Sony Tablet P im Test: Android-Tablet erinnert an Nokias Communicator

Das Tablet P von Sony ist unter den Android-Tablets mit Honeycomb eine Besonderheit. Es ist vom typischen Aussehen eines Tablets sehr weit entfernt und erinnert ein wenig an vergangene Zeiten des Nokia 9210 Communicator oder diversen Psion-Modellen . Beides waren zusammenklappbare Vorläufer heutiger Smartphones. Sonys Tablet unterscheidet sich aber in einem Punkt deutlich davon. Statt der Hardwaretastatur gibt es einen zweiten Touchscreen, der nicht nur für Eingaben genutzt werden kann.

Dieses hochinteressante Konzept gibt es in größerer Version auch von Acer: das Iconia Dual-Screen-Tablet mit zwei 14-Zoll-Bildschirmen . Sonys Tablet P bringt es nur auf zwei 5,5-Zoll-Displays mit einer Auflösung von jeweils 1.024 x 480 Pixeln. Es ist also darauf ausgelegt, Inhalte über beide Displays hinweg anzuzeigen, die zusammen 1.024 x 960 Pixel zeigen.











Schwächen und Stärken des Doppel-Touchscreens
Je 480 Pixel in der Höhe für die beiden Displays sind nicht viel, zumindest für ein Tablet. Da gibt es normalerweise 600 und bei neuen Honeycomb-Tablets überwiegend 800 Pixel ohne Unterbrechung. Ein Wert, der bei beiden Displays zusammengerechnet allerdings überschritten wird. Und so hat der Nutzer auch erstaunlich viel Platz, zum Beispiel beim Surfen. Doch die Displays sind jeweils rund 2,5 mm vom Rand entfernt. Zusammen mit der scharnierbedingten Lücke ergibt sich zwischen den beiden Displays eine Lücke von 8 mm. Sie stört mal mehr, mal weniger, abhängig auch davon, was gerade mit dem Tablet gemacht wird.
Für E-Books gut geeignet
Wer gerne Texte liest, der wird das Tablet vermutlich hochkant und wie ein aufgeschlagenes Buch benutzen. Es ist eine der wenigen Betriebssituationen, in denen Sony das Drehen der Bildschirminhalte erlaubt. Normalerweise gibt es nur eine Displayorientierung. Da die beiden Panels zusammen fast quadratisch sind, stört das nicht. Im Gegenteil, ein Bild, das vertikal in der Mitte zerschnitten wird, ist schlimmer als ein Bild, das horizontal zerschnitten wird.
Bei der horizontalen Teilung hängt es von der Anwendung ab, was genau mit den Inhalten passiert. Dank eines Kompatibilitätsmodus' kann der Nutzer bei einigen Apps festlegen, ob nur das obere Display oder beide Displays für die Darstellung genutzt werden.
Das ist etwa bei den Apps Google Mail und X-Plane der Fall. Bei Ersterem ist es ziemlich egal, welche Variante genutzt wird. Es ist eine Frage der Gewohnheit, ob der Balken in der Mitte stört oder nicht. Beim Spielen von X-Plane hingegen stört der Rand zwischen den Displays, und so haben wir den Flugsimulator auf den oberen Monitor geschaltet. Das erfordert übrigens einen Neustart der App, der aber automatisch erfolgt.
Videos sind fast immer oben
Sonys eigene Video-App lässt dem Nutzer keine Wahl. Videos werden immer im oberen Display abgespielt und die Steuerung geschieht unten. Die Videos werden dabei glücklicherweise in der vollen Breite angezeigt. Allerdings erst, nachdem die Einstellungen dafür vorgenommen wurden. Aus einem nicht nachvollziehbaren Grund hatte im Test selbst ein HD-Video an allen vier Seiten einen ziemlich breiten Rand.
Der interne Videoplayer spielt nicht besonders viele Formate ab. Dateien im Quicktime-Container müssen so beispielsweise auf die Hardwarebeschleunigung verzichten. Videos, die der interne Videoplayer nicht abspielt, können zwar mit alternativen Playern wiedergegeben werden, bei HD-Videos versagen diese aber mitunter mangels Hardwarebeschleunigung. Und auch Sonys Videoplayer spielt nicht alle unterstützten Videos gut ab. Der Sintel-Film in 720p lief zwar flüssig, allerdings gab es Tonstörungen.
Auch der Android Market beschränkt sich auf das obere Display. Das untere wird dann etwa für die virtuelle Tastatur benutzt. Diese bietet separate Tasten für Zahlen an. Umlaute gibt es aber nicht als eigene Tasten.
Beim Surfen mit dem Browser wird das Bild auf beide Displays verteilt. Hier stört anfangs der Balken zwischen den Displays. Es lässt sich aber trotzdem gut scrollen, da ein Wisch über beide Displays registriert wird. Unser Testmuster hat allerdings eine kleine Schwäche bei der Scharnierkonstruktion, die uns beim Modell, das auf der Ifa 2011 gezeigt wurde , nicht aufgefallen ist. Auf der rechten Seite ist das obere Display etwas höher, so dass ein Wischen von unten nach oben aneckt.











