Galaxy Nexus im Test: Vorführ-Smartphone für Googles Android 4.0

Samsungs Galaxy Nexus ist das erste Gerät mit der aktuellen Version von Googles mobilem Betriebssystem: Android 4, oder genauer 4.0.1 . Das Smartphone, das Samsung und Google gemeinsam entwickelt haben, ist ein Referenzgerät für Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich , das in seiner Urform zum Einsatz kommt. Es hat keinerlei Anpassungen durch den Hersteller Samsung erhalten. Das Betriebssystem vereint die Android-2-Version und das bislang nur für Tablets gedachte Android 3 alias Honeycomb.

Auf unserem Testgerät war bereits eine aktuelle Firmware installiert, die den Lautstärkefehler beseitigte, der auf ersten veröffentlichten Geräten aufgetreten war .

Leicht trotz Alurahmen
Die Leichtbauweise des Galaxy Nexus mit einem Gewicht von 140 Gramm entspricht der des des Galaxy S2 , das 115 wiegt. Das höhere Gewicht des Galaxy Nexus ist darauf zurückzuführen, dass sein Rahmen – anders als der des Galaxy S2 – aus Aluminium ist. Die gesamte Vorderfront ist mit kratzfestem Glas überzogen, die rückseitige Abdeckung ist aus Hartplastik.


























Das Galaxy Nexus misst 135,5 x 67,9 x 8,9 mm. Damit ist es um 10 mm länger als das Galaxy S2 mit 125,3 x 66,1 x 8,5 mm und unwesentlich breiter und dicker. In der seitlichen Ansicht wird das Smartphone von oben nach unten dicker und die Glasabdeckung ist zur Mitte hin nach innen gewölbt.
Auflösung wie bei Tablets oder Netbooks
Das Display des Galaxy Nexus misst 4,65 Zoll in der Diagonalen. Zum Vergleich: Das Display des Galaxy S2 hat eine Bilddiagonale von 4,27 Zoll. Das Display des Galaxy Nexus ist nur wenig breiter, aber auffällig länger als das des Galaxy S2 und bietet damit ausreichend Platz für die Bildschirmtasten von Android 4.0. Die Auflösung des Amoled-Displays mit Pentile-Technik ist mit 720 x 1.280 Pixeln so hoch wie bei manchen Tablets oder Netbooks. Effektiv bleiben in den meisten Anwendungen von den 1.280 Pixeln 1.184 Pixel übrig, den Rest nehmen die Bildschirmtasten in Anspruch.
Die Farben wirken kontrastreich, aber nicht so übertrieben knallig wie beim Galaxy S2, sondern viel natürlicher. Außerdem gibt es keinen der Treppeneffekte, die auf Geräten mit niedrigeren Auflösungen auftreten. Auch bei direktem Sonnenlicht sind Inhalte auf dem spiegelnden Display gut lesbar. Die automatische Steuerung der Bildschirmhelligkeit arbeitet allerdings auch mit Android 4.0 nicht vernünftig, wie auch bei anderen Android-Versionen ist die gewählte Einstellung oftmals zu dunkel. Abhilfe kann der Nutzer nur schaffen, indem er die Automatik abschaltet und die Helligkeit manuell regelt.
Gut vernetzt
Unter dem Wulst am unteren Ende des Smartphones befinden sich die Antennen. Mit dem HSPA+-Modem kann das Smartphone Daten empfangen. Bei entsprechend ausgerüsteten Funktürmen ist eine Datenübertragung von bis zu 21 Megabit pro Sekunde möglich. Außerdem verbindet sich das Galaxy Nexus nach 802.11 a/b/g/n mit dem Netzwerk und deckt somit die 5-GHz-Frequenz ab. Auch Android 4.0 unterstützt die Nutzung als WLAN-Hotspot. Bluetooth beherrscht das Smartphone in der Version 3.0.
Mit Android 4.0 kommuniziert das Galaxy Nexus über NFC mit anderen Geräten, die ebenfalls mit Ice Cream Sandwich ausgestattet sein müssen. Dann sollen sich Webseiten, Kartenausschnitte in Google Maps, Anwendungen oder Youtube-Videos mit anderen Geräten austauschen lassen. Weil uns nur ein Galaxy-Nexus-Modell vorlag, konnten wir die Funktion nicht ausprobieren. Die Sprachqualität beim Telefonieren ist überdurchschnittlich.
Dualcore, aber keine Micro-SD-Karte
Auf dem OMAP-4460-SoC (System-on-a-Chip) von Texas Instruments ist ein Cortex-A9-Dual-Core-Prozessor verbaut, der mit 1,2 GHz getaktet ist. Als GPU kommt der Chipsatz SGX540 von PowerVR zum Einsatz. Die Kapazität des Akkus gibt Samsung mit 6,48 Wattstunden an. Mit eingeschalteten Stromsparoptionen und durchschnittlicher Nutzung reichte der Akku für etwa eineinhalb Tage. Bei zusätzlicher Belastung, etwa durch Spielen von Angry Birds, die Nutzung von Google Maps oder das Abspielen von Videos, musste der Akku am selben Tag wieder aufgeladen werden.
Das Galaxy Nexus gibt es vorerst nur mit 16 GByte Speicher. Samsung hat zwar auch eine 32-GByte-Ausführung angekündigt, aber es ist noch vollkommen unklar, ob es diese auch in Deutschland geben wird. Auf unserem Testmodell blieben effektiv etwa 13,3 GByte Speicher übrig. Da ein Steckplatz für eine Micro-SD-Karte fehlt, können keine weiteren Daten auf dem Gerät abgelegt werden, wenn der interne Speicher voll ist. Samsung gibt den Arbeitsspeicher mit 1 GByte an.
Galaxy Nexus soll zeigen, was Android 4.0 kann
Das Galaxy Nexus soll auch zeigen, was Android 4 alias Ice Cream Sandwich (ICS) kann. Es übernimmt die Softwaretasten aus Android 3.x alias Honeycomb. Anders als bei der bisherigen Android-Version für Smartphones gibt es keine dezidierte Menü- und Suchen-Tasten mehr, dafür ist eine Taskmanager-Taste dazugekommen. Der virtuelle Home-Button, die Zurück-Taste und die Taste für den Taskmanager wechseln ihre Positionen im Quer- und Hochformat, befinden sich im Querformat allerdings immer auf der rechten Seite. Der Lagesensor reagiert eher träge, es dauert immer einen Moment, bis sich der Bildschirminhalt passend ausrichtet.


























