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Test: Cyanogenmod 7 auf dem Touchpad

Die aktuelle Version von Cyanogenmod 7 lässt sich auf dem Touchpad von HP installieren. Trotz Alphastatus funktioniert die freie Android -Version erstaunlich gut. Golem.de hat die Installation ausprobiert.
/ Jörg Thoma
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Der Homescreen von Cyanogenmod 7 auf dem Touchpad (Bild: Cyanogenmod)
Der Homescreen von Cyanogenmod 7 auf dem Touchpad Bild: Cyanogenmod

Die Cyanogenmod-Entwickler, die aus dem vorhandenen Android-Quellcode eigene Versionen für verschiedene populäre Smartphones erstellen, haben eine erste Alphaversion für das HP-Touchpad erstellt. Damit erhalten Anwender eine angepasste Android-Version 2.3.7 für das Tablet. Das Cyanogenmod-Team will weiter aktualisierte Versionen liefern, wenn auch nicht regelmäßig. Besitzern eines Touchpads stehen nach der Installation auch die Anwendungen aus dem Android-Market zur Verfügung.

Android 2.3.7 auf dem HP Touchpad
Android 2.3.7 auf dem HP Touchpad (03:29)

Auf dem von HP ausgemusterten Touchpad läuft WebOS zwar in der Version 3.0.4, allerdings ist das Angebot an Applikationen recht dürftig. Das wird wohl auch so bleiben, denn HP hat die Entwicklung und Produktion von WebOS-Geräten eingestellt. Damit entfällt auch der Reiz für Entwickler, Anwendungen für die mobile Plattform zu programmieren. Außerdem ist unklar, ob HP noch weitere Updates nachliefern wird.

Die Alphaversion 2.1 von Cyanogenmod 7 für das Touchpad(öffnet im neuen Fenster) läuft erstaunlich stabil – einige gravierende Fehler der ersten Version wurden bereits beseitigt. So funktionierten die Stromaufnahme und der Verbrauch noch nicht korrekt, das Tablet entlud sich trotz Standby-Modus über Nacht und ließ sich erst nach mehrstündigem Aufladen wieder einschalten. Mit der schnell nachgeschobenen zweiten Alpha sind diese Probleme aber behoben. Auch das Aufladen über die induktive Ladestation Touchstone funktioniert, wenn auch langsamer als über ein direkt angeschlossenes Micro-USB-Kabel.

Komplizierte Installation

Die Installation ist allerdings recht kompliziert. Cyanogenmod richtet sich neben WebOS ein und benötigt dafür zwei Partitionen, die der Installer automatisch anlegt. Auf der verkleinerten WebOS-Partition legt der Installer außerdem das Verzeichnis sdcard an. Android bindet dieses als virtuelle SD-Karte ein, und auch WebOS hat darauf Zugriff. Insgesamt knapst sich Cyanogenmod etwa 2 GByte des Speicherplatzes von WebOS ab. Über einen Bootloader lässt sich alternativ das originale WebOS starten.

Bei unseren Versuchen klappte die Installation jedes Mal ohne Probleme. Allerdings sollten Anwender Vorkehrungen für den Fall treffen, dass die Installation einmal schiefläuft. Als Erstes sollte die Seriennummer des Geräts notiert werden. Mit dieser lässt sich später über den WebOS Doctor(öffnet im neuen Fenster) ein Systemimage herunterladen und neu aufspielen. Wer nach einer erfolgreichen Installation Cyanogenmod wieder von dem Touchpad löschen will, kann einen Uninstaller benutzen, der ebenfalls bereits verfügbar ist.

Installationsdateien auf das Touchpad übertragen

Nachdem die Seriennummer notiert ist, muss das Touchpad zunächst mit einem Windows-Rechner per USB-Kabel angeschlossen werden. Dort muss im Stammverzeichnis des Tablets der Ordner cminstall angelegt werden. Darin wird die Image-Datei update-cm-7.1.0-tenderloin-a2.1-fullofbugs.zip(öffnet im neuen Fenster) abgelegt. Sie enthält das eigentliche Image des Android-2.3.7-Systems. Zusätzlich wird noch die Image-Datei update-cwm_tenderloin-1012.zip(öffnet im neuen Fenster) benötigt, die das Image der Entwicklungsumgebung Clockworkmod enthält. Darin werden später die Google-Apps installiert. Schließlich muss noch das Archiv mit dem Bootloader Moboot(öffnet im neuen Fenster) auf das Tablet in das gleiche Verzeichnis übertragen werden.

