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Ijon Tichy Raumpilot 2: Mels Odyssee und das Geheimnis des Sepulkens

Die zweite Staffel von Ijon Tichy bringt erneut witzige Ideen, skurrile Charaktere und bizarre Abenteuer. Die Serie basiert auf den Sterntagebüchern von Stanislaw Lem, der auch den Roman Golem XIV(öffnet im neuen Fenster) geschrieben hat. Golem.de durfte bereits die gesamte Staffel sehen. Fazit: größtenteils gelungen.
/ Jörg Thoma
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Die zweite Staffel von Ijon Tichy: Raumpilot ist erschienen. (Bild: Kosmische Kollegen)
Die zweite Staffel von Ijon Tichy: Raumpilot ist erschienen. Bild: Kosmische Kollegen

Ijon Tichy düst wieder in seiner Dreizimmerrakete durch den Weltraum. Diesmal muss er das Universum retten. Aus seinem letzten verdorbenen Ei ist nämlich ein schwarzes Loch entwichen, das das gesamte Weltall zu verschlingen droht. Vorher aber will Tichy seine Nahrungsvorräte auf dem Planeten Eggman auffüllen – Prioritäten müssen gesetzt werden.

Oliver Jahn und Nora Tschirner über Ijon Tichy
Oliver Jahn und Nora Tschirner über Ijon Tichy (03:56)

Die Reise durchs All tritt Oliver Jahn alias Ijon Tichy wieder in seinem Feinrippunterhemd mit der Analogen Halluzinelle (Nora Tschirner) an, die ihn bereits in der ersten Staffel mehr oder weniger hilfreich unterstützt hat. Aus den Sterntagebüchern(öffnet im neuen Fenster) von Stanislaw Lem gesellt sich in der neuen Staffel noch Professor Tarantoga hinzu, mit dessen Hilfe Tichy das schwarze Loch stopfen will – mit einer Büchse Ursuppe.

Dass sich die Serie nicht strikt an Lems literarische Vorlage hält, bemerkt der belesene Zuschauer spätestens, wenn sich der für die Serie ersonnene Hauptcharakter Mel (Jan Mixsa) als blinder Passagier an Bord der Dreiraumwohnung schleicht. Das haarige Wesen sucht nach seinem Heimatplaneten und seiner Identität. Sein einziger Hinweis ist eine Topfpflanze.

Dysfunktionale Teleporter

In insgesamt acht Episoden irren die Reisenden durchs All, begegnen angriffslustigen Möbeln und aufdringlichen Sektenmitgliedern, müssen aus unendlichen Zeitschleifen ausbrechen und amoklaufende Teleporter bändigen.

Die Produktion sei gegenüber der ersten Staffel deutlich aufwendiger, sagte Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor Oliver Jahn im Gespräch mit Golem.de. Denn in der Wohnung, die in der ersten Staffel als Kulisse gedient habe, wohne er inzwischen nicht mehr. Also sei sie im Studio nachgebaut worden. Und das sei auch besser so gewesen, sagte Jahn, denn dreißig oder mehr Personen samt Ausrüstung, hätte er nicht dort unterbringen können. Viele der über 100 Mitgestalter der zweiten Staffel waren bereits an der ersten Staffel beteiligt, darunter Randa Chahoud und Dennis Jacobsen, die beide an den Drehbüchern mitschrieben und auch Regie führten.

Die einzelnen Folgen sind mit jeweils 25 Minuten zehn Minuten länger als die der ersten Staffel.

Computeranimierte Rüsseltiere

Kulissen und Charaktere sind eine eigentümliche Mischung aus Computeranimation und Theaterrequisiten. Während aus dem Teleporter entsprungene kleine fliegende Rüsseltiere per Computergrafik eingearbeitet wurden, sind einige Wasserszenen einfach mit durchsichtigem Plastik nachgestellt. Die Kostüme der zahlreichen Nebenfiguren und Aliens sind ebenfalls aus einfachen Mitteln zusammengestellt worden. Sie habe sich immer gefreut, wenn ein neuer Alien die Kulisse betrat, sagte Tschirner.

