Raumfahrt 2011: In den Orbit, im Orbit und darüber hinaus

Das Spaceshuttle ist zum letzten Mal in den Orbit geflogen, die Chinesen haben ihre erste Raumstation hinaufbefördert. Ein russisches Raumschiff ist auf dem Weg zum Mars stecken geblieben, ein US-Raumfahrzeug ist plangemäß auf dem Weg dorthin. Und zu guter Letzt verlässt das erste von Menschen geschaffene Gebilde demnächst das Sonnensystem.
Tschüss, Spaceshuttle: Discovery, ...
Eines der wichtigsten Ereignisse 2011 war sicher das Ende des Spaceshuttle-Programms(öffnet im neuen Fenster) . Nach 30 Jahren hat die National Aeronautics and Space Administration (Nasa) die Raumfähre ausgemustert.

Drei Flüge(öffnet im neuen Fenster) hatte die US-Weltraumbehörde für das Jahr 2011 noch einmal angesetzt. Für jedes der drei Shuttles war es der letzte Flug. Den Anfang(öffnet im neuen Fenster) machte am 24. Februar 2011 die Discovery(öffnet im neuen Fenster) , die Fähre mit den meisten Starts.

An Bord hatte sie unter anderem den Robonaut 2(öffnet im neuen Fenster) (R2), den von der Nasa zusammen mit dem Automobilhersteller General Motors (GM) entwickelten Roboter. Er soll der Besatzung der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) zur Hand gehen - als erster humanoider Roboter im Weltraum . Außerdem will die Nasa testen, wie weltraumtauglich der R2 ist, um ihn in nicht allzu ferner Zukunft auf den Mond zu schicken .
... Endeavour, ...
Die nächste Raumfähre auf Abschiedstour war die Endeavour(öffnet im neuen Fenster) . Am 16. Mai startete sie zu ihrem letzten Flug(öffnet im neuen Fenster) . Wegen eines Defekts an einem Heizsystem, das dafür sorgt, dass der Treibstoff für einen Hilfsgenerator nicht einfriert, hatte der Start um mehr als zwei Wochen verschoben werden müssen.
Neben den üblichen Versorgungsgütern transportierte die Endeavour ein riesiges wissenschaftliches Instrument zur ISS: den Alpha Magnetic Spectrometer(öffnet im neuen Fenster) (AMS-02). Der fast vier Meter große und 7,5 Tonnen schwere AMS-02 soll im All Ausschau nach Antimateriepartikeln halten.

Einzigartige Bilder von der Endeavour gelangen am 23. Mai 2011 dem italienischen Astronauten Paolo Nespoli von einer russischen Sojus-Kapsel aus: Er konnte zum ersten und einzigen Mal ein an der ISS angedocktes Spaceshuttle fotografieren, da die Sojus ausnahmsweise von der ISS abflog, während ein Shuttle dort war - was normalerweise nicht erlaubt war.
... und Atlantis
Zur 135. und letzten Reise(öffnet im neuen Fenster) startete die Atlantis(öffnet im neuen Fenster) . Auch sie hatte neben der üblichen besondere Fracht an Bord, als sie am 8. Juli 2011 vom Startplatz in Cape Caneveral aus zur ISS flog.

30 Mäuse etwa waren an Bord, die Teil eines medizinischen Forschungsprogramms waren. Ziel war, eine Methode zu testen, die den Knochenabbau infolge der fehlenden Schwerkraft verhindern soll. Außerdem hatte sie Robotic Refueling Mission(öffnet im neuen Fenster) (RRM) mit. Das ist eine robotische Tankstelle , an der Satelliten mit Treibstoff versorgt werden sollen. Im Gepäck der drei Astronauten waren schließlich noch zwei Smartphones - ein Android-Gerät und ein iPhone.
Die Spaceshuttle-Ära ist zu Ende
Begonnen hatte die Ära der Spaceshuttles(öffnet im neuen Fenster) am 12. April 1981 mit dem Start der Columbia(öffnet im neuen Fenster) : Zum ersten Mal(öffnet im neuen Fenster) verließ ein Raumschiff die Erde, das anschließend wiederverwendet werden konnte. Es setzte nicht wie die Apollo-Kapseln im Wasser auf, sondern landete wie ein Flugzeug auf einer Rollbahn und konnte anschließend wieder starten.
Zwei Unfälle
Doch immer wieder gab es technische und organisatorische Probleme. Anfällig waren unter anderem die Keramikkacheln an der Unterseite, die das Shuttle beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vor dem Verglühen schützen sollten. An ihnen traten wiederholt kleinere Schäden auf. Beim 28. Flug der Columbia(öffnet im neuen Fenster) jedoch entstand ein größeres Loch, das dazu führte, dass das Shuttle am 1. Februar 2003 bei Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte.






