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iOS 5 im Test: Kabelfreiheit für iPhone und iPad

Apples iOS 5 ändert viele Kleinigkeiten, aber auch das Konzept. Backups gehen in die Cloud , das Sync-Kabel verliert an Bedeutung, das iPad erkennt neue Gesten. Auch als Spieleplattform wird iOS dank neuer Airplay-Modi erweitert.
/ Andreas Sebayang
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Die iPad-Tastatur kann mit iOS 5 geteilt werden. (Bild: Golem.de)
Die iPad-Tastatur kann mit iOS 5 geteilt werden. Bild: Golem.de

Mit iOS 5 hat Apple für seine mobilen Geräte eine neue Betriebssystemversion veröffentlicht. Sie soll viele Neuerungen bringen – Apple nennt mehr als 200 und bringt diese auf iPad, iPhone 4 und 3GS sowie neuere iPod touch. Einige von Apples Neuerungen gibt es bereits bei der Konkurrenz, doch Apple hat manche Ideen so weit ausgebaut, dass gleich die gesamte Infrastruktur geändert werden musste. Für den Test haben wir iOS 5 auf einem iPhone 4 sowie einem iPad 2 3G genau angesehen und in Verbindung mit Apple TV ein Rennspiel mit dem neuen Airplay-Modus angespielt.

iOS 5 für iPad, iPhone und iPod touch – Test
iOS 5 für iPad, iPhone und iPod touch – Test (03:32)

Multitasking bei der Synchronisation ohne Kabel

Den Backupprozess sowie die Aktualisierung der Inhalte hat Apple für die iOS-Geräte deutlich überarbeitet und vereinfacht. Für die Synchronisation wird nun kein Kabel mehr gebraucht. Wer will, synchronisiert beispielsweise seine mobilen iOS-Geräte über das WLAN.

Die Synchronisation kann sowohl von iTunes als auch vom iOS-Gerät angestoßen werden. Per WLAN werden Backups angelegt, Kontaktdaten ausgetauscht, Anwendungen aktualisiert oder Musik- und Videodateien auf das Gerät übertragen.

Dieser Vorgang ist zudem nicht mehr blockierend. Egal ob per Kabel oder per WLAN: Eine Synchronisation läuft im Hintergrund ab und der Nutzer kann trotzdem weiter Spiele spielen oder im Web surfen.

Fota – ab jetzt gibt's Systemupdates übers WLAN

Mit iOS 5 macht Apple die iOS-Geräte noch in einem weiteren Bereich unabhängiger. Während die Apps schon lange "Over The Air" , also per WLAN und eingeschränkt per Mobilfunk, aktualisiert werden konnten, war das bei der Firmware noch nicht möglich. Das ändert sich mit iOS 5. Android-Nutzer kennen Systemupdates per drahtloser Kommunikation schon lange.

Wer will, klickt in den Systemeinstellungen von iOS 5 auf die Updatesuche und lässt das Update einspielen. Das klappt aber auch automatisch, denn iOS-Geräte sollen in Zukunft dem Anwender melden, wenn es ein Update gibt. Von Beta- zu Betaversion funktioniert Firmware Over The Air (Fota) recht gut. Der Download dauert zwar seine Zeit, genau wie die Installation. Probleme konnten wir dabei aber nicht beobachten. Sogar ohne Stromanschluss war ein Update möglich. Der Akku muss aber mindestens 50 Prozent Ladung haben, sonst wird das Update nicht durchgeführt.

Zum Einsatz kommt der Updatemechanismus in der Praxis aber erst später. Die neue Version muss wie gehabt über iTunes installiert werden. Es kann also durchaus sein, dass Apple beim Updatemechanismus noch etwas geändert hat, was der Nutzer erst bei einer Aktualisierung auf iOS 5.01 oder 5.1 bemerkt.

