Abo
  • Services:

Lobbyismus: PR-Agentur prahlt mit Manipulation von Wikipedia und Google

Reporter haben Lobbyisten der Agentur Bell Pottinger heimlich gefilmt, als die erklärten, wie sie Wikipedia-Einträge und Google im Sinne ihrer Kunden beeinflussen.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Tim Collins von Bell Pottinger prahlte mit den "dunklen Künsten" seiner Agentur.
Tim Collins von Bell Pottinger prahlte mit den "dunklen Künsten" seiner Agentur. (Bild: Screenshot: Zeit Online)

Dunkle Künste sind nur so lange Künste, wie sie im Dunklen bleiben. Diese Erfahrung macht gerade die englische PR- und Lobby-Agentur Bell Pottinger. Leitende Angestellte wurden heimlich gefilmt, als sie damit prahlten, Politiker, darunter auch Ministerpräsidenten, zu beeinflussen und Google-Suchergebnisse sowie Wikipedia-Einträge für ihre Kunden zu manipulieren. Geschäftsführer Tim Collins sagte, seine Agentur beherrsche "alle möglichen dunklen Künste". Nun wurden diese Künste ans Licht gezerrt und der Imageschaden für Bell Pottinger dürfte immens sein.

Stellenmarkt
  1. ACP IT Solutions AG, Bielefeld
  2. Medion AG, Essen

Zehn Accounts bei Wikipedia sind gesperrt, weil sie möglicherweise von Bell Pottinger benutzt wurden, um die Einträge über Kunden der Agentur zu schönen. Der Wikipedia-Eintrag über die Agentur selbst erwähnt den Vorfall gleich im zweiten Absatz.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sagte der Financial Times, die Einträge über die Kunden von Bell Pottinger würden darauf untersucht, ob es Hinweise auf Interessenkonflikte gebe, die mit den Richtlinien der Online-Enzyklopädie unvereinbar sind.

Manipulationen von Wikipedia-Einträgen durch Lobbyisten gibt es immer wieder. Bei Wikimedia Deutschland will man am offenen System trotzdem nichts ändern. So bleibt dem Verein nicht viel anderes übrig, als auf die Selbstkontrolle der Community zu setzen: "Wir wollen durch Autorengewinnung und mehr Diversität in der Community die Wikipedia-Autorengemeinschaft stärken. Denn je mehr Menschen mitmachen, desto besser können Manipulationsversuche erkannt und verhindert werden."

Das Bureau of Investigative Journalism musste allerdings einigen Aufwand betreiben, um herauszufinden, wie Bell Pottinger arbeitet. Veröffentlicht wurden die Recherche-Ergebnisse in der Tageszeitung The Independent. Die Journalisten gaben sich als Vertreter der usbekischen Regierung und der usbekischen Baumwollindustrie aus. Sie kontaktierten Londoner PR- und Lobby-Agenturen, um herauszufinden, was diese anbieten würden, um den Ruf Usbekistans zu verbessern. Das Land gilt wegen Kinderarbeit auf Baumwollfeldern und anderer schwerer Menschenrechtsverletzungen als eines der repressivsten der Welt.

Bei zwei Treffen mit Vertretern von Bell Pottinger, die sich als eine von fünf Agenturen bereiterklärt hatte, einen solchen Auftrag anzunehmen, nahmen die Reporter das Gespräch auf. Einer der PR-Spezialisten sagte, Bell Pottinger habe ein Team, das "Wikipedia in Ordnung bringen" könne. Um die Google-Suchergebnisse zu beeinflussen, würde die Agentur vorgeblich unabhängige Blogs einrichten, die positive Inhalte über Usbekistan und beliebte Keywords enthalten. Ähnlich gehe man mit von der Regierung erstellten Artikeln und Videos vor, damit kritische Inhalte zu Usbekistan in den Suchergebnissen nach unten rutschen.

"Es wäre peinlich, wenn das rauskäme"

Solche "dunklen Künste", von denen Tim Collins sprach, sollten aber nicht in schriftlichen Präsentationen auftauchen, "weil es peinlich wäre, wenn das rauskäme".

Laut Collins setzt die Agentur aber den Willen zu Reformen im Land voraus. Erst dann sei der Einsatz einer PR-Agentur gerechtfertigt. Ein anderer Mitarbeiter gab an, keinen Kunden zu repräsentieren, dem er nicht glaube.