Siebzehn Jahre zuvor, am 18. Januar 1986(öffnet im neuen Fenster) , war die Challenger(öffnet im neuen Fenster) 73 Sekunden nach dem Start explodiert. Ein oder mehrere schadhafte Dichtungsringe an einer der Booster-Raketen führten zu der Katastrophe, bei der die siebenköpfige Besatzung starb. Der Start war trotz Warnungen vor möglichen Schäden an den Dichtungsringen freigegeben worden. Nach den Unfällen dauerte es jeweils etwa zweieinhalb Jahre bis zum nächsten Start eines Spaceshuttles.
Letzte Landung im Dunkeln
Am 21. Juli 2011 endete das Spaceshuttle-Zeitalter: Atlantis landete in Florida wohlbehalten um 5:57 Uhr (Ortszeit) morgens, im Finstern - sehr zum Missvergnügen der Fernsehsender, die sich so um ihre Bilder gebracht sahen.

Die letzte Reise, die die Discovery und die Endeavour antreten, führt ins Museum: Die Discovery kommt in das National Air and Space Museum vor den Toren der US-Hauptstadt Washington im Austausch für die Enterprise. Der Prototyp, mit dem unter anderem Gleitflüge zur Erde geprobt wurden, zieht auf den Museumsflugzeugträger Intrepid um, der auf dem Hudson River in New York vor Anker liegt. Die Endeavour wird im California Science Center in Los Angeles ausgestellt. Die Atlantis hingegen bleibt in Florida als Teil der Ausstellung des Kennedy Space Center.
Kapseln für Deep-Space-Missionen
Die Landung Atlantis in Cape Canaveral bedeutete aber nicht nur das Ende des Spaceshuttles. Die Nasa hat sich damit auch von dem Konzept verabschiedet, nicht mehr mit Einwegraumschiffen ins All zu reisen, sondern mit wiederverwendbaren Raumfähren. Künftige Missionen werden wieder nach dem Muster der Apollo-Mondflüge ablaufen: Eine Rakete wird ein Raumfahrzeug, das aus einer Kapsel und einem Servicemodul besteht, ins All transportieren. Am Ende der Mission wird nur die Kapsel zur Erde zurückkehren.
Grund für die Rückkehr zum bewährten Konzept ist, dass sich ein Spaceshuttle nicht für Missionen zu entfernteren Regionen im Weltraum, dem sogenannten Deep Space, eignet. Das liegt zum einen an seiner Bauart mit den Tragflächen und einem Leitwerk, zum anderen an seiner Größe: Das Spaceshuttle war für Reisen bis zu zwei Wochen ausgelegt.
Raumfahrzeug für weite Reisen: Orion MPCV
Orion Multi-Purpose Crew Vehicle(öffnet im neuen Fenster) (MPCV) heißt das neue Raumfahrzeug, mit dem die Nasa in den Deep Space vordringen will: Es besteht aus einer konischen Mannschaftskapsel und einem Servicemodul, in dem sich der Antrieb und Systeme zur Erzeugung und Speicherung von Strom sowie Tanks für Wasser, Sauerstoff und Stickstoff befinden.

