekommen; steuern dürfen sie es dann allerdings nicht selbst, sondern erledigen einen Auftrag für die Sith. Schade: Für diese Flashpoints gibt es keine automatisch durchführbare Gruppensuche – wer Pech hat und auf einem eher leeren Server unterwegs ist, tut sich unter Umständen sehr schwer, Mitstreiter zu finden.

Ein Freund, ein guter Freund...

Da hilft es auch nichts, dass jede Klasse in The Old Republic ungefähr ab Level 10 den ersten vom Computer gesteuerten Gefährten an die Seite gestellt bekommt. Die Gefährten kämpfen zwar sehr effektiv mit, einen menschlichen Kompagnon können sie in Herausforderungen wie den Flashpoints aber nicht ersetzen – zumal die erkennbar auf Teams aus Spielern und Gefährten ausgelegt sind. Trotzdem macht der Umgang mit den Begleitern Spaß: Auf Knopfdruck liefern sie überflüssige Gegenstände beim Händler ab, sie bringen immer wieder mal lustige Sprüche, und vor allem kann der Spieler sie mit Extramissionen betrauen. Wer seinem Gefährten etwa bei einem Ausbilder beigebracht hat, Gegenstände aus der Unterwelt zu beschaffen, kann ihn auf entsprechende Quests schicken. Der Begleiter verschwindet dann für drei bis sechs Minuten und taucht dann im Erfolgsfall mit einem nützlichen oder wenigstens gut verkaufbaren Gegenstand auf. Wer mag, darf mit einigen Gefährten sogar eine Romanze anfangen... Bis zu fünf der KI-Kameraden kann der Spieler an sich binden, immer nur einer ist aktiv.

Nicht ganz so gut wie in World of Warcraft ist es Bioware gelungen, eine Welt aus einem Stück zu erschaffen – was allerdings auch daran liegt, dass The Old Republic auf unzähligen Raumschiffen und einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Planeten spielt, was entsprechend oft Ladezeiten zur Folge hat. Von den Reisen bekommt der Spieler leider recht wenig mit – nicht immer war uns klar, ob wir auf einer Raumstation, einem Sternenzerstörer oder nur einem Hafen auf einem Planeten waren. Die sehen dafür höchst unterschiedlich aus, neben hellen Orten wie Tatooine gibt es auch herrlich düstere Sith-Planeten, schicke Hightechstädte und halbverrottete Rebellenhochburgen.

Matrixwürfel und Raumschlachten

Es gibt noch viele Details, die wir bislang nicht angesprochen haben: Beispielsweise hat Bioware in der Welt von The Old Republic jede Menge Extras versteckt, auf die die Spieleszene wohl erst in den nächsten paar Monaten nach und nach stößt. So gibt es mysteriöse Matrixwürfel zum Sammeln, angeblich verstecken sich bislang noch unbekannte Gefährten mit besonderen Fähigkeiten in der Welt. Spieler können an simpel gestrickten Raumschlachten teilnehmen und dort die Geschütze bedienen – echte Kontrolle über ihr Raumschiff bekommen sie nicht. Die Entscheidung für eine eher helle oder dunkle Ausrichtung des Charakters hat für Angehörige beider Fraktionen gewisse Auswirkungen. Dazu kommen noch die Schlachtzüge, in denen 16 Spieler etwa in der Sportart Huttenball antreten können – was angesichts der bei vielen Spielern noch kaum vorhandenen Erfahrungen mit den teils etwas komplexeren Modi noch wenig Spaß macht.

Star Wars The Old Republic – Hope-Trailer
Star Wars The Old Republic – Hope-Trailer (05:41)

Das alles sorgt dafür, dass es jede Menge zu entdecken gibt – jedenfalls mehr, als die meisten Spieler in den 30 Tagen Spielzeit bewältigen können, die es zur Verkaufsversion für rund 50 Euro gibt. Wer länger im Sternenkrieg mitmischen möchte, muss mehr zahlen. Das Ein-Monats-Abo ist für rund 13 Euro zu haben, bei einem Abschluss über ein halbes Jahr fallen pro Monat rund 11 Euro an. Eine 60-Tages-Spielzeitkarte ist im Handel für rund 26 Euro erhältlich.

Star Wars: The Old Republic setzt natürlich eine Registrierung bei Electronic Arts voraus. Das läuft technisch wohl auch über das umstrittene Origin, davon bekommt der Spieler aber nichts mit. Die grundlegende Registrierung von Spieler und Produkt-Key läuft über die offizielle Webseite(öffnet im neuen Fenster) ; dabei ist zwingend die Angabe einer Bankverbindung oder Kreditkartennummer nötig; das damit abgeschlossene Abo ist immerhin sofort wieder ohne großen Aufwand kündbar – eine lästige, aber auch bei den meisten ähnlichen Programmen ebenfalls nötige Prozedur. Das installierte Spiel startet man dann mit einem Launcher, der an den von World of Warcraft erinnert. Wer mag, kann sein Nutzerkonto über ein Token-System zusätzlich absichern, das eine für Android und iPhone kostenlos erhältliche App nutzt.

Abgesehen von Problemen mit überfüllten Servern sind uns für ein Programm dieser Größe erstaunlich wenig Fehler aufgefallen. Die Grafik wirkt auf uns etwas schöner als in World of Warcraft, sie ist trotzdem kein Hingucker und erkennbar dafür ausgelegt, auch auf etwas leistungsschwachen Rechnern noch zu laufen – und auch im Verlauf der nächsten paar Jahre nicht allzu viel Staub anzusetzen. EA gibt als offizielle Mindestanforderung einen AMD Athlon 64 X2 Dual-Core 4000+ oder einen Intel-Core-2-Duo-Prozessor mit 2,0 GHz an. Unter Windows XP reichen 1,5 GByte RAM, unter Vista und 7 müssen es 2 GByte sein. Als Grafikkarte setzt SWTOR eine AMD X1800 oder eine Nvidia 7800 mit jeweils mindestens 256 MByte RAM und Unterstützung von Shader Model 3.0 voraus. Auf der Festplatte belegt der Inhalt der drei DVDs rund 25 GByte. Die USK hat eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

Operation gelungen: Star Wars lebt. Mit The Old Republic hat Bioware eine tolle Onlinewelt geschaffen. Zwar sind die Anleihen bei World of Warcraft – das selbst ja auch bei anderen Titeln abgekupfert hat – nicht zu übersehen. Aber insbesondere mit den zwar nicht überragend dramatischen, aber gut erzählten Handlungssträngen bringt SWTOR das Genre ein erstaunlich großes Stück voran. Wer das Abenteuer in erster Linie auf eigene Faust sucht, nur gelegentlich mal eine Instanz mit Kumpels oder anderen menschlichen Mitstreitern macht, wird hier auf Monate bestens bedient – allerdings auch kräftig zur Kasse gebeten.

Auch wer Herausforderungen in Schlachtfeldern und Raids sucht, sollte The Old Republic eine Chance geben. Für eine echte, langfristige Einschätzung, was der Bereich im Vergleich mit Blizzards MMORPG bietet, ist es zwar noch viel zu früh. Was da momentan in Grundzügen zu erkennen ist, wirkt aber vielversprechend – und ähnlich "klein" hat auch WoW einst angefangen. Immerhin ist Bioware ein Studio, das gut genug organisiert und ausgestattet zu sein scheint, um sein Programm langfristig zu unterstützen. Möge die Macht mit The Old Republic sein!


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