Die Novacom-Treiber für den Zugriff auf das Touchpad im Recovery-Modus werden ebenfalls benötigt. Dazu kann das Entwicklerwerkzeug WebOS Quick Install heruntergeladen werden, das eigentlich dazu gedacht ist, in der Entwicklung befindliche Applikationen auf WebOS-Geräte zu installieren und zu prüfen. WebOS Quick Install ist Java-basiert. Nach dem Start bietet die Anwendung gleich die Installation der Novacom-Treiber an.

Die Treiber gibt es für Windows, Mac OS X und Linux. Unter Linux konnten wir mit den Treibern nicht auf das Touchpad zugreifen, unter Mac OS X haben wir sie aus Zeitgründen nicht getestet. Sofern nicht bereits ein Touchpad im Recovery-Modus am Rechner hängt, erscheint nach der erfolgreichen Installation der Treiber eine Fehlermeldung, dass ein Gerät nicht gefunden werden konnte. Die Fehlermeldung kann ignoriert und WebOS Quick Install geschlossen werden. Dann muss noch die Datei ACMEInstaller heruntergeladen und in das Verzeichnis Program Files \ Palm Inc. kopiert werden.

Installation mit Novacom-Treibern

Um das Touchpad in den Recovery-Modus zu versetzen, müssen die Lauter-Taste und der Ein-Aus-Schalter gleichzeitig gedrückt werden. Es erscheint ein einfaches USB-Symbol. Nun kommt der ACMEInstaller zum Zuge. Er wird mit dem Befehl novacom boot mem:// ᐸ ACMEInstaller in den Speicher des Tablets übertragen und dort ausgeführt. Nach etwa ein bis zwei Minuten erscheinen auf dem Touchpad Kernelmeldungen und zwei Pinguine, die bestätigen, dass das Touchpad einen Zweikernprozessor hat.

Die anschließende Installation wird automatisch durchgeführt. Nachdem der Installer die beiden Partitionen angelegt hat, überträgt er dorthin auch die Systemdateien, die sich in den beiden Zip-Archiven befanden, und richtet den Bootloader ein. Bei der Installation werden die Dateien im cminstall-Ordner gelöscht. Wer also Android nochmals neu installieren will, muss sie erneut dorthin kopieren.

Sobald nach wenigen Minuten die Installation abgeschlossen ist, startet das Tablet automatisch in das neu installierte Android.

Die auf dem Touchpad fehlenden Hardwaretasten haben die Entwickler unter dem Namen AWDLauncher als virtuelle Tasten in die untere linken Ecke der Bedienoberfläche integriert. Dort findet sich auch ein Home-Button. Ein weiterer Home-Button, der als einzige Hardwaretaste auf dem Gerät vorhanden ist, hat die gleiche Funktion. Er dient aber auch dazu, das Tablet aus dem Ruhemodus zu wecken. Neben der virtuellen Optionstaste, der Zurück-Taste und der Taste zur Suche gibt es noch eine Taste zum Öffnen der Systeminformationen und eine weitere, mit der sie wieder geschlossen werden können. Die Sprache kann in den Einstellungen geändert werden, die unter dem zunächst englischsprachigen Menüpunkt Settings, Language and Keyboard zu finden sind. In den Einstellungen kann auch eine WLAN-Verbindung hergestellt werden.

Wackelige WLAN-Verbindung

Eigentlich kommuniziert das Touchpad über WLAN nach 802.11 b/g/n. Unter Android erkennt das WLAN-Modul zwar einen Router, der mit 5 GHz funkt, allerdings kam damit keine Verbindung zustande. Die Verbindung im 2,4-GHz-Bereich konnte zunächst hergestellt werden, brach dann aber sporadisch ab und ließ sich nur wieder herstellen, wenn das WLAN-Modul in den Einstellungen vorübergehend ausgeschaltet wurde. Gerade aktive Verbindungen blieben jedoch stabil, etwa bei einem Download.

