Abo
  • Services:

Internetsucht

"Die Erfolgsquote ist eher ernüchternd"

Klaus Wölfling leitet die Ambulanz für Spielsucht in Mainz. Im Interview erklärt er, wie ähnlich Online- und Drogensucht sind und wo die Therapie ihre Grenzen erreicht.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Klaus Wölfling
Klaus Wölfling (Bild: Universtät Würzburg)

Der Diplom-Psychologe Klaus Wölfling ist Psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht, die zur Uniklinik Mainz gehört. Die Ambulanz bietet gruppentherapeutische Behandlungsangebote für Computerspiel- und Internetsüchtige.

Inhalt:
  1. Internetsucht: "Die Erfolgsquote ist eher ernüchternd"
  2. Komplettabstinenz von sechs bis acht Wochen

Wölfling empfiehlt die Seite dsm5.org, auf der Forschungsergebnisse und Vorschläge von Experten für eine neue Klassifikation von Suchtstörungen veröffentlicht werden.

Zeit Online: Herr Wölfling, laut der Pinta-Studie sind 560.000 Menschen in Deutschland internetabhängig. Was ist der Unterschied zwischen stoffgebundenen Süchten, also etwa einer Alkoholsucht, und nicht stoffgebundenen Süchten wie der Internetsucht?

Klaus Wölfling: Die Unterschiede sind nicht so groß. Experten gehen davon aus, dass es einen gemeinsamen neurophysiologischen Hintergrund gibt. Eine ganze Reihe neuer Ergebnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass sich diese Süchte stark im Störungsbild ähneln.

Stellenmarkt
  1. vwd GmbH, Schweinfurt
  2. M-net Telekommunikations GmbH, München

Zeit Online: Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Patienten gemacht?

Wölfling: Ich habe mehrere Studien durchgeführt, die zeigen, dass Computerspiel- und etwa Cannabissucht sehr ähnliche Muster zugrunde liegen. Patienten zeigen ganz ähnliche Symptome. Sie sprechen häufig von Verlangen und haben diesen unwiderstehlichen Drang, Substanzen zu konsumieren oder eben im Internet zu sein oder Glücksspiele zu spielen - obwohl sie wissen, dass sie sich damit schaden.

Auf der physiologischen und der sozialen Ebene gibt es weitere Ähnlichkeiten, die uns von Sucht sprechen lassen. Milde Entzugserscheinungen bei Internetsucht sind vergleichbar mit einem Nikotinentzug. Das reicht von niedergeschlagener Stimmung und Gereiztheit über Schlafstörungen und zitternde Hände bis zu innerer Unruhe. Und natürlich die Isolation, das Sich-Zurückziehen und das durch die Sucht bedingte Lügen. Die Patienten berichten ihren Partnern, Eltern oder Kindern nicht mehr wahrheitsgetreu.

Zeit Online: Können Sie bei jedem Patienten sagen, ob er internetsüchtig oder einfach süchtig nach bestimmten Inhalten wie Onlinespielen ist? Onlinesein an sich ist ja noch keine Sucht.

Wölfling: Es gibt ein Problem mit den Begrifflichkeiten. Aktuell werden unter Internetsucht noch verschiedene Tätigkeiten subsummiert, beispielsweise Kaufsucht im Internet, Onlineglücksspiel, Onlinegaming und sogar Informationssuche sowie die Sucht, zehn bis zwölf Stunden täglich privat in sozialen Foren oder Netzwerken aktiv zu sein.

Zeit Online: Wie wirkt sich das auf die Therapie aus? Müssen Sie jede dieser Störungen anders behandeln?

Wölfling: Da sind ganz ähnliche Module anwendbar. Die Gedanken der Patienten auf einer tieferen Ebene, wo es nicht mehr konkret um das Verhalten geht, sondern um das Ausüben oder Verhindern eines Verhaltens, sind sich extrem ähnlich. Es gibt starke Parallelen zwischen dem Verlangen, von dem ein Spielsüchtiger berichtet und dem Verlangen, von dem jemand spricht, der exzessiv in sozialen Netzwerken unterwegs ist. Das können wir in einer Gruppentherapie sehr gut nutzen. Wenn man Glücksspielsüchtige mit drogenabhängigen Patienten zusammenbringt, fällt auf, dass sich Glücksspielsüchtige im Vergleich häufig für die "besseren" Abhängigen halten, weil sie nicht von einem Stoff abhängig sind. Das ist natürlich ein Irrglaube. Im Laufe der Therapie stellt sich heraus, dass sich das Suchtverhalten eigentlich sehr wenig unterscheidet. Zumal die psychologische Sucht stärker ist als die physische.