Für Updatewillige weniger interessant ist der Umstand, dass der Anwender nun keinen Rechner mehr braucht, um sein iOS-Gerät zu aktivieren. Bei Neuinstallationen oder gerade erst ausgepackten Geräten ist es nun nicht mehr erforderlich, einen Mac oder PC für die Einrichtung zu nutzen. Eine Konfigurationshilfe führt verständlich durch die wenigen Einstellungsmöglichkeiten und nach ein paar Minuten ist das iPad oder das iPhone betriebsbereit.

Mehr Konkurrenzdenken mit dem Game Center

Das Game Center wurde gründlich überarbeitet und ist sehr viel stärker auf den Wettbewerb zwischen den Spielern ausgelegt. Eine Übersicht zeigt nun, welche Freunde wie viele Achievement-Punkte (Erfolge) erlangt haben. Vorher war nur die Anzahl der Erfolge gut sichtbar und es war recht mühselig, sich mit anderen Spielern zu vergleichen.

Dabei wird in der Liste auch gleich die Anzahl der Spiele angezeigt, auf die sich die Erfolge beziehen. So lässt sich gut bewerten, ob der Freundes- und Bekanntenkreis eher viele Titel kurz spielt oder wenige intensiv. Ein Vergleich der jeweils erlangten Achievements ist ebenfalls für jedes Spiel möglich – und zwar ohne dass der Nutzer dafür extra in jedes Spiel im Game Center gehen muss.

Leider ist Apple noch immer nicht gegen die zahlreichen Schummler vorgegangen. Die Statistiken bekannter Spiele sind immer noch mit Werten gefüllt, die schlicht nicht erreichbar sind. Dass einige so offensichtlich schummeln, verwundert, schließlich könnte Apple durchaus einmal iTunes-Accounts sperren – an denen deutlich mehr hängt als nur der Spielstand.

Knopflos: mehr Multitouch fürs iPad

Zumindest iPad-2-Nutzer können auf den Homebutton nun verzichten. Mit neuen Vier-Finger-Gesten, die Apple-Nutzer schon von Mac OS X 10.7 alias Lion kennen, lässt sich das iPad gut bedienen. Wer gerade in einer Anwendung ist, kann mit vier Fingern nach links wischen, um die zuletzt benutze Anwendung zu öffnen. Ein Wisch nach rechts führt wieder in die ursprüngliche Anwendung zurück. Multitasking wird also über diese Geste ausgeführt. Daran gewöhnt sich der Anwender recht schnell, obwohl der Wechsel nicht immer flüssig vonstatten geht. Insbesondere ältere Anwendungen, die kein Multitasking können, stören aufgrund ihrer Ladezeiten.

Eine weitere Geste mit vier Fingern erlaubt bei einem Wisch nach oben den Aufruf der Multitaskingleiste. Wer vier Finger zusammenzieht, kommt wieder auf den Startbildschirm. Nach ein wenig Umgewöhnung ersetzen die Gesten damit den Homeknopf am iPad.

Kamera per Lautstärkeregler auslösen

Nutzer des iPhones können nun den Lautstärkeregler mit dem Plussymbol als Auslöser verwenden. Vor allem beim Starten der Kameraanwendung vom Sperrbildschirm aus hat das Vorteile. Nach einem Doppelklick auf den Homebutton und anschließendem Tippen auf das Kamerasymbol kann das iPhone im Querformat gehalten werden. Bei einem Druck auf die Plustaste kann ein Bild geschossen werden. Die Funktion ist nichts Neues und bei anderen Smartphoneherstellern ebenfalls verbreitet. Es gab sogar einmal eine App, die das beherrschte. Allerdings hat Apple sie aus dem App Store entfernt(öffnet im neuen Fenster) , da das Übernehmen der Lautstärkeregelung durch Anwendungen nicht erlaubt ist.

