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Test Zelda Skyward Sword: Sprachlos über den Wolken

Eine verschwundene Prinzessin, ein Held mit Schwert und Schild sowie zahllose Dungeons mit mächtigen Monstern: Auf den ersten Blick scheint im Zelda-Universum alles beim Alten zu sein. Trotzdem ist Skyward Sword keine einfache Fortsetzung, sondern macht vieles anders – und nur manches besser.
/ Thorsten Wiesner
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The Legend of Zelda: Skyward Sword (Bild: Nintendo)
The Legend of Zelda: Skyward Sword Bild: Nintendo

Der Einstieg in The Legend of Zelda: Skyward Sword verläuft gemächlich. Nach einem eher abstrakten Intro, das sich um eine Göttin und eine vor Urzeiten gebannte Gefahr dreht, kann der Spieler den jungen Helden Link per Bewegungssteuerung und Nunchuck ganz in Ruhe auf erste Erkundungstouren durch das kleine, über den Wolken gelegene Start-Dorf Wolkenhort lenken. Dort führt er Gespräche, sammelt Rubine, erfüllt Aufträge und stattet der jungen Zelda einen ebenso kurzen wie verschüchterten Besuch ab; Skyward Sword spielt übrigens vor Ocarina of Time . Nebenbei lernt der Spieler die grundsätzliche Bedienung, vom Laufen über automatische Sprünge bis hin zum Hangeln an Vorsprüngen und dem neu erlernten Sprinten.

Zelda Skyward Sword – Die ersten 30 Minuten
Zelda Skyward Sword – Die ersten 30 Minuten (30:57)

Bei Letzterem macht er erstmals Bekanntschaft mit der Ausdauer-Anzeige. Link hat immer nur eine bestimmte Zeit lang Kraft für anstrengende Tätigkeiten, danach geht ihm vorübergehend die Puste aus. Ein behutsamer Umgang mit den eigenen Kräften ist in Skyward Sword also unabdingbar – besonders, wenn im späteren Spielverlauf ein Rennen über Leben und Tod entscheidet. Höhepunkt der ersten Spielstunde ist allerdings die große Vogelreiter-Zeremonie – ein Wettbewerb, in dem mehrere Dorfbewohner um die Gunst Zeldas und den Schlag zum Ritter konkurrieren.

Link will diesen Wettbewerb natürlich gewinnen, muss dazu aber erst mal seinen Reitvogel finden. Das Fliegen gestaltet sich zunächst nicht einfach: Um Höhe zu gewinnen, muss der Spieler die Wiimote wie im Flügelschlag nach oben und unten bewegen, durch Neigung gewinnt er Tempo und bestimmt die Richtung. Bis das perfekt beherrscht wird, vergeht einige Zeit – die vom Spiel zwingend vorausgesetzte Nutzung einer Wii Motion Plus erschließt sich hier noch nicht.

Das ändert sich allerdings nach der ersten Spielstunde, wenn Link anstelle des kurz genutzten Trainingsschwertes seine volle Waffenausrüstung erhält. Zelda ist verschwunden und Link wird als der Auserwählte erkannt, der einst von der Göttin angekündigt wurde. Damit verbunden bekommt er einerseits das traditionelle grüne Gewand, darf ein magisches Schwert aus einem Stein ziehen und fortan das seit Jahrhunderten nicht mehr besuchte, unter den Wolken liegende Erdland bereisen. Das Spiel nimmt ab dieser Stelle deutlich Fahrt auf, allerdings gibt es im Spielverlauf noch weitere entscheidende und teils auch überraschende Ereignisse und Wendungen – auf die an dieser Stelle zur Aufrechterhaltung der Spannung nicht eingegangen werden soll.

Schwert und Schild

Die Bedienung von Schwert und Schild funktioniert besser und intuitiver als in jedem Zelda-Spiel zuvor – mit dem Hochreißen des Nunchucks wehrt der Spieler Angriffe ab, je nach Führung der Wiimote führt er unterschiedliche Schwertattacken aus. Horizontale und vertikale Schläge sind ebenso möglich wie diagonale. Je nach Kontrahent ist es immer wieder entscheidend, genau die richtige Attacke auszuführen, was glücklicherweise meist gelingt.