Das Raumfahrzeug hat an seiner Basis einen Durchmesser von 5 Metern und ein Gewicht von 23 Tonnen. Das Volumen beträgt 20 Kubikmeter, von denen 9 Kubikmeter bewohnbar sind. Damit ist es groß genug, dass vier Astronauten damit drei Wochen lang durch den Weltraum reisen können. Macht sich das Orion MPCV auf zu längeren Flügen, etwa zum Mars, kommt voraussichtlich ein Wohnmodul hinzu.
Making a Splash
Die Entwicklung ist bereits in vollem Gang: Das Orion MPCV basiert auf dem Raumfahrzeug Orion, das ursprünglich für das Constellation-Programm(öffnet im neuen Fenster) gedacht war, das vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush verkündete Mondprogramm. Ein Modell des Orion in Originalgröße existiert bereits. Damit übt die Nasa die Wasserung: Im Juli 2011 hat die Nasa die erste Testwasserung im Langley Research Center in Hampton im US-Bundesstaat Virginia durchgeführt - nur ein paar Stunden nach der letzten Landung eines Spaceshuttles.

Auch das Rettungssystem des neuen Raumfahrzeuges hat in Tests bereits seine Funktionsfähigkeit gezeigt. Das Launch Abort System (LAS) soll im Falle eines Startunfalls die Mannschaft retten. Es besteht aus einer Rakete, die auf der Spitze der Mannschaftskapsel sitzt. Kommt es beim Start zu Problemen, zündet das Raketentriebwerk des LAS in Millisekunden und bringt die Mannschaftskapsel von der Trägerrakete weg.
Einmal volltanken, bitte!
Der Unterschied zu den Apollo-Raumschiffen wird vor allem in der Größe liegen: Die längste Apollo-Mission dauerte knapp zwei Wochen. Zum Mars wäre ein Raumfahrzeug etwa drei Jahre unterwegs. Für solche Reisen plant die Nasa, Treibstoffdepots im Weltraum(öffnet im neuen Fenster) anzulegen. Darin sollen flüssiger Wasserstoff und Sauerstoff gespeichert werden. Die Raumfahrer sollen sich dort mit Nachschub versorgen.
Vorteil einer solchen Lösung ist laut Nasa, dass ein Raumschiff weniger Treibstoff mitzunehmen braucht. Dadurch verringert sich dessen Startgewicht, oder es kann mehr Nutzlast mitnehmen. Für den Start zählt jedes Kilogramm: Je schwerer ein Raumschiff ist, desto mehr Schub ist nötig, um es aus dem Gravitationsfeld der Erde zu bringen. Im April dieses Jahres hat die Nasa aufgefordert, entsprechende Ideen einzureichen . 2016 könnte eine erste Weltraumtankstelle starten.
Neue Trägerrakete Space Launch System
Um das Orion MPCV ins All zu schießen, reichen die aktuellen Trägerraketen nicht aus. Die Nasa entwickelt deshalb eine neue: das Space Launch System(öffnet im neuen Fenster) (SLS). Knapp 80 Tonnen soll die etwa 100 Meter große Rakete ins All transportieren, etwa zehn Prozent mehr als eine Saturn V(öffnet im neuen Fenster) , die im Apollo-Programm eingesetzt wurde. Eine spätere Variante des SLS soll sogar mit einer Nutzlast von über 140 Tonnen abheben.

Gebaut wird Orion MPCV von Lockheed Martin - den Auftrag dazu hat der US-Luft- und Raumfahrtkonzern im Mai 2011 erhalten . 2014 soll, so plant die Nasa, das Raumfahrzeug zu seinem ersten Testflug starten. Drei Jahre später soll die SLS zum ersten Mal abheben .
Große Ziele
Die Ziele sind auch schon gesteckt: 2025 soll die Nasa ein bemanntes Raumfahrzeug zu einem Asteroiden schicken. Etwa zehn Jahre später soll die erste bemannte Marsmission starten. Die ersten Menschen sollen dann zum Nachbarplaneten fliegen, ihn umkreisen und wieder zur Erde zurückkehren. Ist diese Expedition erfolgreich, soll die erste Landung wenige Jahre später folgen. Er erwarte, dass das noch zu seinen Lebzeiten passieren werde, erklärte US-Präsident Barack Obama im April 2010 .
Für Flüge im nahen Bereich, also etwa zur Versorgung der ISS, soll es aber auch in Zukunft wiederverwendbare Raumschiffe geben. Diese wird allerdings nicht die Nasa selbst entwickeln und betreiben, sondern das wird Aufgabe von privaten Weltraumunternehmen . Das Geld, was sie dadurch spart, will die Nasa in Deep-Space-Missionen stecken.
Commercial Crew Development(öffnet im neuen Fenster) (CCDev2) heißt das Programm, in dessen Rahmen vier US-Unternehmen im Frühjahr 270 Millionen US-Dollar von der Nasa bekommen haben. Dazu gehören Sierra Nevada, Boeing, Space Exploration Technologies(öffnet im neuen Fenster) (SpaceX), das Unternehmen von Elon Musk, Gründer von Paypal und heute Chef von Tesla Motors, und Blue Origin(öffnet im neuen Fenster) , das von Amazon-Chef Jeff Bezos gegründet wurde.
SpaceX fliegt zur ISS
SpaceX hat eine Trägerrakete, die Falcon 9(öffnet im neuen Fenster) , und eine Raumkapsel, Dragon(öffnet im neuen Fenster) genannt, entwickelt. Anfang Dezember 2010 schoss SpaceX eine Dragon an Bord einer Falcon 9 in die Erdumlaufbahn. Dragon kreiste zweimal um die Erde und wasserte anschließend im Pazifik. Es war das erste Mal, dass ein privates Raumfahrtunternehmen eine Raumkapsel in die Erdumlaufbahn und wieder zur Erde gebracht hat.

