Security: WLAN-Router von T-Online und Vodafone ab Werk unsicher

Wie bereits vor einem Jahr bekanntwurde(öffnet im neuen Fenster) , lassen sich die voreingestellten Schlüssel vieler WLAN-Router leicht erraten. Betroffen sind aber nicht nur die damals untersuchten Geräte Speedport W700V und W500 von T-Online, auch viele andere Router dieses Unternehmens und von Vodafone weisen Schwachstellen auf.
Zu diesem Ergebnis kommt eine bisher noch nicht veröffentlichte Untersuchung von Stefan Viehböck und Manuel Müller. Das Papier liegt Golem.de vor. Viehböck studiert das Fach Sichere Informationssysteme an der FH-Hagenberg, Müller Informatik an der FH-Coburg. Die beiden Sicherheitsforscher haben ihre Untersuchung unabhängig von den Hochschulen in ihrer Freizeit vorgenommen.
Der Kern des Problems ist, dass viele moderne Router, aber auch ältere Modelle, von den Providern mit einem ab Werk eingestellten Namen für das WLAN (SSID) und einem ebensolchen Key für die WPA-Verschlüsselung ausgeliefert werden. Diese WPA-Schlüssel werden nach einem nun bekannten System generiert und lassen sich leicht erraten. Dazu muss vor allem die SSID des Routers bekannt sein - deren Ausstrahlung abzuschalten, ist dabei keine Lösung, von zahlreichen WLAN-Clients werden versteckte SSIDs trotzdem gefunden.
Voreingestellte Schlüssel lassen sich errechnen
Bei T-Online besteht die SSID eines Speedport-Routers aus einer Zeichenkette wie "WLAN-XXXXXX" . Die sechs unbekannten Stellen sind hexadezimale Zahlen, die aber nicht etwa zufällig vergeben werden. Drei davon sind ein Teil der MAC-Adresse des Routers, die sich durch Mitschneiden des Netzwerkverkehrs einsehen lässt. Um die drei verbleibenden Stellen zu erraten, bedarf es immerhin noch eines Brute-Force-Angriffs mit höchstens 4.096 Versuchen - das ist in Zeiten schneller WLANs und ebensolcher Clientsysteme auch kein großer Aufwand mehr.
Viehböck und Müller gelang es aber, die Zahl der Versuche auf höchstens 1.000 zu reduzieren, denn: Die fehlenden drei Stellen des Schlüssels werden nicht nur durch SSID und MAC-Adresse, sondern auch durch drei Stellen der Seriennummer des Routers errechnet. Den dafür zuständigen Algorithmus fanden die Sicherheitsforscher in der Firmware der Router. Mittels des Programms Aircrack-ng soll auf einem modernen Notebook der Zeitaufwand für das Errechnen des WPA-Keys bei nur zwei Sekunden liegen.
Vodafone-Router sind völlig offen
Das gilt jedoch nur für eine Offline-Attacke, bei der zuvor genug des verschlüsselten Netzwerkverkehrs mitgeschnitten wurde. Beim direkten Einbruch in ein schlecht gesichertes WLAN ist der Zeitaufwand aber inzwischen auch unerheblich. Den WPA-Key eines Speedport W700V von T-Online konnten die Security-Experten in einem Laboraufbau in dreieinhalb Minuten erraten.
Anfällig für diese Attacke ist aber nicht nur dieses Gerät, sondern auch eine Vielzahl weiterer Speedport-Router. Alle von den Forschern untersuchten Geräte stammen vom Hersteller Arcadyan. Untersucht und für unsicher befunden wurden die Speedports mit den Modellnummern W303V (Typ A) W 500, W 502V, W 503V (Typ C), W 504V, W 700V, W 720V, W 722V (Typ B) und W 723V (Typ B).
Noch einfacher ist ein Einbruch in WLANs von Arcor/Vodafone, wenn diese über einen Router von Arcadyan mit den Voreinstellungen betrieben werden. "In Sekunden" könne in diese WLANs eingedrungen werden, sagte Manuel Müller Golem.de. Denn: Der WPA-Key wird bei diesen Geräten vollständig aus der MAC-Adresse erzeugt. Da der Algorithmus dafür bekannt ist, lässt sich der Schlüssel zurückberechnen. Das klappt laut Müller bei den Routern der Serie Easybox mit den Modellnummern A 300, A 400, A 401, A 600, A 601, A 800, A 801, 402, 602, 802 und 803.
Lösung: SSID und WPA-Schlüssel ändern
Wer also einen dieser Router verwendet, sollte sowohl den WPA-Schlüssel als auch die SSID dringend ändern - dann funktioniert der beschriebene Angriff nicht mehr. Als sicher gelten Keys mit Ziffern, Groß- und Kleinbuchstaben ab einer Länge von acht Stellen. Je länger, desto besser. Offenbar verlassen sich aber viele Anwender auf die vom Provider vorgenommenen Einstellungen.
Bei WLAN-Scans per Wardriving(öffnet im neuen Fenster) in den Städten Berlin, Coburg, München und Stuttgart untersuchten die Sicherheitsforscher im Laufe des Jahres 2011 insgesamt 13.916 WLANs. Je nach Stadt ergab sich bei diesen Netzen ein Anteil zwischen 17 und 25 Prozent, bei denen noch die von den Providern festgelegten unsicheren Einstellungen gültig waren. Anders interpretiert würde der nicht repräsentative Scan auch bedeuten, dass rund ein Fünftel aller Anwender die Sicherheitseinstellungen ihrer Router nicht ändert.
Nachtrag vom 20. August 2011, 14:15 Uhr
Nach Erscheinen dieser Meldung gab Vodafone folgende Erklärung per E-Mail ab:
Sicherheit - auch beim Surfen und beim WLAN-Passwort der Vodafone Easybox ist Vodafone wichtig. Das Verfahren bei den automatisierten Passwörtern wurde bereits vor einiger Zeit geändert - die Aussage, unsere Router seien ab Werk leicht zu entschlüsseln, ist daher sachlich falsch. Aus Sicherheitsgründen werden wir das aktuelle Verfahren jedoch nicht weiter öffentlich beschreiben. Übrigens: Vodafone hat nur ein aktuelles Modell - die Easybox 803. Beim Installationsvorgang wird der Kunde zudem ausdrücklich gebeten, ein individuelles Passwort einzustellen. Diesen Hinweis bekommt der Kunde automatisch angezeigt!
Auf Nachfragen gab das Unternehmen an, dass bei den älteren und in dieser Meldung genannten Routern die Benutzer selbst für ausreichende Sicherheit sorgen müssten. Daher weise Vodafone auch auf seinen Webseiten darauf hin(öffnet im neuen Fenster) , die SSID und das WLAN-Passwort zu ändern.



