Klarnamen: Facebook wollte Salman Rushdie umbenennen

Facebooks rigide Klarnamenpolitik macht auch vor Prominenten nicht halt. So hat das blaue Netzwerk am vergangenen Wochenende das Profil des Bestseller-Autors Salman Rushdie gesperrt. Er solle bitte, hieß es, eine Kopie seines Reisepasses(öffnet im neuen Fenster) einsenden und beweisen, dass er wirklich Rushdie sei. Nach erfolgreicher Identifikation werde er wieder Zugang zu seinem Profil bekommen.
So etwas passiert, wenn Facebook und auch Google+ glauben, dass der Name eines Nutzers nicht sein echter Name ist. Der chinesische Journalist Michael Anti kann ein Lied davon singen(öffnet im neuen Fenster) .
Die offizielle Begründung: Nur so könne eine sichere und zivilisierte Kommunikation zwischen Nutzern ermöglicht werden. Die inoffizielle: Nur mit echten Namen kann Facebook Geld verdienen, lassen sich so doch eindeutige Verhaltensprofile an Werbetreibende verkaufen.
Der Fall Rushdie jedoch zeigt, wie unsinnig die Klarnamenpolitik aus Nutzersicht ist. Nachdem der Autor eine Passkopie eingesandt hatte, schaltetet Facebook das Profil wieder frei - allerdings unter dem Namen Ahmed Rushdie(öffnet im neuen Fenster) . Denn Ahmed ist laut Pass der erste Vorname(öffnet im neuen Fenster) . Den allerdings nutzt Rushdie selbst nie. Dass es sich bei Ahmed Rushdie um den bekannten Schöpfer des Romans Die Satanischen Verse(öffnet im neuen Fenster) handelt, dürften auch nur die wenigsten wissen.
Wie oft so etwas bei Facebook oder Google+ passiert, ist kaum abzuschätzen. Profile mit verfälschten oder komplett erfundenen Namen gibt es viele, viele Menschen schätzen ihre Anonymität. Wer gesperrt wird, dem bleibt nichts anderes übrig, als den Anweisungen Folge zu leisten. Rushdie aber profitierte von seiner Bekanntheit. Bei Twitter entfachte er mithilfe seiner weit über 100.000 Follower(öffnet im neuen Fenster) einen veritablen Shitstorm(öffnet im neuen Fenster) , den Facebook nicht übersehen konnte.
Er veröffentlichte unter anderem die Namen einer Reihe von Promis, die ebenfalls ihren zweiten Vornamen benutzen, wie etwa Paul McCartney(öffnet im neuen Fenster) . Dann fragte er, ob Facebook jemanden wie den Ex-Beatle zwingen würde, sein Profil als James McCartney anzulegen, weil das nun mal dessen erster Vorname sei. Seine Tweets wurden dutzend- bis hundertfach weiterverbreitet.
Am Montagabend lenkte Facebook ein. "Victory!" , twitterte Rushdie(öffnet im neuen Fenster) , "Facebook ist eingeknickt! Ich bin wieder Salman Rushdie. Ich fühle mich SO viel besser. Eine Identitätskrise in meinem Alter ist kein Spaß. Danke Twitter!" Facebook entschuldigte sich sogar bei dem Autor. Einen Grund nannte das Netzwerk nach Angaben der New York Times zwar nicht(öffnet im neuen Fenster) , räumte aber ein, einen Fehler gemacht zu haben.
Google bittet um Geduld
Der ganze Vorfall ist auch eine Mahnung an Google, die vor knapp einem Monat angekündigte Änderungen der Klarnamenpflicht(öffnet im neuen Fenster) im sozialen Netzwerk Google+ nun auch umzusetzen. Noch verlangt Google+ einen Klarnamen, definiert den Begriff aber nicht ganz so streng wie Facebook(öffnet im neuen Fenster) : "Ihr Klarname ist der Name, mit dem Sie von Freunden, Familie und Kollegen normalerweise angesprochen werden. Wenn Ihr Name zum Beispiel Michael Sebastian Müller ist, Sie normalerweise aber Michi Müller oder Bastian Müller verwenden, ist dies auch in Ordnung" , heißt es im Hilfebereich bei Google+. Google nennt das den "Gebrauchsnamen" , auch wenn der Begriff auf der Hilfeseite selbst nicht auftaucht.
Dafür steht am Ende der Seite noch ein Satz, der wohl als Platzhalter zu verstehen ist: "Wir sind uns bewusst, dass Ihnen Ihre Präsenz auf Google+ wichtig ist und unsere Richtlinien im Hinblick auf Namen zurzeit einige Nutzer stört. Es wäre schade, wenn Sie uns deswegen verlassen." Google bittet also um Geduld.
Auf Anfrage heißt es dazu: "Wir werden bei Google+ auch Pseudonyme zulassen. Wir arbeiten an der Umsetzung, jedoch haben wir leider noch keinen Starttermin dieser Option." [Der Artikel erschien zuerst bei Zeit Online(öffnet im neuen Fenster) ]



