• IT-Karriere:
  • Services:

Steve Jobs sieht Dinge, die andere nicht sehen

Zeit: Was haben Sie ihm damals geraten?

Stellenmarkt
  1. ALDI International Services GmbH & Co. oHG, Mülheim an der Ruhr
  2. Haufe Group, Freiburg im Breisgau

Hartmut Esslinger: Ich habe ein zehnseitiges Konzept entwickelt. Darauf stand unter anderem, er solle sich mit Bill Gates aussöhnen und ins Geschäft mit Konsumelektronik einsteigen.

Zeit: Haben Sie das Papier noch?

Esslinger: Sicher, aber das kann ich Ihnen leider nicht zeigen. Im Übrigen sind noch ein paar meiner Ideen nicht verwirklicht. Eine dreht sich um bewegliche Objekte. Roboter. Und wenn Sie sich ansehen, was für einen schrecklich schlechten Job die Hersteller von Robotern für den privaten Gebrauch machen, dann denke ich umso mehr: Apple muss in diesen Markt.

Zeit: Es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen, die nach einer so langen Zeit noch so gut über Steve Jobs reden wie Sie. Wie ist es, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Esslinger: Steve Jobs ist ein Mann, der Dinge sieht, die andere nicht sehen. Und er ist mutig. Ich behaupte, es wäre für jedes Unternehmen ein Leichtes, sehr erfolgreich zu sein. Aber die entscheidenden Leute haben Angst. Und in den meisten Unternehmen passen sich die Mitarbeiter an die Inkompetenz ihrer Chefs an.

Zeit: Erfolg zu haben wäre also ganz einfach?

Esslinger: Sie brauchen Mut, Intelligenz und, ja, auch Intuition. Steve Jobs hat sich immer mit guten Leuten umgeben, oftmals mit den besten. Und er führt sie auf ehrliche Weise, was allerdings viele Menschen erschreckt. Er sagt ihnen, wenn er etwas genial und wenn er etwas grauenhaft findet. Ich finde das normal, und alle, die es anders halten, sind abnorm.

Zeit: Viele Bücher und ehemalige Mitarbeiter beschreiben ihn als Despoten.

Esslinger: Steve Jobs lässt die Leute machen. Er gibt guten Leuten erst mal Raum. Aber er hat es geschafft, sich ein freies Urteil zu bewahren. Nehmen Sie nur den Fall von Cordell Ratzlaff. Der Designer hat die Oberfläche des iPhone entwickelt, die Sie heute kennen, also die kastenförmig angeordneten Apps und die Logik dahinter. Aber mit dieser Idee ist er bei seinen Vorgesetzten nicht durchgedrungen. Also hat er gekündigt, aber bevor er seine Sachen gepackt hat, ist er zu Jobs gegangen, um ihm zu sagen, warum er kündigt. Und Jobs hat sich die Zeit dafür genommen. Als Steve gesehen hat, was für eine geniale Idee unterzugehen drohte, hat er Ratzlaff gebeten zu bleiben und einen mehrere Millionen Dollar teuren Prototyp zu entwickeln. Danach ist Jobs vor seine Mitarbeiter getreten und hat gesagt: Das ist genial. So machen wir es.

Zeit: Wieso haben elektronische Konsumprodukte mit genialem Design heute eine so kulturell prägende Kraft?

Esslinger: Sie wirken im humanistischen Sinne.

Zeit: Inwiefern?

Esslinger: Jeder Mensch strebt nach Qualität. Menschen wollen das Gute. Sie ziehen das Schöne dem Schlechten vor. Denn sie spüren, dass schlechte Produkte ein Relikt primitiven Denkens sind.

Zeit: Sie haben zunächst gesagt, der geniale Designer schäle das wahre Vermögen der Technologie heraus. Er inspiriere andere Menschen. Und nun erweitern Sie diesen Gedanken, indem Sie sagen, genial gestaltete Technik führe zu Herzens- und Geistesbildung?

Esslinger: Das sehe ich so.

Zeit: Wohin führt dann die Allgegenwart von Apple-Produkten die Menschen?