Die Kamera ist übrigens auch ohne Entsperrung immer nutzbar. Wer den Code nicht eingibt, kann Fotos machen und direkt anschauen. Zuvor gemachte Fotos sind aber erst zugänglich, nachdem der Entsperrcode eingegeben wurde.

Das Fotografieren mit der Kamera ist nun etwas einfacher geworden. Dank einblendbarer Gitterlinien kann der Anwender besser beurteilen, ob er das Gerät gerade wirklich waagerecht hält. Außerdem lassen sich Fotos jetzt im Nachhinein minimal bearbeiten und zum Beispiel zurechtschneiden.

iPad-Spiegelrennen auf dem Fernseher

Mit iOS 5 lassen sich nun die kompletten Inhalte des iPads auch per Apple TV auf einen Fernseher bringen. In der Multitaskleiste muss zur Lautstärkekontrolle nach links gewechselt werden, um dort das Spiegeln der Inhalte zu aktivieren. So kann der Anwender etwa auch Spiele auf dem Fernseher zeigen. Problematisch sind die Seitenverhältnisse der Anwendungen. Einige Anwendungen sind bereits so weit angepasst, dass dies egal ist.

Real Racing 2 HD schickt im Airplay-Modus von iOS das Renngeschehen zum Fernseher und zeigt auf dem iPad Streckeninfos an. Das folgende Video demonstriert, wie das in der Praxis aussieht:

Apple TV mit iOS 5 steuern
Apple TV mit iOS 5 steuern (01:42)

Wie in dem Video zu sehen ist, gibt es eine kleine Verzögerung im Renngeschehen. Unser Testaufbau beinhaltete das per WLAN angebundene iPad 2. Die kleine Streamingkiste Apple TV war per Ethernet angebunden. Gestört haben die Verzögerungen nicht. Mitunter sind sie aber stärker, etwa wenn ein Spiel gerade startet. Real Racing 2 HD war meist flüssig genug zum Spielen. Ein Blick in den Rückspiegel führt aber manchmal zu Verzögerungen. Zudem ist Real Racing 2 HD etwas anfällig für Störungen durch den Multitaskbetrieb. Dann muss die Anwendung beendet und neu gestartet werden.

Nicht angepasste iOS-Anwendungen werden nur zum Apple-TV gespiegelt. Infinity Blade gehört dazu. Dann sind rund um das Bild Balken zu sehen. Der einzige Mehrwert ist in diesem Fall die Möglichkeit, vor einem Publikum zu spielen oder gemeinsam im Internet zu surfen. Der nicht mehr erhältliche VLC-Player lässt sich durch die neue Spiegelung für Videos benutzen, die sonst gar nicht auf dem Fernseher angezeigt werden könnten.

Zwei Airplay-Modi stiften Verwirrung

Kann eine Anwendung direkt per Airplay Daten senden, wird der Modus umgeschaltet. Die Videoapp oder etwa die Fotoapp schicken dann nicht das viel zu kleine 4:3-Bild, sondern ein 16:9-Bild zum Fernseher. Das Hin- und Herschalten zwischen dem systemweiten und dem anwendungsspezifischen Airplay-Modus ist allerdings etwas verwirrend, da der Anwender dies nicht auf den ersten Blick sieht. Der systemweite Airplay-Modus ist an einer eingefärbten Statuszeile oben und einem Airplay-Symbol neben der Uhrzeit zu erkennen.

Zu den Anwendungen mit eigenen Airplay-Einstellungen gehören unter anderem die Galerie und der integrierte Videoplayer. Wir hatten beim Umschalten zwischen den Airplay-Modi manchmal Probleme mit Verbindungsabbrüchen. Insgesamt ist die neue Funktion sehr nützlich für das Wohnzimmer.

Notification Center und ortsabhängige Termine

Apple rüstet vor allem bei seinem Benachrichtigungssystem auf. Wer nun eine Kurznachricht per SMS bekommt oder einen Anruf verpasst, sieht dies direkt auf dem Sperrbildschirm. Auch Anwendungen wie Facebook können beispielsweise einen neuen Status melden, ohne dass der Nutzer das iPhone entsperren muss.