Konfrontiert mit den Aufnahmen, ließ Vorstandschef Lord Tim Bell über seine Anwälte verlauten, dass er das Vorgehen des Bureau of Investigative Journalism "nicht ansatzweise als verantwortungsvollen Journalismus" ansehe. Vielmehr sei es eine unethische Täuschung, um eine Story zu fabrizieren, wo keine sei.

Für sein Unternehmen könnte die Angelegenheit bitter enden: Die Agentur selbst wird nun für einige Zeit mit ihren fragwürdigen Methoden in Verbindung gebracht werden, denn eine Suche nach Bell Pottinger in der englischen Version von Google ergibt schon jetzt mehrere entsprechende Treffer an prominenter Stelle. Kunden der Agentur, darunter Regierungen und internationale Großkonzerne, könnten deshalb ihre Zusammenarbeit überdenken, zumal einige von ihnen bei Wikipedia aufgelistet sind. [Der Artikel erschien zuerst bei Zeit Online]



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)
  2. 5€ inkl. FSK-18-Versand
  3. 5€ inkl. FSK-18-Versand

chaosclub 12. Sep 2012

http://www.nw-news.de/lokale_news/guetersloh/guetersloh...

SSD 14. Dez 2011

An dieser Stelle sollte man vll. erwähnen, dass man das alles aber auch zu negativ sehen...

Anonymer Nutzer 11. Dez 2011

Bedeutet aber etwas anderes. (Der Charakter des Menschen ist immer eine Art Rolle, so...

SoniX 10. Dez 2011

Naja es kommt immer darauf an was man mit der Werbung erreichen will. Manche sind dazu...

aha47 10. Dez 2011

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal nachplappern...


Folgen Sie uns
       


Anno 1800 angespielt

Anno 1800 in der Vorschau: Wir konnten Blue Bytes Aufbautitel einige Zeit lang spielen, genauer gesagt, bis einschließlich der dritten von fünf Zivilisationsstufen. Anno 1800 orientiert sich mehr an Anno 1404 und nicht an den in der Zukunft angesiedelten direkten Vorgängern.

Anno 1800 angespielt Video aufrufen
Alienware m15 vs Asus ROG Zephyrus M: Gut gekühlt ist halb gewonnen
Alienware m15 vs Asus ROG Zephyrus M
Gut gekühlt ist halb gewonnen

Wer auf LAN-Partys geht, möchte nicht immer einen Tower schleppen. Ein Gaming-Notebook wie das Alienware m15 und das Asus ROG Zephyrus M tut es auch, oder? Golem.de hat beide ähnlich ausgestatteten Notebooks gegeneinander antreten lassen und festgestellt: Die Kühlung macht den Unterschied.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Alienware m17 Dell packt RTX-Grafikeinheit in sein 17-Zoll-Gaming-Notebook
  2. Interview Alienware "Keiner baut dir einen besseren Gaming-PC als du selbst!"
  3. Dell Alienware M15 wird schlanker und läuft 17 Stunden

Android-Smartphone: 10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen
Android-Smartphone
10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen

Android ist erst zehn Jahre alt, doch die ersten Geräte damit sind schon Technikgeschichte. Wir haben uns mit einem Nexus One in die Zeit zurückversetzt, als Mobiltelefone noch Handys hießen und Nachrichten noch Bällchen zum Leuchten brachten.
Ein Erfahrungsbericht von Martin Wolf

  1. Android Q Google will den Zurück-Button abschaffen
  2. Sicherheitspatches Android lässt sich per PNG-Datei übernehmen
  3. Google Auf dem Weg zu reinen 64-Bit-Android-Apps

Chromebook Spin 13 im Alltagstest: Tolles Notebook mit Software-Bremse
Chromebook Spin 13 im Alltagstest
Tolles Notebook mit Software-Bremse

Bei Chromebooks denken viele an billige, knarzende Laptops - das Spin 13 von Acer ist anders. Wir haben es einen Monat lang verwendet - und uns am Ende gefragt, ob der veranschlagte Preis für ein Notebook mit Chrome OS wirklich gerechtfertigt ist.
Ein Test von Tobias Költzsch


      •  /