Die Zurück-Taste funktioniert anders als mit der bisherigen Smartphone-Version von Android und wechselt beispielsweise nicht mehr zwischen Anwendungen. Stattdessen können Bedienungsschritte in Anwendungen auch zurückgenommen werden, wenn die Anwendung zwischendurch gewechselt wurde.
Taskmanager mit Wischfunktion
Im Taskmanager lassen sich Anwendungen direkt beenden. Dazu können einzelne Anwendungen wahlweise so lange gedrückt werden, bis das entsprechende Kontextmenü erscheint, oder einfacher mit einem Wisch nach links oder rechts geschlossen werden. Die Bedienung erinnert an das Löschen von Einträgen unter WebOS.
Die Taste zum Aufrufen des Programmmenüs ist nun in die Anwendung integriert worden. Sie wird durch drei Punkte übereinander dargestellt. Wo sich die Bildschirmtaste in einer Anwendung befindet, ist nicht festgelegt und inkonsistent umgesetzt. In einigen Applikationen ist sie oben, in anderen aber unten platziert. In Anwendungen, die noch nicht an Android 4.0 angepasst sind, werden die drei Punkte in der Bildschirmtastenleiste eingefügt.
Startbildschirm nur im Hochformat
In der Standard-Android-Version gibt es fünf Startbildschirme, die nur im Hochformat angezeigt werden können. Auf welchem sich der Anwender befindet, zeigt eine Leiste an, allerdings fast unsichtbar und nur beim Wechseln zwischen den einzelnen Startbildschirmen. Ein Rotieren zwischen den Startbildschirmen ist nicht möglich, wird der letzte Startbildschirm erreicht, muss wieder zurückgewischt werden. In der unteren Leiste können vier Anwendungen untergebracht werden, die so bequem erreicht werden können.
Im Programmstarter werden Anwendungen in einzelne Fenster sortiert, durch die von links nach rechts gewischt wird. Das Hinzufügen von Widgets geschieht nun über den Programmstarter und nicht wie bisher über das Kontextmenü des Startbildschirms. Darüber lassen sich nur noch die Hintergrundbilder ändern. Einige Widgets lassen sich in der Größe verändern, etwa das für E-Mails oder den Kalender.
Neue App-Verwaltung
Apps werden nicht wie es bisher üblich war über den gleichnamigen Menüpunkt vergleichsweise umständlich in den Einstellungen gelöscht. Anwendungen können nun über den Programmstarter deinstalliert werden. Hält man das Programm-Icon fest, erscheint die entsprechende Option zum Deinstallieren am oberen Rand des Bildschirms, auf die das Symbol gezogen werden kann.


