Esslinger: Noch vor 50 Jahren war es in der westlichen Welt in Ordnung, wenn ein Produkt schlecht oder mittelmäßig war, Hauptsache, es existierte und befriedigte einen Mangel. Heute leben wir in einer Welt des Überflusses. Und wir haben den Anspruch, dass Produkte uns verändern. Dass sie uns ein Stück weit zu dem machen, was die Produkte transportieren. Die nächste Stufe wird sein, dass technische Produkte unsere Identität künstlich erweitern. Know me, be me. Das ist der Anspruch, dem sie künftig genügen müssen.

[von Götz Hamann/Die Zeit]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Apple-Designer Esslinger: "Er führt ehrlich"
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 34,99€
  2. (u. a. Worms: Armageddon für 2,99€, Worms W.M.D für 7,50€, Worms Ultimate Mayhem für 2...

Anonymer Nutzer 05. Sep 2011

zuwerfen?! Ein bisschen positive Jobs PR um diesem den Abgang zu versüßen. Und Apple geht...

Caliban81 05. Sep 2011

Zitat: Der gute Designer kann sichtbar machen, was Technik im Hier und Jetzt vermag. Er...

FrankTzFL1977 05. Sep 2011

gute produkte bringen die menschheit vorran! stimmt da gebe ich dir voll recht sollange...

FrankTzFL1977 05. Sep 2011

bei dem iphone 4 z.b. folgt die form bestimmt nicht der funktion bei anderen handys aber...

irata 04. Sep 2011

Mich hat nur die offensichtliche Ignoranz gestört. Ob jetzt bei Apple oder sonst wem...


Folgen Sie uns
       


Surface Book 3 - Test

Das Surface Book ist einmal mehr ein exzellentes Notebook, das viele Nischen bedient. Allerdings hätten wir uns nach fünf Jahren ein wenig mehr Neues gewünscht.

Surface Book 3 - Test Video aufrufen
Cyberbunker-Prozess: Die Darknet-Schaltzentrale über den Weinbergen
Cyberbunker-Prozess
Die Darknet-Schaltzentrale über den Weinbergen

Am Montag beginnt der Prozess gegen die Cyberbunker-Betreiber von der Mittelmosel. Dahinter verbirgt sich eine wilde Geschichte von "bunkergeilen" Internetanarchos bis zu polizeilich gefakten Darknet-Seiten.
Eine Recherche von Friedhelm Greis

  1. Darkweb 179 mutmaßliche Darknet-Händler festgenommen
  2. Marktplatz im Darknet Mutmaßliche Betreiber des Wall Street Market angeklagt
  3. Illegaler Onlinehandel Admin des Darknet-Shops Fraudsters muss hinter Gitter

Watch SE im Test: Apples gelungene Smartwatch-Alternative
Watch SE im Test
Apples gelungene Smartwatch-Alternative

Mit der Watch SE bietet Apple erstmals parallel zum Topmodell eine zweite, günstigere Smartwatch an. Die Watch SE eignet sich unter anderem für Nutzer, die auf die Blutsauerstoffmessung verzichten können.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Apple WatchOS 7.0.3 behebt Reboot-Probleme der Apple Watch 3
  2. Series 6 im Test Die Apple Watch zwischen Sport, Schlaf und Sättigung
  3. Apple empfiehlt Neuinstallation Probleme mit WatchOS 7 und Apple Watch lösbar

Differential Privacy: Es bleibt undurchsichtig
Differential Privacy
Es bleibt undurchsichtig

Mit Differential Privacy soll die Privatsphäre von Menschen geschützt werden, obwohl jede Menge persönlicher Daten verarbeitet werden. Häufig sagen Unternehmen aber nicht, wie genau sie das machen.
Von Anna Biselli

  1. Strafverfolgung Google rückt IP-Adressen von Suchanfragen heraus
  2. Datenschutz Millionenbußgeld gegen H&M wegen Ausspähung in Callcenter
  3. Personenkennziffer Bundestagsgutachten zweifelt an Verfassungsmäßigkeit

    •  /