Beim Surfen gefiel uns der Umstand, dass das untere Display als separate Tastatur genutzt werden kann. Die klare Teilung der Aufgaben durch die Displays ist hier von Vorteil. Wer sich allerdings Webvideos anschauen will, hat keinen Spaß damit. Der Balken stört hierbei extrem, weil Videos im Vollbildmodus durch die Displaylücke unterbrochen werden.
Noch mehr Android-Fragmentierung
Eigentlich müssten sich App-Entwickler daran anpassen, dass es nun auch ein Doppel-Display-Android-Tablet gibt, um das Optimum herauszuholen. Aufgrund der ohnehin schon starken Fragmentierung der Android-Plattform dürfte aber nur eine Minderheit der Entwickler das tun. Schließlich sollte so ein Gerät dann für die Entwicklung vorhanden sein. Der eigentlich begrüßenswerte Ansatz wird so auch zum Nachteil des Tablet P.
Wünschenswert wäre, dass bei jeder einzelnen Anwendung der Nutzer entscheiden kann, auf welchem Display diese dargestellt wird. Und vor allem Standardanwendungen, die wirklich jeder nutzt, wie etwa der Android Market, sollten eine direkte Anpassung auf das Tablet P erhalten.
Schlechte Speicherausstattung und wechselbarer Akku
Die Ausstattungsmerkmale des Tablet P entsprechen teilweise dem von uns bereits getesteten Tablet S von Sony . Es steckt also 1 GByte RAM drin, auf den Nvidias Tegra 2 (zwei Kerne à 1 GHz) zugreifen kann. Die Displays sind ähnlich gut wie das Einzeldisplay des Tablet S. Vor allem die Winkelunabhängigkeit und Schwarzdarstellung gefällt uns.
Das Tablet ist mit rund 370 Gramm eigentlich eines der leichtesten seiner Art. Objektiv ist es federleicht. Subjektiv ist es erstaunlich schwer. Denn die 370 Gramm verteilen sich auf ein Volumen, das nur etwas größer ist als das Volumen eines großzügigen Brillenetuis. Abseits dieser seltsamen subjektiven Erfahrung stört das Gewicht aber nicht. Sobald das Tablet aufgeklappt wird, fühlt es sich leichter an. Außerdem liegt es sehr gut in der Hand. Die Kanten könnten aber etwas runder sein. In einigen Haltepositionen drücken sie in die Handinnenfläche.
Für den Transport ist die Klappform äußerst praktisch. Die Displays werden auch ohne Schutzhülle vor äußeren Einwirkungen geschützt und durch die Größe passt es locker in eine Jackentasche.
Austauschbarer Akku
Der Akku lässt sich austausche – einer Besonderheit bei einem Tablet. Er befindet sich unter dem unteren Wechselcover, hat 12 Wattstunden und muss im Gerät aufgeladen werden. Fujitsus Tablet-PC Q550 und das kommende Panasonic Toughpad mit Android gehören zu den wenigen Tablets mit wechselbarem Akku. Wer will, kann sich für Sonys Tablet einen Ersatzakku als Reserve mitnehmen.











