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EU-Kommissarin Neelie Kroes: Urheberrecht ist beim Bürger verhasst

EU-Kommissarin Neelie Kroes beklagt offen, dass der Schutz des Urheberrechts nicht funktioniert und dennoch bei den Menschen immer verhasster wird. Das Wachstum des Cloud Computing verlange neue Lösungen.
/ Achim Sawall
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Neelie Kroes, EU-Kommissarin für Digitale Agenda (Bild: Georges Gobet/AFP/Getty Images)
Neelie Kroes, EU-Kommissarin für Digitale Agenda Bild: Georges Gobet/AFP/Getty Images

Neelie Kroes, EU-Kommissionsvizechefin und zuständig für die Digitale Agenda, hat das derzeitige System des Urheberrechts infrage gestellt. Kroes sagte am 19. November 2011 laut Redemanuskript(öffnet im neuen Fenster) auf dem Forum d'Avignon(öffnet im neuen Fenster) über Kultur, Wirtschaft und Medien in Frankreich, dass sie das Urheberrecht in Europa energisch gegen Piraterie verteidige.

"Aber fragen wir uns selbst, ob unser aktuelles Copyrightsystem das richtige und einzige Werkzeug ist, um unsere Ziele zu erreichen. Eigentlich nicht, fürchte ich. Wir müssen die Piraterie weiter bekämpfen, aber die rechtliche Durchsetzbarkeit wird immer schwieriger. Zweistellige Millionenbeträge werden investiert, um zu versuchen, das Urheberrecht durchzusetzen, ohne die Piraterie wirksam einzuschränken. Dadurch hassen die Bürger mittlerweile zunehmend das Wort Urheberrecht und alles, was dahinter steckt. Leider sehen viele das derzeitige System als ein Instrument zur Bestrafung und zur Verweigerung, nicht als ein Werkzeug der Anerkennung und Belohnung."

Doch die Masse der Einnahmen der Medien- und Kulturindustrie komme nicht bei den Kreativen an. Die Kunst sei Nahrung für die Seele, doch wer ernähre den Künstler, fragte Kroes. Junge Künstler müssten oft von 1.000 Euro im Monat leben. 97,5 Prozent der Mitglieder einer großen Verwertungsgesellschaft in Europa erhielten unter 1.000 Euro im Monat für ihre urheberrechtlich geschützten Werke. Und nur wenige Künstler verdienten wirklich viel Geld.

Das Cloud Computing präsentiere eine völlig neue Art der Beschaffung, der Bereitstellung und des Konsums kultureller Werke wie Musik, Bücher und Filme. "Was sicherlich neue Fragen hinsichtlich der bestmöglichen Weise des Funktionierens der Lizenzierung aufwerfen wird" , sagte Kroes.

Kroes beobachtet nach eigenen Angaben, wie einige europäische Akteure mit Entsetzen auf das Auftreten des Video-Stream-Anbieters Netflix und die Expansion von Apples iTunes reagieren. "Wir müssen reagieren und uns nicht von der Angst lähmen lassen" , forderte sie die anwesenden Industrievertreter auf.


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