Schon plant die Nasa, die Dragon zur ISS zu schicken . Dafür hat SpaceX sogar sein Testprogramm umgestellt. Der Flug zur ISS ist für das kommende Frühjahr geplant. Der Erfolg stellte sich aber erst nach anfänglichen Rückschlägen ein: Mehrere Starts der Falcon 1 missglückten .
Rückschlag für Bezos: Blue Origin

Bezos' Blue Origin arbeitet noch an einem Raumfahrzeug für suborbitale Flüge, dem New Shepard(öffnet im neuen Fenster) . Die Trägerrakete ist einfach konzipiert: Sie steht auf vier Füßen und braucht deshalb keine Startrampe. Auf den Füßen landet sie auch und kann anschließend wieder eingesetzt werden. Im Mai 2011 führte Blue Origin einen erfolgreichen Testflug mit New Shepard durch. Beim folgenden Test im August wurde das Raumfahrzeug zerstört.
Konkurrenz aus Fernost: Chinas Weltraumstation Tiangong
Da die USA den Chinesen einen Korb für eine Beteiligung an der ISS gegeben haben, hat die Raumfahrtagentur China National Space Administration(öffnet im neuen Fenster) (CNSA) eine eigene Raumstation gebaut. Tiangong I (Himmelspalast) heißt die Station, die China am 29. September 2011 vom Raketenstartplatz Jiuquan in der Provinz Innere Mongolei aus ins All geschossen hat.