Rund 7 Stunden soll das Tablet mit dem Akku durchhalten. Bei normalem Gebrauch reichte er bei uns für etwa einen Arbeitstag. Die Standbyverluste halten sich im normalen Bereich. Wird das Tablet nicht oder sehr selten benutzt, sind einige Tage Standby möglich, obwohl das Tablet P regelmäßig nach neuen E-Mails schaut.
Das 600-Euro-Tablet mit Speichermangel
Regelrecht peinlich ist die Speicherausstattung. Ganze 2 GByte gibt es intern. Weil das doch ziemlich wenig ist, wird eine Micro-SD-Karte mit 2 GByte Kapazität dazugelegt. Das günstigste iPad mit 3G-Modem hat das Vierfache an Speicher bei gleichem Preis.
Der Speicher reicht hinten und vorne nicht. Playstation-Spiele sind etwa 700 MByte groß und installieren sich auf die SD-Karte. Sony hat zudem eine ausgebaute Plattform für Inhalte und bietet etwa Leihfilme an. Mit 1,5 GByte für einen Film ist das Tablet aber bereits in der Ausprobierphase fast voll.
Es empfiehlt sich also, gleich eine Micro-SD-Karte mit 32 GByte dazu zu kaufen, um 34 GByte Speicherkapazität zu erreichen. Laut technischem Datenblatt(öffnet im neuen Fenster) beherrscht der Schacht, der mit Herausnahme des Akkus zugänglich ist, nur SD- und SDHC-Karten im Micro-Format. Die noch seltenen Micro-SDXC-Karten werden nicht unterstützt. Bei 34 GByte Gesamtkapazität ist also Schluss. Für ein Multimediatablet ist das nicht genug.
Hinzu kommt, dass einige Anwendungen nicht mit der SD-Karte als Speicherort umgehen können.
Kommunikation mit Rechner und Internet
Sony spart nicht nur bei der Speicherausstattung, sondern auch beim Zubehör. Ein Micro-USB-Kabel fand sich in unserer Packung nicht. Nur das Netzteil war da. Das ist auch zwingend notwendig, denn das Tablet P lässt sich leider nicht per USB aufladen. Zwar sind nur 2,5 Watt an USB 2.0 erlaubt und damit laden Tablets nur, wenn die Displays abgeschaltet sind, aber ein USB-Kabel lässt sich leichter auftreiben als ein Ersatznetzteil. Den Fehler macht allerdings nicht nur Sony. Es ist leider weit verbreitet, dass Tablets nur mit speziellen Netzteilen aufgeladen werden können. Bei einem derart mobilen Gerät wie Sonys Tablet P ist es aber umso störender.
Der USB-Anschluss ist nur für das Synchronisieren der Daten zuständig. Zwar lässt sich prinzipiell auch über die Micro-SD-Karte eine Datenübertragung vornehmen, das ist wegen des Akkus aber fummelig. Außerdem legt Sony dem Tablet P kein Transferprogramm bei, um Daten auf den internen Speicher zu schieben. Beim Tablet S gibt es so ein Programm.
Der USB-Zugriff erfolgt per Media Transfer Protocoll (MTP) wie bei vielen, aber nicht allen Honeycomb-Tablets. Es bedarf also unter Mac OS X und Linux einer Extraanwendung beziehungsweise Anpassung für Transfers. Windows beherrscht MTP nativ, allerdings haben einige Dateimanager Probleme mit dem Protokoll. Der MTP-Zugriff bezieht sich dabei nur auf die SD-Karte, nicht auf den internen Speicher. Das Ganze arbeitet erstaunlich langsam, dürfte aber abhängig von der Geschwindigkeit der SD-Karte sein. Wir haben per Hand den Sintel-Film (228 MByte, 720p) transferiert und brauchten dafür 94 Sekunden. Die Datenrate liegt also bei gerade einmal 2,5 MByte/s.