Auf den Startbildschirmen platzierte Anwendungen lassen sich bequem in Ordner zusammenfassen, indem ein Icon auf ein anderes gezogen wird. Bei Bedarf kann jedes Verzeichnis mit einem eigenen Namen versehen werden. Das bringt deutlich mehr Übersicht. Beim Öffnen des Verzeichnisses erscheint ein Popup, das alle darin befindlichen Anwendungen zeigt. Die Popup-Größe richtet sich nach der Menge der Anwendungen, passt sich also automatisch an. Von dort können einzelne Anwendungsstarter auch wieder bequem herausgezogen werden.
Onlinekosten im Blick
Die Informationen zur Speicherbelegung sind detaillierter als bisher: In den Einstellungen unter Speicher wird aufgelistet, wie viel davon Anwendungen, Bilder und Videos oder Musik belegen. Außerdem ist die Überwachung der Datenübertragung auf dem Gerät eine weitere Neuerung. Der entsprechende Eintrag listet detailliert auf, welche Anwendungen Daten über das Netzwerk anfordern. Als weitere Verbesserung befinden sich die Optionen für das Ein- und Ausschalten von WLAN oder Bluetooth auf der obersten Ebene der Einstellungen und sind damit bequemer als bisher erreichbar. Zuvor lagen diese in Untermenüs versteckt.
Im Webkit-basierten Browser gibt es einige Änderungen. Einzelne Webseiten können beispielsweise zum Offlinelesen gespeichert und auch ohne Internetverbindung jederzeit abgerufen werden. In der Tabübersicht werden geöffnete Webseiten übereinander aufgelistet und können per seitlicher Wischgeste geschlossen werden. Lesezeichen lassen sich auf dem Startbildschirm ablegen. Das Scrollen durch Webseiten ist flüssig.
Flinker Browser mit privatem Modus
Außerdem werden Inhalte schnell gerendert. Auf dem Galaxy S2 erscheint hingegen oftmals noch ein kariertes Hintergrundmuster beim schnellen Verschieben von Browserinhalten. Im Peacekeeper-Benchmark von Futuremark schnitt der Browser auf dem Nexus mit 512 Punkten deutlich besser ab als auf dem Galaxy S2 mit 270 Punkten.
Der Browser unterstützt das Browsen im privaten Modus. Dabei sollen aufgerufene Webseiten nicht synchronisiert werden, tauchen nicht im Verlauf auf und auch entsprechende Daten, etwa Cookies, werden nicht gespeichert. Wechselt der Nutzer in eine andere Anwendung, ohne zuvor eine andere Webseite im Browser geöffnet zu haben, bleibt die im Privatmodus geöffnete Webseite im Taskmanager in verkleinerter Darstellung sichtbar. Hier wäre eine konsequentere Umsetzung sinnvoll, indem etwa eine Webseite im Privatmodus im Taskmanager ausgegraut wird.
Spielen mit der Gesichtserkennung
Mit Ice Cream Sandwich ausgestattete Geräte können per Gesichtserkennung aktiviert werden. Dazu liest das Smartphone das Gesicht des Anwenders zunächst über die frontseitige Kamera aus. Anschließend muss zur Sicherheit als Alternative noch eine PIN oder Wischmustereingabe definiert werden. Um sich anzumelden, muss der Anwender im Idealfall nur das Gerät vor das Gesicht halten. Scheitert die Erkennung, lässt sich das Smartphone per PIN-Nummer oder mit dem Wischmuster freischalten.


























