Test Need For Speed The Run: Knöpfchen drücken statt Gaspedal treten

Jack Rourke ist nicht zu beneiden. Zur falschen Zeit hat er sich mit den falschen Leuten angelegt - jetzt ist sein Konto leer, seine Schulden hoch und sein Leben in Gefahr. Der Spieler bekommt das sofort zu spüren, gleich im ersten Einsatz von Need for Speed: The Run geht es um Leben und Tod. Die einzige Rettung für Jacks Probleme scheint ein Sieg und das damit verbundene riesige Preisgeld in einem illegalen Rennen einmal quer durch die USA von San Francisco nach New York zu sein. Dumm nur: Das Rennen wollen unzählige andere Fahrer natürlich auch gewinnen - und die muss Jack in den einzelnen Etappen ebenso abschütteln wie die bösen Gangster und die immer wieder auftauchende Polizei.

Die Hintergrundgeschichte wird immer wieder in kurzweilig inszenierten Zwischensequenzen erzählt, die die einzelnen Rennen miteinander verbinden. The Run orientiert sich an Actionfilmen, vernachlässigt aber die Storytiefe zugunsten spektakulärer Stunts und Effekte - schön anzusehen ist das alles, wirklich spannend nicht. Aufregender, wenn auch spielerisch meist trivial sind die Passagen, die Jack außerhalb des Autos verbringt - oft unfreiwillig, wenn sein Wagen zerstört wird und seine Verfolger hartnäckig an ihm kleben. In diesen Momenten kommen sogenannte Quicktime-Events zum Einsatz: Bestimmte Knöpfe müssen so schnell wie möglich gedrückt werden. Wirklich fordernd ist das nicht, auf Dauer sogar eher ermüdend - gut also, dass derartige Momente in The Run eher rar gesät sind und die meiste Zeit hinter dem Steuer verbracht wird.













Am Steuer wirkt der Titel sehr arcadelastig - und sogar noch ein Stück einfacher und unrealistischer als der Vorgänger Hot Pursuit. Die eingängige und direkte Bedienung macht trotzdem Spaß, Extras wie der Turboboost sind gut eingebunden. Dafür drückt die vorhersehbare KI die Motivation: Das gegnerische Fahrerfeld verhält sich fast immer vorhersehbar, nutzt dann aber eigene Fahrfehler schamlos aus - wer im Rennen kurz vor Zieldurchfahrt einmal falsch reagiert, sieht unter Umständen die gesamte Konkurrenz vorbeiziehen und darf die Herausforderung erneut angehen. Auch die gelegentlichen Polizeiattacken sind nicht so fordernd und spannend wie in früheren Need-For-Speed-Titeln.
Raserei quer durch Amerika
Für erfolgreiche Leistungen gibt es Erfahrungspunkte, die wiederum neue Extras freischalten. Die einzelnen Etappen des Wettbewerbs mit ihren jeweiligen Rennabschnitte sind durchaus abwechslungsreich - oft muss schlicht und ergreifend gewonnen, dann wieder eine bestimmte Anzahl von Kontrahenten überholt oder die Spitzenposition eine vorgegebene Zeit lang gehalten werden. Auch beim Streckendesign gibt es viel zu sehen; die Tatsache, dass die Kurse einmal quer durch die USA führen, nutzen die Entwickler für sehr unterschiedliche Landschaften und Klimabedingungen. Von verschneiten Bergen inklusive abstürzender Lawinen, über blühende Felder und staubige Landstraßen bis hin zu glitzernden Metropolen und grünen Nationalparks reicht das Angebot. Allerdings bleibt die Technik trotz Nutzung der Frostbite-2-Engine hinter den Erwartungen zurück: Die prinzipiell schönen Kursumgebungen könnten mehr Details vertragen, das Geschwindigkeitsgefühl mehr Rasanz. Überzeugend sind dafür die Geräuschkulisse und der von EA-Rennspielen gewohnt gute Soundtrack.













Zusätzliche, nach und nach freischaltbare Herausforderungen mit bestimmten Aufgaben ergänzen das Hauptrennen, das bei EA mittlerweile zum Standard gehörende Autolog-Feature speichert alle Bestzeiten und vergleicht die eigenen Leistungen mit denen von Freunden. Auch ein Online-Mehrspieler-Modus ist enthalten, generell wirkt der Umfang von The Run aber eher gering - was auch daran liegt, dass Fuhrpark und Einstellungsmöglichkeiten am Fahrzeug sehr überschaubar sind.
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Need For Speed The Run ist ab dem 17. November 2011 für Windows-PC, Playstation 3, Xbox 360 und Nintendo Wii erhältlich und kostet etwa 40 Euro (PC) beziehungsweise 60 Euro (Konsolen). Um die PC-Version zu spielen, ist eine Registrierung beim Online-Service Origin notwendig. Die USK hat eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.
Fazit:
Die verkürzten Veröffentlichungszyklen scheinen Need For Speed auf Dauer nicht gut zu bekommen - The Run jedenfalls bleibt hinter den Erwartungen zurück und kann spielerisch mit dem vergleichbar arcadelastigen Hot Pursuit nicht mithalten. Die Story ist belanglos, die Quicktime-Momente sind oft dumpf, der Umfang ist trotz Autolog gering. Zudem fehlt der Fahrer-Konkurrenz und der Polizei die nötige Aggressivität, wodurch Spannung und Atmosphäre im Wettkampf leiden. Ein solider Rennspaß ist The Run zwar - qualitativ aber ein klarer Schritt rückwärts für die Serie.