Die Station besteht aus zwei Modulen, einem Aufenthaltsmodul und einem Servicemodul. Letzteres enthält die Triebwerke, mit denen die Station ihre Lage regulieren kann, Versorgungssysteme sowie zwei Solarsegel. Tiangong 1 ist laut CNSA 9 Meter lang, hat einen Durchmesser von 2,8 Metern und wiegt 8,4 Tonnen.
Ehrgeizige Ziele
Tiangong I ist indes nur eine Teststation - ihre Lebensdauer ist auf zwei Jahre angelegt. 2013 soll sie abgesenkt werden und bei Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühen. Doch bis zum Ende des Jahrzehnts wollen die Chinesen eine eigene Raumstation in die Erdumlaufbahn bringen, und die soll nichts weniger als die Nachfolgerin der Internationalen Raumstation werden, die voraussichtlich im Jahr 2020 zum Absturz gebracht werden soll.
Kurz nach dem Start bekam Tiangong auch schon Besuch: Das Raumschiff Shenzhou VIII (Götterschiff) flog zu der Station, unter anderem, um unbemannte Andockmanöver zu proben. Gleich zweimal wurde Shenzhou an die Station an- und wieder abgedockt. Noch ist es leer im Himmelspalast. Doch schon mit dem nächsten oder dem übernächsten Götterschiff sollen die ersten Taikonauten, wie die Astronauten in China heißen, zur Tiangong fliegen. Geplanter Starttermin für Shenzhou IX ist im Frühjahr 2012. Shenzhou X soll später im Jahr folgen.
Shenzhou VIII übte aber nicht nur Andocken bei Tiangong - das Raumschiff nahm auch die Versuchsanlage Science in Microgravity Box(öffnet im neuen Fenster) (Simbox) mit ins All. Das ist eine Art Weltraumbrutkasten, in dem 40 Kästen von der Größe von Zigarettenschachteln Platz haben. Sie enthielten unter anderem Pflanzen, Fadenwürmer, Bakterien und menschliche Krebszellen, die zwei Wochen lang mit im Weltraum waren. Anschließend wird untersucht, wie sich die Schwerelosigkeit und die Strahlung im Weltraum auf die Organismen und die Krebszellen auswirken. Das deutsch-chinesische Gemeinschaftsprojekt war die erste Kooperation der Chinesen mit einer anderen Nation in der Raumfahrt .
Branson im Weltall: Virgin Galactic
Fortschritte hat 2011 auch das kommerzielle Raumflugprogramm von Virgin Galactic(öffnet im neuen Fenster) gemacht: Das Unternehmen des britischen Geschäftsmanns Richard Branson will zahlungskräftigen Kunden einen Trip ins All ermöglichen. Die werden zu acht - sechs Passagiere und zwei Piloten - im Raketenflugzeug Spaceship Two Platz nehmen, das unter dem Trägerflugzeug Whiteknight Two hängt. Es bringt das Spaceship Two bis in eine Höhe von 15 Kilometern. Von dort wird es mit seinem eigenen Raketenantrieb bis in etwa 100 Kilometer Höhe aufsteigen und anschließend im Gleitflug zur Erde zurückkehren.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Erste Gleitflüge hat das Spaceship Two bereits absolviert. 2012 sollen erstmals auch Flüge mit Raketenantrieb durchgeführt werden. Auf dem Boden ist schon alles vorbereitet: Mitte Oktober 2011 hat Virgin Galactic seinen vom renommierten britischen Architekten Norman Foster(öffnet im neuen Fenster) entworfenen Raumflughafen, den Spaceport America(öffnet im neuen Fenster) nahe Upham im US-Bundesstaat New Mexico, mit einer spektakulären Feier eingeweiht .

2013 soll es voraussichtlich losgehen . Die ersten Passagiere stehen auch schon fest: Gründer Branson selbst und seine beiden Kinder. Der gesamte Flug soll zweieinhalb Stunden dauern, davon 5 Minuten in der Schwerelosigkeit. 200.000 US-Dollar verlangt Virgin Galactic für einen Ausflug. Interessenten gibt es trotzdem genug: Dem Unternehmen liegen nach eigenen Angaben schon über 450 Buchungen vor.
Start von Galileo
Lange hat es gedauert, zeitweise stand das ganze Projekt sogar auf der Kippe: Im Oktober startete das lange überfällige europäische Satellitennavigationssystem Galileo(öffnet im neuen Fenster) - oder zumindest seine beiden ersten regulären Satelliten; die Testsatelliten Giove A und Giove B sind schon seit einigen Jahren im Orbit. Am 21. Oktober 2011 hoben sie an Bord einer Trägerrakete vom Raketenstartplatz Kourou im französischen Überseedepartement Französisch-Guayana ab. Auch da kam es noch zu einer Verzögerung: Wegen eines technischen Problems an der Trägerrakete musste der Start um einen Tag verschoben werden.

Die ersten Satelliten sollten 2006 in den Orbit geschossen werden. Zwei Jahre später hätte die Konkurrenz zum US-System GPS einsatzbereit sein sollen. Stattdessen verzögerten Querelen, finanzielle Schwierigkeiten und politischer Druck aus den USA das Projekt immer weiter. 2007 wäre es wegen eines Streits zwischen den Eignern des Satellitenkonsortiums European Satellite Navigation Industries (ESN) beinahe komplett gescheitert . Als Starttermin für Galileo gilt jetzt das Jahr 2014. Dann sollen drei der geplanten fünf Galileo-Dienste(öffnet im neuen Fenster) verfügbar sein.
Sojus-Premiere in Kourou
Es war eine doppelte Premiere: Die ersten regulären Galileo-Satelliten wurden von einer Sojus ST-B ins All transportiert. Es war der erste Start der russischen Trägerrakete außerhalb der ehemaligen Sowjetunion. Bisher waren die Sojus-Raketen von Baikonur in Kasachstan und von Plessezk nahe der nordrussischen Stadt Archangelsk aus gestartet.

