Zeitzonen: tz-Datenbank wegen Klage abgeschaltet

Die US-Firma Astrolabe(öffnet im neuen Fenster) klagt gegen Arthur Olson, Gründer der Zeitzonen-Datenbank(öffnet im neuen Fenster) , und Paul Eggert, der diese aktuell pflegt. Die beiden sollen urheberrechtlich geschützte Daten aus dem American Atlas(öffnet im neuen Fenster) kopiert und über die tz-Datenbank der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Astrolabe hat die Rechte an American Atlas erst kürzlich erworben.
Die auch Olson Database(öffnet im neuen Fenster) genannte Datenbank gilt als zentrale Datenbank für Informationen zu Zeitzonen. Viele Freiwillige arbeiten an der Datenbank mit, denn die Datenbank stellt nicht nur Informationen zu den aktuellen Zeitzonen zur Verfügung, sondern enthält auch Änderungen seit 1970. Das schließt auch den Wechsel von Sommer- zu Winterzeit und die Erfassung von Schaltsekunden mit ein.
Paul Eggerts ist auch für die heute verwendete einheitliche Namensgebung von Zeitzonen wie "America/New_York" oder "Europe/Paris" verantwortlich.
Aufgrund der Klage(öffnet im neuen Fenster) wurden Mailingliste und FTP-Server des Open-Source-Projekts abgeschaltet(öffnet im neuen Fenster) , dessen Daten frei verfügbar sind (Public Domain). Java-Entwickler Stephen Colebourne(öffnet im neuen Fenster) weist auf die Auswirkungen hin, die die Abschaltung haben könnte, werde die Datenbank doch in zahlreichen Systemen verwendet. Und anders als viele vermuten, gebe es recht häufig Änderungen an den Zeitzonen. Colebourne geht von weltweit 20 bis 100 einzelnen Änderungen pro Jahr aus. Die Datenbank wurde 15-mal im Jahr aktualisiert.
Aufgrund ihrer Genauigkeit nutzen eine riesige Zahl von Betriebssystemen und Frameworks die Datenbank als Referenz. Dazu gehören die freien System der BSD-Familie, Mac OS X und iOS, sämtliche Systeme mit der Gnu C Library, darunter fast alle Linux-Distributionen, das Java Runtime Environment oder auch Module von Python und dem .Net-Framework.
Allerdings weist Eggert in einem Beispiel in der Datenbank tatsächlich auf den American Atlas hin und nennt ihn als Quelle für die meisten Datenbankeinträge von vor 1991. Doch Fakten sind eigentlich nicht durch das Urheberrecht geschützt, auch nicht in den USA. Deshalb glauben viele Aktivisten der freien Software, der Prozess sei von vornherein zum scheitern verurteilt. So auch Bruce Perens(öffnet im neuen Fenster) , der keine Urheberrechtsverletzung sieht. Denn die Information der Datenbank seien kein kreativer Ausdruck.
Robert Elz hat mittlerweile(öffnet im neuen Fenster) einen FTP-Mirror eingerichtet, auf dem die Datenbank wieder zu finden ist. Auch ein Backup der Mailingliste ist hier zu finden. [von Jens Ihlenfeld und Sebastian Grüner]