Bei eingehenden Telefonaten ist die Gesichtserkennung zu zeitaufwendig. Daher lässt sich die Telefonapplikation auch direkt aufrufen. Ist das Gespräch beendet, wird die Sperre sofort wieder aktiv. Ebenso lässt sich die Kameraanwendung direkt starten und Musikstücke können aus dem Sperrbildschirm heraus pausiert werden.
Eine erfolgreiche Gesichtserkennung ist stark abhängig von den Lichtverhältnissen. Liegt auf dem Gesicht ein Schatten, etwa bei starker Hintergrundbeleuchtung, oder reicht das Licht nicht aus, funktioniert sie nicht. Auch der Winkel, in dem der Benutzer in das Telefon sieht, spielt eine entscheidende Rolle. Für uns war die Fehlerquote so hoch, dass wir die Option bald wieder deaktivierten. Sie entpuppte sich lediglich als nette Spielerei. Außerdem konnten wir die Sperre auch mit einem Foto lösen. Selbst Google weist explizit darauf hin, dass die Gesichtserkennung nicht besonders sicher ist.
Offlinesuche in E-Mails
Einzelne Benachrichtigungen lassen sich nun wegwischen, indem der Eintrag nach links oder rechts aus dem Bildschirm geschoben wird, wie auch unter WebOS. In früheren Android-Versionen konnten Benachrichtigungen nur einzeln entfernt werden, wenn sie ausgewählt und dann gelöscht wurden. Sind neue Nachrichten oder E-Mails eingegangen, blinkt eine LED auf dem Galaxy Nexus.
Die E-Mail-Vorschau zeigt neben der Betreffzeile auch die erste Zeile der Nachricht an, damit der Nutzer ihren Inhalt erfassen kann, ohne sie öffnen zu müssen. Als weitere Neuerung ermöglicht die Google-Mail-Anwendung nun das Durchsuchen der E-Mails der letzten 30 Tage auch ohne Internetverbindung. Verbessert wurde auch der Android-Kalender, dessen Ansicht nun mittels Zoomgeste in der Größe verändert werden kann. Die Ansicht ganztägiger Termine kann verkleinert werden.
Durchschnittliche Kamera
Die Kamera des Galaxy Nexus entspricht mit einer Auflösung von 5 Megapixeln nicht gerade dem aktuellen Standard, das Galaxy S2 hat bereits eine 8-Megapixel-Kamera. Immerhin hat sie auch eine stufenlose Zoomfunktion. Dennoch macht die Kamera ordentliche Bilder. Neu in Android 4.0 ist die Möglichkeit, Panoramaaufnahmen zu machen, was gut funktioniert. Videos nimmt das Galaxy Nexus im 1080p-Format auf.
Bleibt noch, den Equalizer zu erwähnen, der über die Optionen beim Abspielen von Musikstücken erreichbar ist. Dort können Vorlagen geladen werden, die für gängige Musikgenres gedacht sind. Der Anwender kann auch selbst Einstellungen vornehmen, die durchaus hörbare Änderungen bewirken. Das Galaxy Nexus meldet sich als MTP-Gerät ( Media Transfer Protokoll(öffnet im neuen Fenster) ) beim Betriebssystem an. Unter Windows 7 konnten wir über den Explorer auf den Speicher im Smartphone zugreifen, nachdem Treiber automatisch nachinstalliert worden waren. Unter Mac OS X wird dann eine entsprechende Software für den Zugriff benötigt(öffnet im neuen Fenster) . Die aktuelle Windows-Version von Kies(öffnet im neuen Fenster) erkennt das Galaxy Nexus nicht. Vermutlich fehlen dem Stock-Android die entsprechenden Samsung-Erweiterungen. Linux-Anwender müssen noch auf die passenden Udev-Regeln warten, wir sind bislang noch nicht fündig geworden.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Galaxy Nexus ist bereits bei O2 Deutschland im Onlineshop erhältlich und kostet dort ohne Vertrag 619 Euro. Der Listenpreis für das Galaxy Nexus beträgt in Deutschland 680 Euro. Bei Cyberport kostet das Galaxy Nexus derzeit 515 Euro und bei Amazon direkt 530 Euro. Amazon kann das Mobiltelefon aber nach eigener Aussage frühestens am 15. oder 16. Dezember 2011 liefern. Vodafone und die Deutsche Telekom haben bislang nicht offiziell bekanntgegeben, wie viel sie für das Galaxy Nexus verlangen wollen und wann es dort zu haben sein wird. Fazit
Das Display mit seiner hohen Auflösung beeindruckt durch Farbechtheit und hohen Kontrast. Außerdem bietet es viel Platz für Inhalte und ist gerade so groß, dass zur Bedienung keine Verrenkungen nötig sind, wie manchmal beim Galaxy Note . Die Akkulaufzeit liegt im oberen Durchschnitt, die Sprachqualität beim Telefonieren ebenfalls. Lediglich die Kamera mit nur 5 Megapixeln Auflösung und der fehlende Steckplatz für eine Micro-SD-Karte trüben den Gesamteindruck.
Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich ist ebenfalls gut gelungen. Die Google-Entwickler haben Android mit meist sinnvollen Erweiterungen ausgestattet, darunter die Möglichkeit, Anwendungsicons in Ordnern zu gruppieren. Auch die Datenüberwachung ist eine sinnvolle Erweiterung für sparsame Surfer. Die Gesichtserkennung ist hingegen allenfalls eine Spielerei.
Auf dem Galaxy Nexus läuft Android 4.0 flüssig und besonders nervige Macken konnten wir nicht feststellen. Kleinere Anpassungen an den Widgets, die ja allesamt in der Größe veränderbar sein sollen, kommen hoffentlich noch. Google und Samsung ist es gelungen, die Stärken von Android 4.0 und seine zahlreichen Optimierungen für das Galaxy Nexus zu nutzen.