Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Staatstrojaner: Anonymous hackt Webseite von Abgeordnetem Hans-Peter Uhl

Die offizielle Webseite des CSU-Abgeordneten Hans-Peter Uhl ist von Anonymous gehackt worden. Das Kollektiv störte sich offenbar an Uhls gestriger Rede im Bundestag, bei der er den Einsatz von Staatstrojanern verteidigte.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Nico Ernst
179 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Gehackte Homepage von Hans-Peter Uhl (Bild: Nico Ernst/Golem.de)
Gehackte Homepage von Hans-Peter Uhl Bild: Nico Ernst/Golem.de

"Die Computer der Kriminellen werden immer ausgetüftelter!" sagte Hans-Peter Uhl in einer Fragestunde des Bundestages zum vom CCC entdeckten Staatstrojaner . Dieses Zitat verbreitete sich rasant durchs Netz, unter anderem per Twitter - und seit kurzem steht es auch auf Uhls Homepage(öffnet im neuen Fenster) .

Daneben finden sich dort zurzeit nur noch der bekannte Bekennertext von Anonymous, die Konfigurationsdaten des Webservers und ein eingebettetes Youtube-Video(öffnet im neuen Fenster) mit dem Zitat. Es wurde aus dem Parlamentsfernsehen des Bundestages mitgeschnitten. Die ursprüngliche Seite findet sich noch im Google-Cache(öffnet im neuen Fenster) . Auch die dortigen Links funktionieren noch, die Hacker haben also den Server nicht komplett leergeräumt.

Hans-Peter Uhl ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe zur Innenpolitik der Unionsfraktion im Bundestag. Er sprach sich wiederholt für Überwachung von Verdächtigen auch mittels Staatstrojanern aus. Dazu sollen die Programme nun nicht mehr von privaten Unternehmen wie Digitask entwickelt werden, von denen die in Bayern gefundene Malware stammte. Uhl sagte schon vor den Diskussionen im Bundestag, der Staat solle die Programme selbst entwickeln. BKA-Chef Jörg Ziercke unterstützt dieses Vorhaben.

Mit dem CCC, der den ersten dokumentierten Staatstrojaner entdeckte, steht Uhl schon seit Jahren auf Kriegsfuß. Er bezeichnete den Verein 2009 bei der Diskussion um Netzsperren auf der Plattform Abgeordnetenwatch als(öffnet im neuen Fenster) "Pseudo-Computerexperten" . Gestern legte der Politiker noch einmal nach: "Es wäre schlimm, wenn unser Land am Schluss regiert werden würde von Piraten und Chaoten aus dem Computerclub. Es wird regiert von Sicherheitsbeamten, die dem Recht und dem Gesetz verpflichtet sind."

Nachtrag vom 20. Oktober 2011, 14:38 Uhr

Noch während dieser Artikel erstellt wurde, haben offenbar die Reparaturarbeiten an der Webseite begonnen. Sie zeigt momentan die bekannte Meldung "It works!" eines frisch aufgesetzten Webservers. Dafür funktionieren jetzt die zuvor intakten Links zu Uhls Inhalten, etwa zu PDFs, nicht mehr.


Relevante Themen