Für die Kommunikation mit der Außenwelt ist neben Bluetooth auch WLAN zuständig. Wie schon beim Tablet S ist auch das P-Modell nur in der Lage, auf dem 2,4-GHz-Band zu funken. 5-GHz-WLAN-Stationen werden nicht erkannt. Zudem ist die Geschwindigkeit auf 72 MBit/s brutto beschränkt (802.11b/g/n). Im normalen Betrieb ist das aber kaum ein Nachteil.
Weitgehend ortsunabhängige Kommunikation ist mit dem Mobilfunkmodem möglich. Dazu hat das Tablet P einen SIM-Kartenschacht. Das 3G-Modem ist standardmäßig verbaut. Beim Tablet S gibt es auch Varianten, die nur WLAN beherrschen.
Status-LED für E-Mails und aktivierter Playstation Store
Zwei Status-LEDs befinden sich am Tablet P. Eine LED zeigt den Ladestatus an und ist dreifarbig (voll, lädt und Akku fast leer). Die zweite LED befindet sich recht unscheinbar an der Stelle, wo der Nutzer das Tablet öffnet. In der Regel wird der Nutzer sie zunächst gar nicht als LED identifizieren. Sie blinkt praktischerweise, wenn der Nutzer eine neue E-Mail empfangen hat. Das Tablet P überprüft im geschlossenen Zustand ab und an das E-Mail-Konto.
Das Tablet P wechselt übrigens beim Zuklappen von WLAN-Betrieb auf die Nutzung des 3G-Modems. Das regelmäßige Überprüfen von E-Mails geht also auf das Datenvolumen des Mobilfunkvertrages.
Unbrauchbarer Lautsprecher
Wie schon beim Tablet S hat Sony auch beim Tablet P die Chance vertan, das Volumen für vernünftige Tonerzeugung zu nutzen. Der Ton ist sogar nochmals deutlich schlechter als beim Tablet S und kommt obendrein nur von der linken Seite. Tiefere Frequenzen kann der Monolautsprecher nicht erzeugen. Zudem vibriert das Gehäuse etwas mit, was den Ton zusätzlich verschlechtert. Der Lautsprecher ist recht leise und unterwegs kaum brauchbar. Kopfhörer sind also nötig. Sony legt dem Tablett P aber keine bei.
Destruction Derby im Playstation Store
Schon vor ein paar Wochen hat Sony den Playstation Store für seine Tablets aktiviert . Damit kann auch das Tablet P auf mehr als nur die beiden vorinstallierten Titel zurückgreifen. Der Anwender bekommt eine Nachricht, dass der Store verfügbar ist. Im Auslieferungszustand fehlt er seltsamerweise. Der Download geht aber schnell. Neben dem Store muss aber auch ein Account-Manager installiert werden, was ein bisschen verwirrend ist, insbesondere, da wir zwei Versuche benötigten. Sonst ist das System aber unproblematisch.











Viele Spiele gibt es trotzdem noch nicht. Verfügbar sind vor allem Klassiker aus den 1990er Jahren wie etwa Reflections Destruction Derby. Dieser Titel ist derzeit, wie einige andere, sogar kostenlos verfügbar. Sonst kostet ein Spiel rund 6 Euro. Zehn Titel gibt es derzeit, die Hälfte davon kostenlos. Auffallend ist aber, dass einige Klassiker noch fehlen, darunter Ridge Racer, einer der Starttitel der Playstation.
Anpassungen an Sonys Tablets sind aber praktisch nicht vorhanden. So hat Destruction Derby etwa noch den Link-Modus – ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen Konsolen keinen Netzwerkanschluss hatten und einen Netzwerkmodus mit proprietären Kabeln ermöglichten.
Wer hofft, dass der Link-Modus über das WLAN der Sony Tablets geschickt wird, wird enttäuscht. Gerade beim Tablet P hätten wir uns zudem Schultertasten gewünscht. Die Form des Geräts gibt das her.
Fazit und Verfügbarkeit
Sonys Tablet P ist bereits auf dem Markt verfügbar. Es gibt nur eine Konfiguration mit 4 GByte Speicher und einem Mobilfunkmodem. Im Handel kostet das Gerät etwa 600 Euro.
Fazit
Das Doppeldisplay im Android-Umfeld ist eine tolle Idee und wurde von Sony auch gut umgesetzt. Dennoch hat das Doppeldisplay Vor- und Nachteil. Die größten Schwierigkeiten wird Sony damit haben, dass Anwendungsentwickler ihre Software wohl kaum für das Tablet P anpassen werden. Sie bräuchten dafür das Gerät und die Gewissheit, dass sich das Tablet P gut verkauft. Angesichts der starken Fragmentierung lohnt sich eine Anpassung nur für dieses eine Android-Tablet kaum.
Das Tablet P müsste allerdings viel stärker als Sonys Erstling mit dem Namen Tablet S mit angepassten Anwendungen versorgt werden. Sony allein wird kaum die Kapazitäten haben, genug Software anzupassen.
Das Doppeldisplay ist aber auch ein gutes Alleinstellungsmerkmal. Während die Tablets der Konkurrenz alle gleich aussehen, schafft es Sony, sowohl mit dem Tablet S als auch mit dem Tablet P Akzente zu setzen. Zudem ist es portabel wie kaum ein anderes Android-Tablet. Allerdings muss für Reisen immer das Netzteil mitgenommen werden. Laden per USB geht nicht.
Wirklich ärgerlich angesichts des hohen Preises von 600 Euro ist die Speicherausstattung. 4 GByte reichen nicht einmal für ein paar Playstation-Spiele und einen Leihfilm in SD-Qualität. Von einem Konzern wie Sony hätten wir erwartet, dass das Thema Multimedia ernster genommen wird und der Anwender nicht noch eine SD-Karte kaufen muss.