Zeit Online: Wie sehen typische Ansätze einer Therapie aus?

Wölfling: Wir arbeiten mit der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Grundannahme dabei ist: Alles, was ich lerne, kann ich auch wieder verlernen. Man weiß aus Tier- und Humanexperimenten, dass Verlernen zum Beispiel über die sogenannte Extinktion funktioniert. Wir konfrontieren unsere Patienten zu einem gewissen Zeitpunkt mit einem Schlüsselreiz. Das kann ihr Avatar sein, die Log-in-Daten für ein Netzwerk oder einfach nur ein Foto von ihrem Desktop oder ihrem Arbeitsplatz. Wir versuchen einen Zustand zu provozieren, von dem wir wissen, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zum Suchtverhalten führt und bringen den Patienten dann bei, dieses Verlangen auszuhalten, bis es wieder abflaut. Ohne, dass sie das Verhalten ausgeübt haben müssen. Für viele ist das eine absolut neue Erfahrung.

Ähnlich wie bei substanzbezogenen Süchten versuchen wir auch immer, ein Störungsmodell zu erstellen. Dabei steht die Frage im Vordergrund: Warum bin denn gerade ich süchtig geworden? Welche Prädisposition, welche Merkmale bringe ich mit? Je besser ein Patient sich kennt und versteht, desto leichter ist es für ihn, abstinent zu bleiben.

Komplettabstinenz von sechs bis acht Wochen 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 53,99€
  2. (mindestens 16,15€ bezahlen und Vegas Pro 14 EDIT und Magix Video Sound Cleaning Lab erhalten)
  3. 3,99€
  4. 20,99€

Blair 01. Okt 2011

Die durchschnittlich vor dem Fernseher verbrachte Zeit liegt sogar weit höher als die...

CyrionX 29. Sep 2011

Über 80% nutzen das Internet, da sind 500.000 nicht viel. Ich behaupte sogar allein durch...

scrumm3r 29. Sep 2011

Dann sollen sie es aber bitte auch Mediensucht nennen. In dieser Kampagne wird aber...

GodsBoss 29. Sep 2011

Also, wenn jemand ein Problem mit beispielsweise Alkohol hat, was bringt denn das...

Komischer_Phreak 29. Sep 2011

Doch. Ein Bekannter von mir hat sich jeden Abend ein Bier reingezogen. Dann hat man ihm...


Folgen Sie uns
       


Microsoft Intellimouse Classic - Fazit

Die Intellimouse ist zurück. Das beliebte, neutrale Design der Explorer 3.0 von 2004 ist nach langer Abstinenz wieder käuflich und deutlich verbessert - jedenfalls in den meisten Disziplinen.

Microsoft Intellimouse Classic - Fazit Video aufrufen
Dell XPS 13 (9370) im Test: Sehr gut ist nicht besser
Dell XPS 13 (9370) im Test
Sehr gut ist nicht besser

Mit dem XPS 13 (9370) hat Dell sein bisher exzellentes Ultrabook in nahezu allen Bereichen überarbeitet - und es teilweise verschlechtert. Der Akku etwa ist kleiner, das spiegelnde Display nervt. Dafür überzeugen die USB-C-Ports, die Kühlung sowie die Tastatur, und die Webcam wurde sinnvoller.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Ultrabook Dell hat das XPS 13 ruiniert
  2. XPS 13 (9370) Dells Ultrabook wird dünner und läuft kürzer
  3. Ultrabook Dell aktualisiert XPS 13 mit Quadcore-Chip

HTC Vive Pro im Test: Das beste VR-Headset ist nicht der beste Kauf
HTC Vive Pro im Test
Das beste VR-Headset ist nicht der beste Kauf

Höhere Auflösung, integrierter Kopfhörer und ein sehr bequemer Kopfbügel: Das HTC Vive Pro macht alles besser und gilt für uns als das beste VR-Headset, das wir bisher ausprobiert haben. Allerdings ist der Preis dafür so hoch, dass kaufen meist keine clevere Entscheidung ist.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. VR-Headset HTCs Vive Pro kostet 880 Euro
  2. HTC Vive Pro ausprobiert VR-Headset hat mehr Pixel und Komfort
  3. Vive Focus HTC stellt autarkes VR-Headset vor

God of War im Test: Der Super Nanny
God of War im Test
Der Super Nanny

Ein Kriegsgott als Erziehungsberechtigter: Das neue God of War macht nahezu alles anders als seine Vorgänger. Neben Action bietet das nur für die Playstation 4 erhältliche Spiel eine wunderbar erzählte Handlung um Kratos und seinen Sohn Atreus.
Von Peter Steinlechner

  1. God of War Papa Kratos kämpft ab April 2018

    •  /