Blue Coat: Myanmar setzt US-Technik zum Filtern ein

Der größte Internetanbieter in Myanmar setzt Proxies eines US-Unternehmens zur Internetzensur ein. Das hat die kanadische Initiative Citizen Lab herausgefunden.

Artikel veröffentlicht am ,
Zensur mit US-Technik: Mönche in myanmarischem Internetcafé
Zensur mit US-Technik: Mönche in myanmarischem Internetcafé (Bild: Reuters)

Das diktatorische Regime von Myanmar (auch Burma oder Birma genannt) nutzt US-Technik, um das Internet zu zensieren. In dem südostasiatischen Land würden Proxies des US-Hardware-Herstellers Blue Coat dazu genutzt, Internetinhalte zu filtern, berichtet das Citizen Lab. Das Citizen Lab ist eine Forschungseinrichtung an der Universität im kanadischen Toronto, die sich mit Sicherheit und Zensur im Internet beschäftigt.

Proxies mit Zensursoftware

Yatanarpon Teleport, der größte Internetanbieter Myanmars, setze Geräte vom Typ ProxySG des kalifornischen Unternehmens ein, auf denen zusätzlich Programme zum Filtern von Inhalten sowie zur Überwachung von Nutzern installiert worden seien, erklärten die Forscher.

Die Opennet Initiative, zu der auch das Citizen Lab gehört, hat im August getestet, welche Inhalte in Myanmar gefiltert werden. Überprüft wurden knapp 1.700 Websites aus 37 inhaltlichen Kategorien. Davon waren um die 500 Sites gesperrt. Zehn der Kategorien waren fast oder komplett blockiert. Dazu gehört beispielsweise Pornografie, Sexualkunde oder Badebekleidung. In diesen Kategorien wurden zwischen 25 und 100 URLs geprüft, die alle gesperrt waren.

Vier Adressen nicht gesperrt

Weitgehend gesperrt waren die Kategorien E-Mail, Hacking und das Umgehen von Proxies. Hier wurden jeweils um die 30 Seiten geprüft. Bei den Proxies waren zwei, in den beiden anderen jeweils eine erreichbar. Warum gerade diese vier Seiten nicht gesperrt gewesen seien, sei nicht klar, sagte das Citizen Lab.

Blue-Coat-Sprecher Steve Schick sagte dem US-Wissenschaftsmagazin Technology Review, es sei das erste Mal, dass der Vorwurf erhoben werde, dass die Produkte des Unternehmens in Myanmar eingesetzt würden. Blue Coat werde der Angelegenheit nachgehen.

Proxies in Syrien

Im Oktober 2011 war die Gruppe Telecomix in den Besitz von Logfiles aus Syrien gekommen. Aus den Daten hatten die Aktivisten ersehen können, dass das Überwachungssystem des staatlichen Telekommunikationsanbieters Syrian Telecommunications Establishment aus Proxies von Blue Coat bestehe.

Blue Coat hatte daraufhin erklärt, dass die Geräte illegal nach Syrien gelangt sein müssten. "Wir wollen nicht, dass unsere Produkte von der syrischen Regierung noch von der irgendeines anderen Landes genutzt werden, gegen das die USA ein Embargo verhängt haben". Entsprechend würden solche Länder auch nicht beliefert. Das Unternehmen vermutete, dass die Lieferung für den Irak bestimmt gewesen sei und unrechtmäßig nach Syrien umgeleitet wurde.

Internet unter staatlicher Kontrolle

Wie gegen Syrien existiert auch ein Embargo gegen Myanmar. Das Land gehört zu den Staaten, die das Internet am stärksten regulieren. So müssen beispielsweise die Betreiber von Internetcafés ihre Kunden und deren Onlineaktivitäten überwachen. Internet und Telekommunikation sind praktisch vollständig unter der Kontrolle der Regierung.

Während Demonstrationen im Jahr 2007 trennte die Militärregierung das Land einfach vom Internet, um zu verhindern, dass Bilder von protestierenden Mönchen und Bürgern, gegen die das Militär brutal vorging, weiter um die Welt gingen. Im Jahr darauf soll die Regierung sogar Distributed-Denial-of-Service-Attacken gegen Exilwebsites durchgeführt haben.

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derthorsten 11. Nov 2011

Latentes Herrenmenschengehabe muss bereits im Keim erstickt werden.

Bouncy 11. Nov 2011

Ach was. Machthaber sind in aller Regel auch keine Softwareentwickler und...

Bouncy 11. Nov 2011

Richtig, manche scheinen zu vergessen, dass man solche Produkte (das sind keine...



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