Hinter den Kulissen bei Ijon Tichy Raumpilot
Hinter den Kulissen bei Ijon Tichy Raumpilot (04:35)

Dass sich die Drehbücher an den vorhandenen Requisiten orientiert haben, bestreitet Jahn aber. Alles sei geplant gewesen, sonst wäre die Produktion auch viel zu aufwendig geworden. Auch den Begriff "trashig" findet Jahn für seine Serie nicht zutreffend, sie habe einfach eine "spielerische Leichtigkeit" . Tatsächlich erinnert Ijon Tichy: Raumpilot mehr an die Serie Doktor Who(öffnet im neuen Fenster) oder die Verfilmung der Douglas-Adams-Romane durch die BBC(öffnet im neuen Fenster) .

Science-Fiction-Filmzitate

Die Episoden sind gespickt mit Filmzitaten aus dem Science-Fiction-Genre, zu dem auch Ijon Tichy zählt. Die Zeitmaschine hinterlässt eine Flammenspur und ein rotierendes Nummernschild(öffnet im neuen Fenster) und die Rüsseltiere sind ein Resultat aus missglückten Teleporterübertragungen nach dem Film " Die Fliege(öffnet im neuen Fenster) " mit Vincent Price, der später auch von David Cronenberg verfilmt wurde(öffnet im neuen Fenster) .

Fröhlich werden nicht nur Science-Fiction-Inhalte auf die Schippe genommen, in der zweiten Folge mit dem Namen "Shopping" kommt ein bekanntes Möbelhaus unter Beschuss.

Sepulken verboten

Manchmal sind die Episoden aber schlichtweg albern, darunter "Sepulken verboten", in der ein Leuchtturm eine zentrale Rolle spielt. In der 14. Reise der Sterntagebücher wird das Sepulken als eine Tätigkeit beschrieben, die nur mit einer Partnerin möglich ist. In Ijon Tichy: Raumpilot wird den Hypnotisierten das Sepulken generell verboten, gemeint ist hier das Urinieren.

Die erste Staffel wurde vom ZDF, das auch diesmal die Staffel in Auftrag gegeben hat, zu später Stunde ausgestrahlt, meist nach Mitternacht. Die zweite Staffel wird hingegen zuerst in ZDF Neo ab dem heutigen 4. November 2011 um 21 Uhr in Doppelfolgen ausgestrahlt. Die weiteren Folgen sind an den darauffolgenden Freitagen zu sehen, der Beginn liegt zwischen 21 und 21:30 Uhr. Die letzten beiden Episoden erzählen eine durchgehende Geschichte, alle anderen Folgen sind in sich abgeschlossen.

Für erwachsene Kinder

In seinem Hauptsender versteckt das ZDF ab dem 28. November 2011 Ijon Tichy nach Mitternacht in seinem Nachtprogramm. Die Folgen können aber auch in der ZDF-Mediathek abgespielt werden. Die DVD der zweiten Staffel ist bereits im Handel erhältlich. Auf der ZDF-Webseite von Ijon Tichy(öffnet im neuen Fenster) gibt es auch ein Flash-Spiel, in dem die Planeten der Episoden angesteuert werden können.

Die zweite Staffel macht Spaß. Sie nimmt den Faden der ersten Staffel auf und spinnt ihn fröhlich weiter. Wir haben viel geschmunzelt und einige Male gelacht. Wer auf die Verfilmung von Lems durchaus teils tiefgründigen philosophischen Überlegungen zum menschlichen Dasein hofft, erwartet allerdings zu viel. Für eine Kinderserie sind die Drehbücher wiederum teilweise zu komplex.

ZDF-Redakteur Alexander Bickel dankte seinem Sender, wo sonst "sogar die Mainzelmännchen ihre Feinripp-Unterhemden bügeln" , für die Unterstützung des Teams von Ijon Tichy. Er sei froh, das es noch so viele "Bekloppte und Verrückte" gebe.

Und die Reise geht weiter, demnächst auf der Kinoleinwand, wie uns Oliver Jahn bestätigte.


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