Auf jede dieser Meldungen kann der Anwender direkt reagieren. Statt den Hauptslider zu benutzen, lässt sich jede Meldung als Slider verwenden. Mit einem Wisch über die Kurznachricht wird der Anwender beispielsweise gleich in die SMS-Anwendung geführt, um dem Sender zu antworten. Nach jeder Entsperrung verschwinden allerdings sämtliche Meldungen vom Sperrbildschirm. Sie sind dann über das Benachrichtigungszentrum (Notification Center) verfügbar. Dieses wird in iOS 5 über einen Wisch vom oberen Rand nach unten gezogen. Dort gibt es auch kleine Widgets, zum Beispiel für das Wetter oder Börsenkurse.

Zu dem neuen Benachrichtigungssystem gehören auch die Erinnerungen. Das ist eine einzelne Anwendung, die neben den Notizen existiert. Es ist damit möglich, ortsabhängige Erinnerungen einzugeben. Eine Erinnerung kann beispielsweise beim Verlassen der Arbeitsstätte ausgelöst werden. Nachdem der Nutzer ein paar hundert Meter gelaufen ist, wird er beispielsweise daran erinnert, zum Supermarkt zu gehen.

Das funktioniert auch bei einer Ankunft. Sobald der Nutzer an seinem Zielort ist, könnte auf Wunsch eine Erinnerung mit "Kaffee kochen" erscheinen. Die ortsabhängigen Erinnerungen funktionierten allerdings nicht auf dem iPad.

Problematisch an dem neuen Hinweissystem ist der Umstand, dass es nun so viele Orte gibt, an denen Informationen abgelegt werden können: diverse Kalender mit Erinnerungen – einer davon wird auch für die separaten Apple-Erinnerungen genutzt -, die Notizen, die synchronisiert werden, und die Meldungen auf dem Sperrbildschirm und dem Notification Center selbst. Das wirkt ein wenig durcheinander und aufgesetzt. Eine Benachrichtigungsfunktion hat uns sogar genervt. Beispielsweise können neue E-Mails am oberen Bildschirmbereich als Banner angezeigt werden. Damit werden aber auch Bedienelemente leicht verdeckt. Der Anwender klickt also schnell mal auf das E-Mail-Banner statt auf den Zurückknopf.

Vor allem ist die Konfiguration mühselig, wenn der Anwender viele Apps hat, von denen er benachrichtigt werden will. Einige Optionen fehlen uns außerdem, vor allem beim E-Mail-Verkehr. Wir würden uns wünschen, nur bei einzelnen E-Mail-Konten benachrichtigt zu werden. Außerdem fehlt eine ordentliche IMAP-Unterstützung. Benachrichtigungen gibt es nur für die Inbox, aber nicht für Unterordner, in die beispielsweise serverseitig E-Mails vorsortiert werden. Ohnehin fehlt iOS ein vernünftiger Mechanismus zum Umgang mit vielen serverbasierten Unterordnern und deren Abonnementverwaltung. Letztendlich lohnt sich der Aufwand aber, das Benachrichtigungssystem zu konfigurieren. Wer sich an Teilen stört, der schaltet sie einfach ab.

Backup mit der iCloud

Geräte mit iOS verwenden nun verstärkt die iCloud. Die mobilen Geräte können sogar ihre Backups in die Cloud machen. Das kostet aber mitunter enorm viel Speicherplatz. Die 5 GByte kostenloser Speicher sind nicht unbedingt ausreichend. Praktischerweise kann der Anwender bestimmen, welche Inhalte der Apps gesichert werden sollen. IOS listet für das Backup die Speicherbenutzung der jeweiligen App nach Größe sortiert. Bei unseren Testgeräten reichte es, die Apps VLC und Offmaps auszuschließen, und schon war das Backup nur noch 1,5 GByte groß. Bei VLC wollte iOS auch die Filme sichern und bei Offmaps die heruntergeladenen Openstreetmap-Karten, was unserer Ansicht nach unnötig war.