Es soll der Auftakt einer europäisch-russischen Weltraumkooperation sein. Die Sojus von Kourou starten zu lassen, hat einige Vorteile: Die russische Rakete ist kleiner als die europäische Ariane 5(öffnet im neuen Fenster) . Sie kann deshalb Nutzlasten ins All transportieren, die zu klein für die europäische Rakete sind - ein Transport mit der Ariane wäre nicht wirtschaftlich. Der Start einer Sojus kostet weniger Geld, weshalb auch der Satellitentransport günstiger wird. Da Kourou näher am Äquator liegt als Baikonur und Plessezk, braucht die Rakete weniger Treibstoff und kann mehr Nutzlast mitnehmen.
Phobos Grunt: Abhängen im Orbit...
Eine weniger glanzvolle Vorstellung gab das russische Weltraumprogramm einen Monat später: Anfang November schickte die Weltraumagentur Roscosmos das Raumfahrzeug Phobos Grunt(öffnet im neuen Fenster) auf die Reise zum Mars-Mond Phobos(öffnet im neuen Fenster) . Es sollte die erste interplanetarische russische Weltraummission seit 1996 werden.

Zuerst lief alles nach Plan: Der Start klappte, das Raumfahrzeug wurde nach neun Minuten von der Rakete getrennt. Doch als knapp drei Stunden später das Raketentriebwerk der Sonde zünden sollte, passierte - nichts. Mit zwei Zündungen sollte das Triebwerk Phobos Grunt aus dem Orbit auf den Weg zum Mars bringen. Stattdessen saß die Sonde im Orbit fest und meldete sich nicht mehr .
Erst zwei Wochen später bekam die europäische Weltraumagentur Esa, später auch Roscosmos selbst wieder Kontakt zu der Sonde , wenn auch nur sporadisch. An eine Rettung, wie anfangs erhofft, war da nicht mehr zu denken. Einige Tage später lösten sich sogar zwei Teile von der Sonde. Phobos Grunt wird voraussichtlich im Januar 2012 abstürzen. Problematisch ist, dass an Bord geringe Mengen radioaktiven Kobalts 57 sowie giftiger Treibstoff sind. Es war übrigens nicht die erste Panne der Russen in diesem Jahr: Im August war eine Sojus-Rakete wegen eines defekten Triebwerks etwa fünf Minuten nach dem Start abgestürzt.
... statt zum Mars fliegen: Curiosity

Besser lief es da für die nächste Mars-Mission der Nasa: Am 26. November brachte eine Atlas-V-Trägerrakete(öffnet im neuen Fenster) den Rover Curiosity auf die 567 Millionen Kilometer lange Reise zum Mars. Über Monate wird der Marsrover, dessen korrekte Bezeichnung Mars Science Laboratory(öffnet im neuen Fenster) (MSL) lautet, unterwegs sein.

