Schließfächer: Amazon macht der Post Konkurrenz

Amazon lebt vom Versandhandel. Bestellt wird im Internet und geliefert von der Post oder einem Paketdienst, für den Empfänger oft kostenlos. Doch der Transport und die Auslieferung der Waren kosten Amazon viel Geld und schmälern die Bilanz. Daran will Amazon offenbar etwas ändern. Wie die New York Times gestern berichtete(öffnet im neuen Fenster) , hat Amazon in Seattle in einem rund um die Uhr geöffneten Laden mit Waren des täglichen Bedarfs eigene Postschließfächer eingerichtet. Dort können Amazon-Kunden nach Eingabe einer PIN ihre bei Amazon bestellten Waren abholen.
Damit nimmt Amazon Post und Paketdiensten ein wichtiges Geschäft weg und baut seinen Einfluss auf die Wertschöpfungskette aus. In Gegenden, in denen Amazon viele gute Kunden hat, könnten durch eigene Auslieferung der Bestellungen in größerem Umfang Transportkosten gespart werden. Lediglich für die Auslieferung in dünn besiedelten Gebieten und Gegenden mit wenig Amazon-Kunden würde das Unternehmen vermutlich aus Kostengründen weiterhin auf etablierte Dienstleister zurückgreifen.
Für die US-Post kommt der Vorstoß von Amazon zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Post steckt in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten(öffnet im neuen Fenster) . Zum Jahresende droht die Schließung von Tausenden Postämtern und die Entlassung von mehr als 100.000 Mitarbeitern, sollte die US-Regierung nicht Milliarden zuschießen.
Die staatliche US-Post leidet, wie auch die traditionellen Postunternehmen in anderen Ländern, unter dem durch den Siegeszug der E-Mail bedingten Rückgang des lukrativen Briefgeschäfts. Hinzu kommt eine zunehmende Konkurrenz durch spezialisierte Paket- und Kurierdienste, die kein teures Filialgeschäft unterhalten.