Die iCloud wird auch für Aufgaben benutzt, die zuvor mit MobileMe erledigt wurden. Das Synchronisieren von Kalendern und Adressbüchern gehört dazu, genauso wie das Lokalisieren der eigenen iOS-Geräte. Auch ein E-Mail- und Dokumentenservice (per iWork) gehört dazu.

Teile der iCloud sind auch schon länger in Betrieb. Dazu gehört die iTunes-Anbindung , die es beispielsweise erlaubt, bereits gekaufte Apps, TV-Serien oder Musik noch einmal herunterzuladen. Dazu bietet die iCloud-Integration jeweils eine Übersicht an. Gerade für Apple-TV-Nutzer ist das praktisch. Sie brauchen damit keinen Zuspieler mehr, sondern laden sich die Dateien einfach noch einmal herunter. Wir haben die iCloud vorwiegend mit einem US-Account getestet und den deutschen Zugang nur am Rande benutzt. Das nochmalige Herunterladen von Musik und TV-Serien klappt gut. Das funktioniert aber bisher nur in den USA.

Die Vor- und Nachteile der iCloud

Das Arbeiten mit der iCloud ist bei iOS optional. Wer will, kann die Funktion darauf beschränken, dass er seine gekauften Inhalte wieder herunterladen kann. Wirklich profitieren tut der Anwender aber erst von der kompletten Nutzung der iCloud, indem er Backups, Adressbücher oder etwa die Kalender benutzt. Dass dies Vorteile haben kann, haben wir schon bei unserem Test mit Samsungs Chromebook bemerkt. Die Benutzung der Cloud-Dienste ändert für den Anwender gar nicht so viel. Wer E-Mails seit Jahren per IMAP oder Webmail abruft, für den ändert sich nichts. Schwieriger ist es bei den Daten, die nun in der Cloud und nicht mehr ausschließlich lokal vorgehalten werden.

Größter Vorteil: Die eigene Hardware ist austauschbar und trotzdem gibt es ein Backup irgendwo da draußen im Rechenzentrum. Nicht direkt fassbar, aber dafür in professionellen Händen. Wer zusätzlich zu Hause ein Backup hat, kann nun beispielsweise auf eine Brandsicherung verzichten, die er zu Freunden oder Familie trägt, denn die iCloud-Sicherung liegt sehr weit weg, fernab von möglichen Desastern, die die Daten vernichten. Und wer seine Doppelbackupstrategie beibehalten will, freut sich über eine zusätzliche Absicherungsstufe.

Das setzt natürlich voraus, dass der Nutzer der iCloud vertraut. Das bedeutet zum Beispiel, der Anwender muss Apple vertrauen, dass die Daten dort sicher sind. Apple verspricht natürlich, wie jeder andere Cloud-Anbieter, dass die Daten in dem Rechenzentrum sicher sind und kein anderer Zugriff erhält. Ein Angreifer würde vermutlich eher den Nutzer angreifen, um etwa per Phishing an die Nutzerdaten zu kommen.

Besondere Abwehrmaßnahmen gegen Phishing sind bisher nicht zu erkennen. Viele Onlinerollenspiele sind da weiter und verlangen beispielsweise beim Einloggen von neuen Rechnern erst einmal weitere Informationen oder setzen wie Valves Steam voraus, dass jeder Rechner freigeschaltet wird, bevor er für eine Anmeldung benutzt werden darf.

Valve entwickelt sogar schon in eine Richtung, bei der selbst die Kenntnis von Passwort und Nutzernamen für ein Eindringen in Nutzerdaten nicht ausreicht . Diese fortschrittliche Technik wäre auch für Apple eine gute Idee.

