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George Lucas: Star-Wars-Fans sagen "Noooooo"

Die Kritiken für eine neue Star-Wars-Edition sind vernichtend. Erfinder Lucas lässt Darth Vader nun "Nein" brüllen, wo vorher Stille war. Im Netz protestieren die Fans.
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Als Darth-Vader-Verkleideter (Bild: Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images)
Als Darth-Vader-Verkleideter Bild: Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images

Fans sind eine heikle Klientel. Einerseits lieben sie Reliquien so sehr, dass sie viel Geld für sie ausgeben und sie auf jede erdenkliche Weise adaptieren und bewerben. Andererseits führt diese Liebe dazu, dass sie ihre Fanobjekte als ihr Eigentum betrachten und auf jeden Eingriff wütend reagieren.

George Lucas, der Schöpfer der Star-Wars-Filme, hat das schon mehrfach erleben müssen. Noch nie hat er seine Filme als abgeschlossene Werke betrachtet. Seit es technisch möglich ist, bastelt er an ihnen herum, fügt neue Figuren ein, ändert Geräusche und Laserblitze, färbt Himmel neu ein oder erweitert Hintergründe. In jeder neuen Edition der sechs Filme gibt es kleine, aber zahlreiche Änderungen im Vergleich zu vorherigen Versionen.

Doch wenn Fans etwas hassen, dann ist es Veränderung. Sie sind gerne bereit, Lucas zu einem der reichsten Menschen der Erde zu machen. Aber schon immer haben sie ihn für seine nachträgliche Frickelei kritisiert. Die schwierige Beziehung zwischen Lucas und den Anhängern seiner Werke ist legendär. 2009 wurde sogar eine Dokumentation darüber gedreht, ihr Titel: The People vs. George Lucas(öffnet im neuen Fenster) .

Kampagne im Netz

Nun hat der seit Jahren existierende Streit einen neuen Höhepunkt erreicht. Derzeit organisieren einige Ultras im Netz eine Kampagne gegen die gerade erschienene Blu-ray-Edition von Star Wars.

Es geht um die Bastelei an sich, vor allem aber um einen Schrei, den die Figur des Darth Vader in der Blu-ray-Version an einer Stelle ausstößt, an der sie bislang stumm war. Am Ende von Teil sechs tötet Darth Vader seinen Meister, den Imperator, weil der Vaders Sohn Luke foltert. Früher tötete Vader ohne Worte, nun murmelt er erst ein kurzes "No" , um kurz darauf noch ein langgezogenes "Noooooo" auszustoßen.

 
Video: Auszug der Blu-ray von Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Einigen Fans war das "Noooooo" nun zu viel der Überarbeitung. Bei Amazon beispielsweise sind die Kundenkritiken der neuen Blu-ray-Ausgabe vernichtend. Von derzeit 1.400 Kritikern geben mehr als 900 die schlechteste Note. Ihr Tenor: Lucas vernichte cineastisches Erbe und ruiniere ein einst vollkommenes Kunstwerk.

"Unnötig" und "pervers" seien die Änderungen, schreiben einige Kommentatoren und finden, Lucas habe in ihren Erinnerungen herumgepfuscht.

Auf ewig gefangen im eigenen Werk

Dazu allerdings hat er selbstverständlich jedes Recht. Lucas ist der Urheber der Filme und kann sie ändern, soviel er mag.

Gleichzeitig ist auch der Ärger der Fans nachvollziehbar. In ihren Augen sind die Werke, wenn sie einmal erschienen sind, abgeschlossen. Künstler rennen auch nicht in Museen und Galerien, um noch ein wenig an ihren Bildern herumzutupfen.

Wobei, der deutsche Maler Georg Baselitz begann vor mehreren Jahren, die wichtigsten seiner Bilder noch einmal zu malen. "Remix" nannte er das und hatte angekündigt, dabei frühere Fehler vermeiden zu wollen. Als Kopist seiner selbst wurde auch er dafür kritisiert.

Druckfehler in Büchern werden auch korrigiert

Lucas nun ist der Überzeugung, dass er seine Filme besser macht, wenn er dank neuer digitaler Effekte Dinge hinzufügt, die zum Zeitpunkt des ersten Drehs unmöglich oder unbezahlbar waren. Das ist nachvollziehbar. Vor allem angesichts der neuen technischen Möglichkeiten.

Jedoch gilt es in unserer Kultur als feige, nicht zu den eigenen Unzulänglichkeiten zu stehen. Von Künstlern wird erwartet, dass sie sich irgendwann von ihrer Schöpfung trennen und sie fürderhin in Ruhe lassen. Sie im Nachhinein verändern und Fehler ausbügeln zu wollen, wird von vielen als der unredliche Versuch empfunden, die Mängel ungeschehen zu machen. Allerdings ist die Grenze zum Gedanken, dies im Sinne des Nutzers zu tun, fließend: So werden Druckfehler in Büchern bei einer Neuauflage selbstverständlich beseitigt.

Positiv betrachtet hieße das also, Lucas kann nicht von seinem Werk lassen, er kann es nicht als abgeschlossen sehen und sich nicht neuen Dingen zuwenden. Für die Nutzer ist das nur verwirrend. Für den Künstler hingegen ist es schade, er scheint auf ewig gefangen in seinem Star-Wars-Universum.

Aber da wir gerade beim Thema sind: Manchmal geht Lucas dabei dann doch ein bisschen zu weit: Denn selbstverständlich hat Han Solo zuerst geschossen! [Der Artikel erschien zuerst bei Zeit Online(öffnet im neuen Fenster) ]


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