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Test Gears of War 3: Der fast perfekte Sofa-Shooter

Teil 3 darf auch in Deutschland erscheinen: Muskelfetischist Marcus Fenix kämpft auf dem fernen Planeten Sera weiter gegen wütende Außerirdische. Und sorgt damit für erstklassige Popcorn-Unterhaltung auf Xbox 360 – die sich angesichts des kriegerischen Szenarios erstaunlich gemütlich spielt.
/ Peter Steinlechner
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Gears of War 3 (Bild: Epic Games)
Gears of War 3 Bild: Epic Games

Nachtrag vom 19. September 2011, 17:36 Uhr

Der Test wurde um ein Testvideo erweitert.

Gears of War 3 – Test der Solokampagne
Gears of War 3 – Test der Solokampagne (02:26)

Originaltext

Endlich hat der riesige Alienkrieger genug Treffer abbekommen. Er steht still da, dann bricht erst ein Lichtstrahl aus ihm hervor, dann weitere. Wüste Geräusche sind zu hören – und wenige Momente später explodiert der außerirdische Locust in einem gewaltigen Feuerball. Derlei gleißend helle Detonationen gehören in Gears of War 3 fast zum Heldenalltag, denn Spieler treten als Elitekrieger der KOR (Koalition der ordentlichen Regierungen) oft gegen besonders mutierte Außerirdische an, eben die sogenannten Leuchtenden. Und die fliegen beim Ableben mit einem mehr oder weniger großen, auch in der zigfachen Wiederholung noch imposanten Explosionseffekt in die Luft.

Gears of War 3 – Gameplay
Gears of War 3 – Gameplay (04:22)

Das tun sie auf dem außerirdischen Planeten Sera, auf dem der Spieler antritt. Die Handlung ist vergleichsweise komplex, mal steuert der Spieler den Supersoldaten Marcus Fenix, mal den ehemaligen Sportstar Cole Train. Wie in den Vorgängern geht es um den Kampf gegen Außerirdische, dazu kommen gelegentlich abtrünnige Kolonisten und weitere Überraschungen. Das Ganze ist etwas weniger bombastisch als im Vorgänger erzählt, dafür gibt's ab und zu mal fast schon lustige Rückblenden etwa auf die Vergangenheit der Football-Legende Cole. Allerdings ist die interessante Story an einigen Stellen arg kompliziert erzählt, so dass im Gewirr der Namen und Fraktionen leicht mal der Faden verloren geht – richtig stören tut das allerdings nur selten.

Das liegt auch daran, dass es in Gears of War 3 natürlich in erster Linie um Action geht – wer Handlung will, soll halt ein Buch lesen. Die Schlachten mit den teils riesigen Gegnermassen sind abwechslungsreich und vor allem effektvoll in Szene gesetzt. Da springen Außerirdische mit Karacho aus dem Boden, da bricht mitten im Gefecht der Boden weg, es gibt fies aussehende Monsterbiester und tatsächlich einige gelungene Überraschungen – wir verraten jetzt aber mal nicht, was sich alles unter der Erdoberfläche versteckt.

Der Spieler befindet sich nahezu immer in Begleitung von kampfkräftigen Kameraden. Die werden entweder per Koopmodus von ein paar Kumpels gesteuert, oder vom Computer – und zwar teils so effektiv, dass in kleineren Gefechten kaum noch Gegner für Marcus oder Cole übrig bleiben. Auch sonst ist das Programm im Standardschwierigkeitsgrad gut zu bewältigen. Der Spieler kann fast immer aus der Deckung heraus kämpfen und fängt so eher selten mal eine Kugel, die Zielhilfen funktionieren auch über große Entfernungen hinweg gut. Herausfordernd wird das Spiel in den höheren Schwierigkeitsgraden, aber so richtig hart geht es erst im höchsten zu, der freigeschaltet werden muss.