Die Sicherheit der iCloud hängt sehr stark vom Kenntnisstand des Anwenders ab. Die Auswirkungen eines Diebstahls eines iCloud-Zugangs sind beispielsweise vergleichbar mit dem Verlust seines Mobilgeräts oder dem Einbruch in das eigene Heim und der Mitnahme des Privatrechners.

Für Apple dürfte es eines der umfassendsten Infrastrukturprojekte in der Geschichte des Konzerns sein. Apple hat Mac OS X angepasst, ein Rechenzentrum aufgebaut , neue Versionen seiner Webanwendungen geschaffen, Anwendungen wie iWork sowohl in der iOS- als auch in der Mac-OS-Variante iCloud-fähig gemacht und zu guter Letzt iOS deutlich überarbeitet, damit es mit der Cloud zusammenarbeiten kann.

Zahlreiche kleine Änderungen

Mit iOS 5 hat Apple wieder zahlreiche kleine Änderungen im System und den Standardapps vorgenommen. Manche davon sind rein optischer Natur. So sind die Ein- und Ausschalter in iOS nun runde Schiebeschalter. Praktisch hingegen ist eine Änderung bei der Wetterapp. Ein Antippen auf die Stadt lässt eine Stundenvorhersage erscheinen. Der Anwender sieht für die nächsten zehn Stunden das Wetter und die Temperatur jeweils pro Stunde aufgelistet. Sollte Regen möglich sein, gibt es zudem eine Regenwahrscheinlichkeit in Prozent.

Die Kalenderanwendung des iPhones wurde ebenfalls überarbeitet und bietet nun die Möglichkeit, zwischen den Tagen hin- und herzuwischen. Vorher mussten dafür Pfeile angetippt werden. Im Querformat gibt es nun eine Mehrtagesansicht, in der ebenfalls wischend zwischen den Tagen hin- und hergewechselt werden kann.

In einigen Fällen praktisch sind Änderungen in Safari. Die iPad-Nutzer freuen sich jetzt über Tabs, auch sie kennen Android-Nutzer schon länger, und die iPhone-Nutzer können jetzt den Reader benutzen, der Inhalte neu aufbereitet. Das ist vor allem bei Webseiten ohne Mobildarstellung praktisch.

Neu ist der Zeitungskiosk, den wir allerdings noch nicht testen konnten. Er soll die Verwaltung von Zeitungsabonnements zentralisieren und leichter zugänglich machen.

Für Puristen ist die Möglichkeit von Richttext im E-Mail-Programm uninteressant. Wer will, kann nun Texte in E-Mails in fetter Schritt verfassen oder auch unterstreichen.

Für iPad-Nutzer gibt es für das Schreiben von Texten eine neue Komfortfunktion: Die virtuelle Tastatur lässt sich jetzt verrücken und zusätzlich in zwei Hälften teilen. Das ist vor allem praktisch, wenn mit der Hand gehalten wird und nur die Daumen zum Tippen frei sind. Nach etwas Eingewöhnung tippt es sich damit zwar nicht so schnell wie im Schoßbetrieb, aber trotzdem schneller als im Einhandbetrieb.

Auch in den Einstellungen hat Apple viele Änderungen vorgenommen. Die Ortungsdienste sind jetzt anders aufgeteilt und auch einzelne Systemdienste lassen sich abschalten, die GPS-, WLAN- und Mobilfunkortung nutzen. Wie gehabt blendet iOS ein Symbol ein, sobald eine Ortung vorgenommen wird. Allerdings kann dies mitunter dauerhaft sein. Wer beispielsweise seine Zeitzone per Ortung automatisch umstellen lässt, sieht ständig das Symbol. Damit wird das Symbol in der Statusleiste unnütz.

