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Carrier IQ: Spionagesoftware auf Millionen Mobiltelefonen

Mehr als 140 Millionen Mobiltelefone laufen mit einer Überwachungssoftware, ohne dass die Gerätebesitzer davon wissen. Die Software namens Carrier IQ protokolliert alle SMS-Inhalte und selbst Eingaben auf verschlüsselten Webseiten.
/ Ingo Pakalski
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Carrier IQ läuft auf über 140 Millionen Mobiltelefonen. (Bild: Golem.de)
Carrier IQ läuft auf über 140 Millionen Mobiltelefonen. Bild: Golem.de

Weltweit werden über 140 Millionen Mobiltelefone von der Softwarefirma Carrier IQ(öffnet im neuen Fenster) überwacht, wie der Anbieter selbst auf seiner Homepage anpreist. Das Unternehmen bietet eine Anwendung für Mobiltelefone an, die den Namen Carrier IQ trägt und Aktionen auf einem Mobiltelefon überwacht. Nach Angaben von Carrier IQ dient die Anwendung Mobilfunknetzbetreibern dazu, Probleme im Mobilfunknetz ausfindig machen zu können.

Anders als es Carrier IQ angibt, protokolliert die Anwendung unter anderem die gesamte SMS-Kommunikation auf einem Mobiltelefon. Dabei speichert die Software die Inhalte jeder SMS ab, so dass die Anwendung leicht an vertrauliche Daten gelangen kann, wie der Android-Entwickler Trevor Eckhart(öffnet im neuen Fenster) entdeckt hat. Er hat die Carrier-IQ-Anwendung auf einem Android-Smartphone von HTC bemerkt und sich ihre Funktionsweise genau angeschaut. In einem Video zeigt er seine Ergebnisse(öffnet im neuen Fenster).

 
Video: Carrier IQ – Funktionsweise

Carrier IQ protokolliert Eingaben auf verschlüsselten Webseiten

Aber auch andere sensible Daten werden von der Carrier-IQ-Software mitgeschnitten. Dazu zählen etwa alle Eingaben auf einer mit https verschlüsselten Webseite. Verschlüsselte Webseiten werden üblicherweise dann verwendet, wenn vertrauliche Daten übermittelt werden. Diese Daten werden dann auch verschlüsselt übertragen, aber bei der Eingabe auf dem Gerät liegen alle Daten noch im Klartext vor. Eckhart stuft die Carrier-IQ-Software als Schadsoftware ein, weil sie die typischen Eingenschaften einer Rootkit-Anwendung habe. Ob die Anwendung diese gesammelten Daten übermittelt, ist bislang nicht bekannt.

Eckhart bemängelt, dass Gerätebesitzer die Sammlung der Daten nicht verhindern können und nicht einmal gefragt werden, ob sie mit der Sammlung der Daten einverstanden sind. Die Anwendung wird automatisch beim Hochfahren des Mobiltelefons geladen. Damit könnte die Software gegen geltendes Datenschutzrecht verstoßen. Carrier IQ wollte Eckhart wegen seiner Enthüllungen verklagen, zog die Klage aber zurück, nachdem sich die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF)(öffnet im neuen Fenster) eingeschaltet hatte.

Carrier IQ ist Bestandteil der Firmware

Besitzer von Android-Geräten haben keine einfache Möglichkeit, die Carrier-IQ-Software zu deinstallieren. Weil die Software Bestandteil der Firmware ist, müsste ein Gerät zunächst gerootet und dann eine modifizierte Android-Firmware aufgespielt werden. Nur so kann die Datensammlung der Carrier-IQ-Anwendung auf Android-Geräten verhindert werden.

Bislang beziehen sich alle Berichte über installierte Carrier-IQ-Anwendungen nur auf Mobiltelefone auf dem US-Markt. Nach Angaben von Eckhart gibt es die Software für Android, Blackberry OS und Symbian-Smartphones von Nokia. Auch in iOS wurde Carrier IQ gefunden(öffnet im neuen Fenster), allerdings läuft die Software nur, wenn sich das iOS-Gerät im Diagnosemodus befindet.

Bisherige Informationen deuten darauf hin, dass Carrier IQ nicht in Deutschland verwendet wird. Nokia erklärte Golem.de, die Software sei bei Nokias Mobiltelefonen hierzulande nicht enthalten. Vodafone Deutschland und die Deutsche Telekom versicherten Golem.de, dass sie Carrier IQ nicht verwenden. Vodafone Deutschland erklärte, dass auch "keine andere Software zum Auffinden von Netzstörungen" genutzt werde. Wir verwenden "keine Software, die das Nutzungsverhalten aufzeichnet", hieß es von der Deutschen Telekom. Antworten von O2, Research In Motion (RIM), HTC, Samsung, Motorola und LG stehen noch aus.


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