Das Tablet ist mit Cyanogenmod 7 gebrauchsfertig. Die meisten installierten Apps sind jedoch für Entwickler gedacht, etwa die App für den Superuser-Modus oder ein Terminal Emulator. Der ROM-Manager ist noch nicht richtig integriert. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass dort gemeldet wird, dass die Entwicklungsumgebung Clockworkmod noch nicht installiert sei, obwohl sie bereits über den ACMEInstaller eingespielt wurde. Darüber können später Sicherungen vorgenommen oder Updates eingespielt werden. Der Entwickler arbeitet an einer funktionierenden Version, die mit einem Update nachgereicht werden soll.

Übertaktungswerkzeuge

In den Einstellungen unter Cyanogenmod , Leistung können die Taktung des Prozessors beeinflusst und weitere Einstellungen zur Optimierung des Systems vorgenommen werden. Zwar warnen die Entwickler ausdrücklich davor, die Einstellungen zu ändern, allerdings lohnt sich ein Blick darauf allemal.

Der Standardbrowser reagiert bei tabletoptimierten, textlastigen Webseiten flüssig. Sobald zahlreiche Bilder auf den Webseiten sind, ist das Scrollen aber merklich ruckelig. Hier halfen auch veränderte Leistungseinstellungen nicht. Auch im nachinstallierten Firefox-Browser ruckelte es beim Blättern in den Webseiten. Das Abspielen von 720p-Videos hingegen klappte flüssig. Youtube-Videos in HD bereiteten dem Gerät ebenfalls keine Probleme.

Zugriff auf den Android Market nur über Google Apps

Spätestens wenn Applikationen aus dem Android Market vermisst werden, müssen die sogenannten Google-Apps jedoch nachinstalliert werden.

Die Google-Apps, die die Anwendung für den Android Market ermöglichen, aber auch für den Zugriff auf den Google Kalender benötigt werden, lassen sich nachinstallieren. Sie werden in keiner Cyanogenmod-Installation mitgeliefert, denn Google hat Cyanogenmod nicht offiziell anerkannt.

Zunächst muss dafür die Datei gapps-gb-20110828-signed.zip(öffnet im neuen Fenster) heruntergeladen werden. Es handelt sich dabei um eine generische Version der Google-Anwendungen, die auch auf dem Touchpad funktionieren.

Da die Google-Apps tief in das System eingreifen, können sie nicht unter Android selbst installiert werden. Stattdessen muss das Touchpad neu gestartet und über das Bootmenü in die Entwicklungsumgebung Clockworkmod gebootet werden. Dort muss die Option install zip from sdcard , choose zip from sdcard mit der Lautstärke-Taste gewählt und mit der Hometaste bestätigt werden. Im Downloadverzeichnis liegt die heruntergeladene Datei, die markiert werden muss. Die Installation erfolgt mit dem Betätigen der Hometaste. Nach der Installation muss der Anwender sich wieder ins Hauptmenü hangeln und von dort das Tablet über reboot system now neu starten.

Nach dem Neustart kann zunächst ein Google-Konto eingerichtet oder angelegt werden. Danach stehen Anwendungen aus dem Android Market zur Verfügung, etwa der Flash Player oder Spiele wie Angry Birds.

Deinstallation und Fazit

Wer Cynaogenmod 7 wieder loswerden will, kann den ACMEUninstaller(öffnet im neuen Fenster) verwenden. Er entfernt die für Android erstellten Partitionen und den Bootloader. Der Uninstaller wird dafür in das gleiche Windows-Verzeichnis kopiert wie der Installer, nämlich Program Files/Palm Inc. . Dort wird in einem Terminal-Fenster der Befehl novacom boot mem:// ᐸ ACMEUninstaller ausgeführt. Nach einem Neustart kann das Gerät unter WebOS per USB nochmals an den Windows-Rechner gehängt und die übrig gebliebenen Android-Verzeichnisse gelöscht werden.

Fazit

Insgesamt funktioniert Cyanogenmod 7 Alpha 2.1 bereits weitgehend problemlos auf dem Touchpad, wir können die Installation empfehlen. Die wenigen Macken dürften durch weitere Updates beseitigt werden, etwa die ruckelige Darstellung im Browser und die nicht ganz stabile WLAN-Verbindung. Auch die Installation, die jetzt noch sehr kompliziert ist, wird hoffentlich später vereinfacht. Ob die Entwickler eine Cyanogenmod-Version auf Basis von Android Ice Cream Sandwich nachreichen werden, ist gegenwärtig unklar.

Mehr Informationen zu Cyanogenmod 7 auf dem Touchpad sind im Rootwiz-Forum(öffnet im neuen Fenster) erhältlich.


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