'Gewalt nutzt sich ab'

Eine doch ziemlich andere Meinung von Uncut-Spielen vertritt mauerbluemchen (28), User eines bekannten deutschen Gamer-Forums und in der IT-Branche tätig. "An Uncut-Games reizt mich nichts, da ich die Zensuren nicht schlimm finde. Ich spiele außerdem keine Spiele mehr, die geschnitten werden, sondern meist nur noch Onlinerollenspiele", erzählt er. "Ich bin kein großer Fan von Splatter und ähnlichen Effekten. Das findet man im Alter von 13 bis 15 Jahren toll, wenn man damit angeben kann, solche Spiele zu spielen, aber das verliert sich recht schnell."

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Importspiele kauft mauerbluemchen nicht etwa, weil sie "uncut" sind, sondern wegen der englischsprachigen Originalfassung. Ähnlich hält es auch Hubert R. (29), der als freiberuflicher Restaurator arbeitet: "Die deutsche Sprachausgabe enttäuscht zu oft. Und auf die internationalen Sprachoptionen der deutschen Fassung möchte ich mich nicht verlassen."

Uncut-Games reizen Hubert nicht, im Gegenteil: "Ich habe die Entwicklung der letzten Jahre beobachtet und festgestellt, dass der Gewaltgrad aufgrund besserer Technik zunimmt, dass die Spiele immer grausamer gestaltet werden. Und das finde ich für ein Unterhaltungsprodukt sehr erstaunlich und besorgniserregend."

Gewalt sei nicht nur ein fragwürdiges Stilmittel der Kundenunterhaltung, ihr Effekt nutze sich auch ziemlich schnell ab, sagt Hubert. Er kritisiert, dass "Spieleentwickler wochenlang im Team an einer Splatter- oder Sterbeanimation herumfeilen. Ich halte es für tragisch, dass der angestrebte 'Realismus' sich zu oft auf realistische Tötungsarten fokussiert, anstatt die Spielwelt so glaubwürdig und interaktiv wie möglich zu gestalten".

Wie würden Spieler den Job der USK machen?

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Cut-Versionen empfindet Hubert in vielen Fällen als angebracht. "Allerdings halte ich es für sehr unprofessionell, wenn ein Spiel auf 'null' Blut reduziert wird, wie das bei Bulletstorm der Fall war. Hier hätten sich Publisher und Entwickler mehr Mühe geben können." Der Fun-Shooter zählt zu den am stärksten geschnittenen Titeln der letzten zwölf Monate. Schnittberichte.com sieht das Spiel gar seines ureigenen Charakters beraubt: "Es mag sich merkwürdig anhören, aber Bulletstorm lebt von seiner völlig übertriebenen Gewaltdarstellung. Die brutalen Skillshots sorgen ohne literweise Blut einfach nicht für Unterhaltung."

Die Zeitschrift Gamepro gab der Uncut-Version 83 von 100 Punkten und strafte die Cut-Version mit mageren 60 Punkten ab. Ein Leser merkte an, die Gewalt in Bulletstorm hätte deutlich passender entschärft werden können - zum Beispiel wie in Team Fortress 2, wo statt blutiger Körperteile Federn, Fischgräten, Quietscheentchen, Gebisse, Uhren, Schuhe und Zahnräder durch die Luft fliegen.

Die bisherigen Antworten zeigen es schon: Mit der jetzigen Situation ist keiner der vier Interviewpartner so richtig zufrieden. Was aber würden die Spieler anders machen, wenn sie selbst beim Jugendschutz das Sagen hätten? Der 18-jährige Dennis beantwortet die Frage kurz und knapp: "Eine Freigabe für Erwachsene wirklich eine Freigabe für Erwachsene sein zu lassen!"

Hubert R. plädiert für eine bessere Zusammenarbeit zwischen USK und Herstellern, um einen für beide Seiten befriedigenden Standard bezüglich Gewaltdarstellungen zu erreichen. "Dass dem nicht so ist, beweisen einige Titel, die auf sehr fragwürdige Weise an den deutschen Markt angepasst wurden. Mich wundert das, weil die Publisher aufgrund jahrelanger Zusammenarbeit mit der USK langsam wissen müssten, welche Rahmenbedingungen in Deutschland gelten."

User mauerbluemchen würde gewalthaltige Spiele hierzulande gerne stark kontrollieren, damit sie nur noch ab 18 Jahren gekauft und gespielt werden können. "Auch den Import von ungeschnittenen Spielen sollte man so weit einschränken, dass wirklich ein Ausweis oder ein ähnliches Dokument notwendig ist, um sie zu bekommen."

Dialog statt Schnitt

Alexander Ahlden hält Alterseinstufungen und fallbezogene Werbeverbote für durchaus sinnvoll - Schnitte und Beschlagnahmungen jedoch nicht. "Der Staat bevormundet erwachsene Bürger auf eine nicht hinnehmbare Weise in ihrem Konsumverhalten. Da nützt es auch nichts, sich mit der Möglichkeit von Importen herauszureden", kritisiert Ahlden. Darüber hinaus müssten Jugendschützer und Politiker anerkennen, dass nie ein Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewaltausübung belegt worden sei.

Zum Abschluss plädiert Ahlden für mehr Dialog: "Spiele zu verbieten oder zu zensieren bringt rein gar nichts. Jeder Jugendliche kommt an das Spiel, das er haben möchte, heran. Wer das nicht kapiert und entsprechend darauf reagiert, wird sich immer nur im Kreis drehen. Ich möchte in einer Gesellschaft der Auseinandersetzung und nicht des Wegschauens leben - genau das tun wir aber, indem wir Inhalte verbieten und uns einreden, sie wären damit verschwunden. Das ist wie bei einem Kind, das sich die Augen zuhält und glaubt, es wäre unsichtbar. So schützen wir Jugendliche nicht, so lassen wir sie alleine."

[von Achim Fehrenbach/IGM. Der von uns leicht gekürzte Artikel erschien zuerst in der IGM-Ausgabe 11/2011, die bei Golem.de kostenlos im PDF-Format zum Download angeboten wird und sich an den Spielehandel richtet.]

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 'Spiele sind Kunstwerke'
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AdmiralAckbar 20. Sep 2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Saw_III Hier steht das nur ein Bestimmte versionen indiziert...

spanther 13. Sep 2011

Weil "er" es so "für dich" bestimmt hat? Na ist doch ganz klar! ;D Games don't harm...

nero negro 13. Sep 2011

Ja, genau, wenn der Staat andere zwignt, sich selbst zu zensieren, dann zensiert der...

spanther 12. Sep 2011

Japs! :) ROFL? xD Aha ^^ Ist ja Mist X.x Kann ich mir vorstellen -.-'



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