Zelda-typisch wird aber nicht nur gekämpft. In zahlreichen Höhlen, Tempeln, Palästen und sonstigen Umgebungen ist immer wieder Gehirnschmalz gefragt – etwa wenn Türen verschlossen sind, Kisten verschoben, Schalter aktiviert oder Felsen gesprengt werden müssen. Hinzu kommen die zahlreichen, serientypischen Extras, die nach und nach eingesammelt oder freigeschaltet werden, von Tränken oder Bomben über eine Peitsche oder Schleuder bis hin zu einem steuerbaren Käfer, der an für Link unerreichbare Stellen dirigiert werden kann.

Zelda Skyward Sword – Trailer (Skyview Temple)
Zelda Skyward Sword – Trailer (Skyview Temple) (02:53)

Die einzelnen Orte bieten zwar auch verschiedene Möglichkeiten des Zeitvertreibs – etwa kleine Minispiele. Lange Erkundungstouren durch eine komplett verbundene Oberwelt wie in früheren Zelda-Spielen gibt es in Skyward Sword aber nicht. Überhaupt sind die Phasen in den Dungeons deutlich gelungener als die Momente in der Außenwelt dazwischen. Unschön: Im späteren Spielverlauf müssen bereits bekannte und erfolgreich absolvierte Höhlensysteme ein weiteres Mal durchlaufen, immer wieder ähnliche Erklärungen in Textform gelesen werden und aufgrund von Suchaufträgen muss ständig hin und her gereist werden – das fühlt sich nach etwas liebloser Streckung der Spielzeit an.

Stummes Abenteuer

Technisch ist das neue Zelda ein zwiespältiges Vergnügen. Die comicartige Grafik mitsamt ihren schön inszenierten Zwischensequenzen ist stimmungsvoll und atmosphärisch. Gleichzeitig bleibt Nintendo der Serientradition treu und spendiert den Charakteren keine Sprachausgabe – mehr als ein paar glucksende Freudenlaute sind ihnen nicht zu entlocken, der deutsche Text wird komplett über Sprechblasen abgewickelt. Das mag Serienkenner nicht stören, wirkt 2011 trotzdem seltsam antiquiert. In einigen Momenten kann der Spieler per Multiple Choice zwischen mehreren Antworten wählen, was durchaus unterhaltsam ist – etwa, wenn Zelda um Hilfe bittet und der Spieler auch "Och ich weiß nicht" sagen darf. Wirkliche Auswirkungen auf den Spielverlauf hat das allerdings nicht. An fair verteilten Vogelstatuen wird der Spielstand gespeichert, der Schwierigkeitsgrad steigt kontinuierlich an – einige Balanceaufgaben, aber vor allem spätere Bosskämpfe verlangen einige Übung.

The Legend of Zelda: Skyward Sword ist für Nintendo Wii im Handel erhältlich und kostet etwa 40 Euro. Weil das Spiel zwingend Wii Motion Plus zur Bedienung vorausgesetzt, wird der Titel auch in einer limitierten Version mit goldfarbener Wii-Fernbedienung Plus im Paket für etwa 80 Euro angeboten.

Fazit

Die Schwertkämpfe sind so präzise wie nie, die Rollenspielelemente wurden gestärkt, das Dungeon-Design ist eine Klasse für sich. Dennoch ist Skyward Sword nicht das stärkste Spiel der Zelda-Reihe – es fehlt die frei begehbare Oberwelt, zumal die ganz besondere Atmosphäre und Klasse früherer Spiele über weite Strecken nicht spürbar sind. Wer der Serie nicht schon seit Jahren die Treue hält, wird zudem Probleme mit einigen antiquierten Elementen wie fehlender Sprachausgabe und ausufernden Erklärungen und Hilfetexten haben.

Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: Ein großartiges und über weite Strecken faszinierendes Spiel mit einigen frischen Ideen ist Skyward Sword immer noch. Für eine derart Maßstäbe setzende Reihe bleibt der Titel aber hinter den Erwartungen zurück.


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