Unbegrenzter Gegnernachschub wie in Call of Duty ist uns nicht aufgefallen, nach ein paar Alien-Wellen ist zuverlässig Schluss, und selbst die meisten riesigen Oberbosse sind ohne stundenlange Feuerwechsel oder allzu raffinierte Tricks zu bewältigen. Wer doch mal ernsthaft angeschlagen ist, kann sich in den meisten Fällen innerhalb von ein paar Sekunden von einem Kameraden heilen lassen. Wer dann doch mal ins Gras beißt, darf am letzten der meist fair angelegten Kontrollpunkte neu anfangen. Das alles sorgt für einen angenehmen Flow, der prima unterhält – dem manchmal die herausfordernden Momente fehlen.

Linear-epischer Krieg

Der Spielverlauf ist fast immer linear, auf Knopfdruck zeigt eine Markierung an, wohin der Spieler sich als Nächstes zu begeben hat. Die Umgebungen sehen alle paar Augenblicke anders aus: Mal stürmt der Spieler auf alten Autobahntrassen, dann kämpft er sich durch eine Felswüste. Er ist in einem riesigen Sportstadion unterwegs und legt sich in viktorianisch anmutenden Gemäuern mit Gegner an. Insbesondere in Häusern ist es praktisch, dass etwa Marcus nicht nur per Gewehr, sondern auch mit Nahkampfwaffen wie einer riesigen scharfen Klinge oder der Kettensäge angreifen kann.

Die Grafik auf Basis der Unreal Engine 3 macht großenteils einen phänomenalen Eindruck. Obwohl Gears of War 3 – wie allerdings sehr viele Konsolenspiele – nur eine Auflösung von 720p (also 1.280 x 720) bietet, sehen die Texturen fast durchgehend liebevoll gestaltet und knackig aus. Die Animationen sind flüssig und entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Es gibt schicke Explosionen, Rauch wabert über die Schlachtfelder, dazu kommen tolle Licht- und Schatteneffekte. Gelegentlich ruckelt die Darstellung in Zwischensequenzen beim Nachladen neuer Leveldaten, im Spiel selbst sind uns derartige Probleme aber nur selten aufgefallen.

Neben der rund acht bis zehn Stunden langen Kampagne bietet Gears of War 3 noch jede Menge Multiplayermöglichkeiten. Es gibt den Koopmodus, in dem bis zu fünf Spieler per Internet oder zwei per Splitscreen antreten können; wer zwei Xboxen koppelt, kann auch mit vier Spielern per Splitscreen zocken. Die eigentlichen Multiplayermodi wie Horde 2.0 – in dem Spieler gegen eine Welle der Aliens nach der anderen kämpfen – und Versus waren in unserer Testversion nicht spielbar. Wir sind zwar auf die Server gelangt und konnten bereits den Unterhaltungen von US-Spielern zuhören, aber dann ist die Verbindung abgebrochen.

Gears of War 3 ist ab dem 20. September 2011 für Xbox 360 erhältlich, es kostet rund 50 Euro. Die USK hat dem Programm eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt – ohne inhaltliche Änderungen gegenüber dem US-Original. Das gesamte Spiel ist lokalisiert, die deutsche Sprachausgabe unter dem Strich recht gut gelungen.

Fazit

Was für ein Spaß! Gears of War 3 ist leichtgängige Unterhaltung vom Allerfeinsten. Es gibt nicht viele Actionspiele, in denen es ähnlich viel Abwechslung gibt, in denen ständig Neues passiert – und die trotzdem an nahezu jeder Stelle so rund wirken. Das Ding ist auch ein erstklassiges Beispiel für ein Programm, das wirklich zu Ende entwickelt wurde und bis in Details hinein geschliffen wirkt. Wer allerdings in einem derartigen Shooter nach echten Herausforderungen sucht, könnte sich zumindest in der Standardschwierigkeitsstufe unterfordert fühlen. Für gemütliche Abende auf dem Sofa ist das Programm bestens geeignet. Adrenalinjunkies kommen hingegen nur selten auf ihre Kosten, und wer einen epischen Abschluss der Trilogie erwartet hat, wird das Gamepad wohl auch ein wenig enttäuscht weglegen.

Ganz nebenbei: Gut, dass die USK diesmal eine Freigabe für Erwachsene erteilt hat. Gears of War 3 hat zwar viele Bluteffekte, aber angesichts der völlig überzeichneten und unrealistischen Action wäre alles andere schlicht nicht fair gewesen.


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