Kryptographie: Informatiker entschlüsseln 250 Jahre alte Geheimschrift
Der "Codex Copiale" wurde nach dem Ende des Kalten Krieges in einem Ostberliner Archiv entdeckt. Es besteht aus 105 vergilbten Seiten, die mit 75.000 Zeichen beschrieben sind. Bislang erschien es unmöglich, den Code zu knacken.
Jetzt gelang es Kevin Knight von der USC Viterbi School of Engineering(öffnet im neuen Fenster) , Beáta Megyesi und Christiane Schäfer von der Universität Uppsala in Schweden(öffnet im neuen Fenster) und einem internationalen Informatikerteam, die Bedeutung der Geheimschrift zu entschlüsseln. Zunächst wurde eine maschinenlesbare Version des Textes erstellt, um eine Quantifizierung bestimmter Symbole und anderer Muster vornehmen zu können.
Die Forscher wussten nicht einmal, in welcher Sprache das verschlüsselte Dokument geschrieben wurde. Aber durch die lateinischen und griechischen Zeichen im Manuskript nahm man an, dass man die abstrakten Symbole nicht benötigt, und isolierte sie zunächst. Der verbliebene Text wurde nun nach Mustern untersucht, um ihn einer von 80 getesteten Sprachen zuordnen zu können. Das dauerte nach Angaben von Knight ziemlich lange und blieb ergebnislos.
Das Kryptographie-Team(öffnet im neuen Fenster) entfernte im nächsten Schritt die lateinischen Zeichen. Sie sollten den Leser in die Irre führen, hatten aber genau wie die griechischen Zeichen keinerlei Bedeutung. Der eigentliche Text war in den abstrakten Symbolen enthalten.
Das Team untersuchte die Hypothese, dass gleichartige Symbole auch den immer gleichen Buchstaben entsprechen. Schließlich gelang es, die in Deutsch verfassten Worte "Zeremonien der Initiation" und "Geheimer Teil" zu isolieren.
Die im Dokument beschriebenen Rituale gehören zu einer Geheimgesellschaft, die der Faszination der Augenchirurgie und Augenheilkunde erlegen waren, obwohl die Mitglieder des Geheimbundes offenbar selbst keine Augenärzte waren.
Weitere Codes warten auf die Kryptographen
Knight will nun auch andere verschlüsselte Botschaften, darunter Chiffren des Zodiac-Killers(öffnet im neuen Fenster) , mit den Mitteln der kryptoanalytischen Software knacken. Auch der letzte Abschnitt von " Kryptos(öffnet im neuen Fenster) ", eine verschlüsselte Nachricht auf einer Granitskulptur auf dem Gelände der CIA-Zentrale sowie das Voynich-Manuskript(öffnet im neuen Fenster) , ein verschlüsseltes, mittelalterliches Dokument, sollen nun bald ihre Geheimnisse verlieren.
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