Anfang August 2012 soll er in einem aufwendigen Manöver landen: Der Rover wird zusammen mit seiner Transportkapsel in die Marsatmosphäre eintreten. Ein Hitzeschild soll verhindern, dass das Fahrzeug dabei verglüht. Ein an der Kapsel befestigter Fallschirm öffnet sich nach einer Zeit und bremst den Fall. Etwa 20 Meter über dem Boden werden Curiosity und eine Abstiegsstufe, eine Art raketenangetriebener Kran, aus der Kapsel ausgeklinkt. Die Raketen zünden und fangen so den freien Fall ab. Der Kran lässt dann den Rover sicher auf die Marsoberfläche hinab.
Der Curiosity ist das größte Fahrzeug, das die Nasa zum Mars schickt: Es ist 3,1 Meter lang, 2,7 Meter breit und wiegt 900 Kilogramm und ist damit deutlich größer als die beiden Vorgänger Spirit und Opportunity oder der Pathfinder. Curiosity verfügt über einen Mast, an dem mehrere Kameras befestigt sind. Diese befinden sich gut 2 Meter über dem Boden und ermöglichen so einen Überblick. Mit einem 2,1 Meter langen Roboterarm kann das mobile Labor den Marsboden erforschen und Proben entnehmen. Diese werden dann im Bordlabor Sample Analysis at Mars untersucht. Insgesamt hat Curiosity zehn wissenschaftliche Instrumente an Bord.
Ziel der Mission ist die Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars: Curiosity soll herausfinden, ob auf dem Mars einmal Bedingungen herrschten, die die Entwicklung von Leben ermöglichten und ob es noch Hinweise auf diese Bedingungen und Organismen gibt. Schließlich soll er auch Wasser aufspüren. Ein Marsjahr soll die Mission dauern, das sind 687 Erdtage.
Spirit und Opportunity
Seine Vorgänger, die baugleichen Rover Spirit(öffnet im neuen Fenster) und Opportunity(öffnet im neuen Fenster) , hielten indes deutlich länger durch: Beide landeten Anfang 2004 auf dem Nachbarplaneten und sollten wenige Monate lang Erkundungen durchführen.
Spirit war bis April 2009 unterwegs. Dann blieb er im Sand stecken, war aber zunächst weiter aktiv. Im darauffolgenden Winter, der kurz danach anfing, verlor die Nasa jedoch den Kontakt. Anfang 2011, im Frühling in den südlichen Breiten des Mars, verstärkte die Nasa ihre Bemühungen, den Kontakt wiederherzustellen. Jedoch vergeblich: Im Mai gab die Nasa Spirit verloren .






Opportunity hingegen ist weiter munter auf dem Mars unterwegs - und immer noch für eine Überraschung gut: Gerade erst hat der Rover erste Hinweise auf Wasser entdeckt: Er ist auf eine Gipsader gestoßen . Was auf Erde kaum beachtenswert gewesen wäre, ließ die Geologen jubeln: Die Gipsader könne nur von fließendem Wasser abgelagert worden sein, sie sei also der Beweis dafür, dass es auf dem Mars Wasser im flüssigen Zustand gegeben haben müsse.
Möglicherweise gibt es das auch heute noch: Die US-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter(öffnet im neuen Fenster) (MRO) hat auf der Marsoberfläche Linien an Bergabhängen entdeckt, die sich im Laufe der Jahreszeiten ändern. Es könnte sich dabei um Rinnen handeln, die durch flüssiges Wasser verursacht werden, gab die Nasa im Sommer bekannt .
Aus dem Sonnensystem, aber nicht aus dem Sinn: Voyager 1
Verabschiedet hat sich in gewisser Weise auch die US-Raumsonde Voyager 1(öffnet im neuen Fenster) . Nicht von der Erde - die hat sie ja schon im Jahr 1977 verlassen. Nein, sie ist gerade drauf und dran, unser Sonnensystem zu verlassen. 18 Milliarden Kilometer habe sich Voyager 1 von der Sonne entfernt, hat die Nasa Anfang Dezember mitgeteilt(öffnet im neuen Fenster) . Voyager 2 folgt in 3 Milliarden Kilometern Abstand. Beide Sonden sind voll funktionstüchtig und funken regelmäßig nach Hause.



Inzwischen registrieren die Instrumente schon Einflüsse aus dem interstellaren Raum. Die Magnetometer zeigen zwar, dass sich die Richtung der Feldlinien noch nicht geändert habe. Das bedeutet, dass sich die Sonde noch innerhalb der Heliosphäre(öffnet im neuen Fenster) befindet. Aber die Intensität des Magnetfeldes habe zugenommen, was auf einen zunehmenden Einfluss von außen hinweise.
Lange wird es nicht mehr dauern, bis Voyager 1, die mit knapp 64.000 km/h unterwegs ist, als erster von Menschen geschaffener Gegenstand das Sonnensystem verlassen wird. "Wir werden nicht mehr lange warten müssen, bis wir herausfinden, wie der Raum zwischen den Sternen wirklich aussieht" , sagte Ed Stone, einer der Wissenschaftler aus dem Voyager-Projekt.
Die Wahrheit ist dort draußen. Irgendeine Wahrheit. Bestimmt.