Ärgerlich ist noch immer die Umsetzung diverser Systemsperren. Wer beispielsweise seine Konten und die Ortungseinstellungen mit Passwörtern sichert, muss umständlich über die Menüs erst die Sperren lösen. Bei der Ortung hat Apple nun nachgebessert. Sobald der Anwender in den Ortungseinstellungen ist, kann er dort Änderungen für die einzelnen Apps vornehmen. Allerdings mussten wir im Test für neue Apps zunächst die Ortungseinstellungen grundsätzlich ohne Passwort zugänglich machen. Erst nachdem die App gestartet wurde, tauchte sie in den Einstellungen zur Konfiguration auf und wir konnten die Ortungseinstellungen wieder absichern.

Die Ortungseinstellungen zu schützen ist sinnvoll, ein Dieb könnte sonst einfach die Ortung deaktivieren. Dasselbe gilt für die Zugänge. Sind diese nicht über die Beschränkungen abgesichert, kann ein Dieb den iCloud-Zugang einfach löschen. Hier bleiben die Einstellungen im Unterschied zu den Ortungseinstellungen aber sehr mühselig. Erst muss der Anwender die Beschränkungen aufheben, dann zurück zu den Zugangseinstellungen und dort Änderungen vornehmen und anschließend die Beschränkungen wieder setzen.

Apple zählt mehr als 200 Neuerungen in iOS 5. Weitere Informationen gibt es auf der iOS-5-Webseite(öffnet im neuen Fenster) .

Verfügbarkeit und Fazit

Die neue Version 5 von iOS steht bereits per iTunes zum Herunterladen bereit. Sowohl iPhone 3GS und 4 als auch iPad 1 und 2 sowie einige neuere iPod touch können das neue System verwenden. Das Update wird über iTunes 10.5 heruntergeladen und installiert. Auch fürs Apple TV wurde ein Update veröffentlicht. Einige der im Test erwähnten Funktionen gibt es auf älteren iOS-Geräten nicht. Dazu gehören etwa die neuen Multitouchgesten und Spielen per Apple TV, was beim ersten iPad nicht funktioniert. Ein iPhone 3GS konnte bei uns nicht für ortsabhängigen Erinnerungen benutzt werden.

Fazit

Benachrichtigungszentrum, kabelloses Arbeiten und iCloud sind die auffälligsten Änderungen in iOS 5. Die meisten Anwender dürften zumindest eine der Funktionen so praktisch finden, dass sie das System aktualisieren wollen. Das Benachrichtigungszentrum hat uns vor allem unterwegs sehr gut gefallen. Wir fühlten uns immer informiert. Vorher musste der Nutzer dafür erst ein halbes Dutzend Anwendungen durchklicken. Auch das kabellose Synchronisieren erleichtert die Nutzung der iOS-Geräte.

Wie schon bei Mac OS X 10.7 alias Lion ändert Apple auch mit iOS 5 den Umgang mit Daten. Wer sich mit der iCloud vertraut macht, wird feststellen, dass es einige Argumente dafür gibt, Daten online zu sichern. Für die anderen wird es vor allem ein Dienst im Hintergrund sein, dessen Existenz sie nicht bemerken müssen.

Besonders gut haben uns die iPad-2-Rennen auf dem Fernseher gefallen. Es macht einfach Spaß, das iPad 2 als Lenkrad zu benutzen und am Fernseher zu fahren. Die leichte Verzögerung störte dabei nicht. Bestzeiten schafft der Spieler zwar nicht, aber Spaß hat er allemal.

Abseits der drei großen Neuerungen hat Apple bei iOS 5 vor allem viele Kleinigkeiten verändert. Einige der Neuerungen sind allerdings bei anderen Smartphone-Herstellern schon üblich. Es sind viele kleine Helfer, an die sich der Anwender zwar gewöhnen muss, die er aber schnell nicht mehr missen möchte. Wer eines der kompatiblen iOS-Geräte hat, kann auf iOS 5 aktualisieren. Nachteile haben wir in der Testphase nicht bemerkt.


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