Cybersicherheit: GCHQ-Chef "beunruhigt" über Cyberkriminalität

Die hohe Zahl der Cyberangriffe auf britische Regierungsstellen und Unternehmen gefährdet die britische Wirtschaft, schreibt Iain Lobban, Chef des technischen Nachrichtendienstes Government Communications Headquarters(öffnet im neuen Fenster) (GCHQ), in einem Beitrag in der britischen Tageszeitung The Times(öffnet im neuen Fenster) . Das britische Außenministerium sowie weitere Regierungsstellen des Landes waren im Sommer Ziel einer großen Cyberattacke. Der Angriff sei zwar fehlgeschlagen, die Zahl solcher Angriffe habe aber ein beunruhigendes Ausmaß angenommen, so Lobban.
Er wisse von Versuchen, Dokumente, Ideen und Entwürfe zu stehlen - von Unternehmen aus den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen ebenso wie von Regierungsbehörden, berichtet Lobban. Das britische Verteidigungsministerium etwa hat 2010 über 1.000 Cyberangriffe abgewehrt - von Kriminellen, aber auch von fremden Geheimdiensten. Der Diebstahl geistigen Eigentums gehe nicht nur zulasten der betroffenen Unternehmen. Er stelle einen Angriff auf das wirtschaftliche Wohlbefinden Großbritanniens dar, warnt der GCHQ-Chef.
Laut Lobban entwickelt sich derzeit ein globaler krimineller Markt, auf dem reale Kreditkartendaten britischer Bürger für Cyberdollar gekauft werden könnten. Das GCHQ hatte im Sommer 2011 verhindert, dass eine Million personenbezogener Datensätze verkauft wurden. Damit hätten nach Behördenangaben Kreditkartenbetrügereien im Wert von 300 Millionen britischen Pfund, umgerechnet über 340 Millionen Euro, begangen werden können.
In den kommenden zwei Tagen findet in London eine Konferenz zu Cybersicherheit(öffnet im neuen Fenster) statt. Zu den Teilnehmern(öffnet im neuen Fenster) gehören unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton, ihr schwedischer Kollege Carl Bildt, EU-Kommissarin Neelie Kroes und Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.