Carrier IQ: Hersteller bestätigt umfassende Spionagefunktionen
Carrier IQ hat eingestanden, dass die gleichnamige Software URLs sowie SMS-Inhalte speichert. Diese Speicherung sei allerdings die Folge eines Programmfehlers, der demnächst behoben werden solle. Anfang Dezember 2011 wurde bekannt, dass auf Millionen von Mobiltelefonen die Überwachungssoftware Carrier IQ läuft . Teile von Carrier IQ wurden auch auf in Deutschland verkauften Geräten gefunden , allerdings scheinen die Programmteile nicht aktiv zu sein.
Videobeweis zeigt Android-Log-Daten
Die Spionagefunktionen von Carrier IQ wurden von dem Android-Entwickler Trevor Eckhart entdeckt. In einem Video zeigt er, wie Carrier IQ Eingaben auf verschlüsselten Webseiten und SMS-Inhalte ausliest. Bisher bestritt Carrier IQ das vehement, ohne eine Erklärung für die Videobeweise von Eckhart zu liefern. Nun gibt es eine Stellungnahme von Carrier IQ, in der die Hintergründe erläutert werden.
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| Video: Carrier IQ – Funktionsweise |
Nach Aussage von Carrier IQ(öffnet im neuen Fenster) beruht der Videobeweis von Eckhart auf einem Fehler seitens HTC. Auf dem betreffenden Android-Smartphone seien vermutlich die Debug-Funktionen nicht deaktiviert worden. Dadurch landeten Tasteneingaben und SMS-Inhalte in der Logdatei von Android – im Klartext. Die Carrier-IQ-Software habe damit nichts zu tun.
Carrier IQ protokolliert SMS-Inhalte – aufgrund eines Fehlers
Die Android-Logdatei werde von Carrier IQ nicht verwendet, erklärte der Anbieter. Gleichfalls räumte er einen Fehler in der Software ein, der bislang aber nicht bekannt war. Der Fehler führt dazu, dass unter bestimmten Umständen der SMS-Inhalt von Carrier IQ protokolliert wird. Allerdings sollen diese Daten nicht im Klartext gespeichert sein und sich nur mit speziellen Anwendungen auslesen lassen. Dieser Fehler tritt auf, wenn bei einem laufenden Telefonat eine SMS eingeht oder bei einer bestehenden Datenverbindung eine SMS empfangen wird.
Carrier IQ will den Fehler mit einem Softwareupdate beseitigen. Wie die Carrier-IQ-Software aktualisiert wird, ist nicht bekannt. Auch machte Carrier IQ keine Angaben dazu, wann das Update erscheinen soll.
Besuchte URLs werden von Carrier IQ gespeichert
Zudem bestätigte Carrier IQ, dass die Anwendung besuchte URLs speichert. Üblicherweise ruft der Netzbetreiber diese Daten ab und kann so in Erfahrung bringen, welche Webseiten der Kunde besucht. Dies sieht Carrier IQ nicht als Problem und hat nicht vor, daran etwas zu ändern. Begründet wird die Speicherung der URLs damit, dass Netzbetreiber damit erkennen wollen, ob gehäufte Besuche einer bestimmten Webseite das Mobilfunknetz stark belasten.
Auch diese Daten würden nicht im Klartext abgespeichert, heißt es von Carrier IQ. Die Informationen könnten also nur mit spezieller Software ausgelesen werden. Die Daten werden üblicherweise maximal 24 Stunden auf dem Smartphone gespeichert und dann zum Netzbetreiber übertragen. Dabei werden diese Daten verschlüsselt übertragen.



