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Score A Hit: Wann ist ein Hit ein Hit?

Englische Wissenschaftler haben einen Algorithmus entwickelt, der das Hitpotenzial eines Musikstückes errechnen soll. Mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit treffen seine Vorhersagen ein. Manchmal liegt er aber auch komplett falsch.

Artikel veröffentlicht am ,
Wham Anfang 1985: unterlegen gegen unerwarteten Hit
Wham Anfang 1985: unterlegen gegen unerwarteten Hit (Bild: Dave Hogan/Hulton Archive/Getty Images)

Es ist wieder so weit - aus allen Lautsprechern dudelt es derzeit wieder: "Last christmas I gave you my heart/ but the very next day you gave it away". Alle Jahre wieder wird der Wham-Hit aus dem Jahr 1984 gespielt. Aber was macht ein Musikstück zu einem echten Hit?

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Tijl de Bie weiß es. Zusammen mit seinem Team von der Universität in Bristol hat er Score A Hit entwickelt, eine Formel, mit der sich das Potenzial eines Musikstücks, an die Spitze der Hitparade zu stürmen, berechnen lassen soll. Die Wissenschaftler fütterten den Computer mit den Stücken aus der britischen Top-40-Single-Hitparade der letzten 50 Jahre und ließen ihn die musikalischen Merkmale der Stücke analysieren.

Merkmale und Gewichtung

Die lernfähigen Algorithmen fanden 23 Merkmale, darunter Takt, Länge, Rhythmuswechsel, Geschwindigkeit, die Einfachheit oder Komplexität der Akkordfolgen. Anschließend wurde die Gewichtung dieser Merkmale in den jeweiligen Stücken untersucht. Ziel war es, herauszufinden, was ein Stück dazu qualifiziert, auf den oberen fünf Plätzen zu landen und worin es sich von denen auf den letzten zehn Plätzen unterscheidet.

Ganz einfach, fanden die Forscher heraus: Jedes musikalische Merkmal wird mit seiner Gewichtung multipliziert, dann werden alle Ergebnisse addiert - fertig ist der Hit. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent stimmt die Vorhersage des Systems.

Erwartete Hits

Nach dieser Formel konnte etwa Lady Gaga 2009 mit Just Dance nirgendwo anders als auf dem ersten Platz landen. Auch Wileys Wearing My Rolex (2008 auf Platz 2), Crazy von Gnarls Barkley (Platz 1 2006) oder Pop Ya Collar, mit dem Usher 2001 auf dem zweiten Platz landete, hatten das Zeug zum Hit. Gleiches gilt für ältere Nummern wie Get It On von T. Rex aus dem Jahr 1971 (Platz 1).

Es habe aber auch immer wieder Überraschungserfolge gegeben, Stücke, denen die Gleichung wenig Chancen eingeräumt hat, die aber trotzdem weit nach oben kamen. Fleetwood Macs Nummer-1-Hit Albatross aus dem Jahr 1969 beispielsweise. Oder der November Rain, den Guns N 'Roses 1992 besangen und damit unerwartet auf Platz 4 landeten. Auch Erfolge von Alicia Keys (Empire State Of Mind Part II, Nummer 4 in 2010), den Arctic Monkeys (Leave Before The Lights Come On, 2006 auf Platz 4) oder Iron Maiden, die mit Bring Your Daughter... To The Slaughter 1990 einen ersten Platz belegten, überraschten die Forscher.

Veränderlicher Musikgeschmack

Interessant - wenn auch nicht sehr überraschend - ist die Erkenntnis, dass sich der Musikgeschmack in den vergangen Jahrzehnten verändert hat. So wurde Tanzbarkeit erst ab den späten 1970er Jahren wichtig. Ab den 1980er Jahren hatten tanzbare Stücke deutlich größere Chancen, ein Hit zu werden.

Glaubt man den Forschern, ist der Mechanismus, nach denen Hits zu solchen werden, einfacher geworden. Hits um das Jahr 1980 seien besonders schwer vorherzusagen gewesen. Das bedeute, dass die späten 1970er und frühen 1980er Jahre eine sehr kreative und innovative Zeit in der Popmusik gewesen seien.

Gute Ergebnisse ab 2000

Für die erste Hälfte der 1990er Jahre sowie die Zeit ab dem Jahr 2000 hingegen habe die Formel sehr gute Vorhersagen treffen können. Bis in die frühen 1990er Jahre seien die Hits von der Harmonie her recht einfach gewesen. Die Entwicklung sei später zu einfacheren Rhythmen wie einem 4/4-Takt gegangen. Außerdem würden Hits immer lauter, stellten die Wissenschaftler fest.

"Der Musikgeschmack entwickelt sich, was bedeutet, dass auch unsere 'Hit-Potenzial-Gleichung' angepasst werden muss", sagt de Bie. "Wir haben in der Tat herausgefunden, dass das Hitpotenzial von der Zeit abhängig ist. Das könnte an unterschiedlichen vorherrschenden Musikstilen, an der Kultur und den Lebensumständen liegen."

Das Stück, nicht der Interpret zählt

Nur manche Stücke sind eben ewig. Suspicious Minds beispielsweise, mit dem Elvis Presley erwartungsgemäß 1970 einen zweiten Platz errang. In späteren Jahrzehnten - das Hitpotenzial hängt offensichtlich weniger am Interpreten als vom Lied ab - feierten die Fine Young Cannibals und Gareth Gates Erfolge. Deshalb wird auch nächstes Jahr wieder kurz vor Weihnachten die Wham-Schnulze überall gedudelt.

Die war übrigens nie auf Platz 1. Ihr blieb nur ein zweiter Platz, hinter Do They Know It's Christmas des Band-Aid-Projekts. Score A Hit rechnete dem Benefiz-Song für Afrika jedoch nur wenig Hitpotenzial aus.



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Frank80 13. Sep 2012

Melodie, Text, Artist, Management, PR usw. Man kann das nicht genau auf nur einen Wert...

kolem 21. Dez 2011

scinaty und __destruct() haben ganz recht. Da die Wkeit, dass ein beliebiger Song ein Hit...

fratze123 21. Dez 2011

im wesentlichen bestimmen die plattenfirmen, was ein hit wird. das hat wenig mit musik zu...

peter_retep 20. Dez 2011

Zu dem Thema "Wann wird ein ein Song zum Hit" gabs schon 2003 eine Magisterarbeit von P...


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