• IT-Karriere:
  • Services:

UniOS - ein Luftschloss?

Stutzig macht mich, dass beim Start der Anwendung zunächst ein Dialog erscheint, der aussieht wie der aus Adobe-Flash und um Erlaubnis bittet, auf Kamera und Mikrofon zuzugreifen. Das passiert bei einer nativen Mac-Applikation natürlich nicht. Die Erklärung lauert in der rechten Ecke der Titelleiste: Dort gibt sich das Programm als Karthik's Picturebooth zu erkennen - ein Klon von Apples Photo Booth, der mit Adobe Flash umgesetzt wurde.

Stellenmarkt
  1. Interhyp Gruppe, Berlin, München
  2. Sika Holding CH AG & Co KG, Stuttgart

Damit konfrontiert, redete sich Maik zunächst heraus: Ihm sei nicht klar gewesen, dass es sich nicht um eine Mac-Software handelte. Schließlich erklärt er, er habe mir eine funktionierende Anwendung zeigen wollen; die "Mac-OS-X-Schicht" sei noch nicht funktional. Auch Anwendungen wie Garage Band, von denen er eben noch erklärt hat, sie liefen unter UniOS, stürzten nach dem Start ab, gibt er auf meine Nachfrage zu. Auf den Vorwurf, er habe mich schlichtweg belogen, folgt zunächst betretenes Schweigen.

Kurz nach unserem Treffen verschwindet die UniOS-Facebook-Seite. Er wolle sie überarbeiten, um die Missverständnisse auszuräumen, erklärt Maik via E-Mail. Er versichert aber, dass er den Finder tatsächlich in einer Mac-OS-X-Version vorgeführt habe. An Glaubwürdigkeit hat er damit nicht gewonnen.

"Kein Hoax"

Maik beteuert, er habe sich nicht bei Projekten wie ReactOS oder Wine bedient, alles von Grund auf entwickelt. Den Quellcode der Teile von UniOS, die unter der GPL stehen, will er veröffentlichen.

Er meine es ernst mit seinem universalen Betriebssystem, betont Maik auch nach unserem Treffen. Den zunächst für Anfang September 2011 geplanten Erscheinungstermin einer öffentlichen Beta hat er verschoben. Die Facebook-Seite für UniOS ist nach einer kurzen Unterbrechung wieder online - mit einer neuen Roadmap. Zunächst soll eine erste Beta mit Unterstützung für Windows-Anwendungen erscheinen. Eine zweite Betaversion mit Mac-OS-X-Unterstützung hat er für das 1. Quartal 2012 angekündigt - um sich "auf die Implementierung der Mac-OS-X-Schicht zu konzentrieren", wie er mir später am Telefon sagt. 2013 soll dann eine Version mit PowerPC-Unterstützung folgen.

Gerne hätte ich über ein Wunderkind berichtet, das die Betriebssystem-Welt gehörig durcheinanderwirbelt - ich kann es nicht. Ich habe einen sympathischen jungen Mann kennengelernt, der davon träumt, den großen Coup zu landen, und der mit Begeisterung an einer Sache arbeitet. Aber ich habe nichts gesehen, was darauf hindeutet, dass diese Sache auch das ist, was er und seine Freunde versprechen.

Was ich gesehen habe, ist kein universelles Betriebssystem, unter dem Anwendungen aus der Windows-, der Mac- und der Linux-Welt laufen, sondern bestenfalls ein funktionierendes Linux mit Wine. Denn selbst die von Maik präsentierten Windows-Anwendungen, die unter UniOS dann doch laufen, sind allesamt in der WineHQ-Datenbank als funktional eingetragen. Ich habe kein Wunderwerk gesehen, sondern eine gefälschte Demonstration von UniOS und ich habe Floskeln und Ausflüchte gehört. Alle direkten technischen Fragen sind unbeantwortet geblieben oder nur ausweichend beantwortet worden. Am System überprüfen durfte ich nichts. Einen Beweis oder zumindest ein Indiz, dass an der Geschichte vom universellen Betriebssystem etwas dran ist, konnte ich nicht finden.

In einer E-Mail schreibt mir Maik später: "Du hast ja gesehen, dass das so wirklich existiert - du hast die Fehler gesehen, die Programme, die funktionierten, die Hardwareunterstützung ... und da fände ich es einfach nicht gerecht, wenn du aufgrund dieses einen Programms [gemeint ist Photo Booth, Anm. d. Red.] das gesamte UniOS-Projekt als Hoax betiteln würdest - denn das ist es nicht!"

Nachtrag vom 23. August 2011, 17:40 Uhr

Am Dienstag hat Maik Mixdorf einigen seiner Kritikern das System vorgeführt. Dabei hat sich bestätigt, was einige anhand unseres Artikels bereits vermutet hatten: Es handelt sich bei UniOS um ein angepasstes Windows XP, auf dem andLinux läuft. Bei dem verwendeten Theme könnte es sich um GSM VS handeln, wie uns ein Leser per E-Mail mitgeteilt hat.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 'Bisher einzigartig'
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4


Anzeige
Top-Angebote
  1. (mit Rabattcode "POWERSPRING21" 10 Prozent auf Laptops, Smartphones, Spielkonsolen etc.)
  2. 34,99€ (Bestpreis)
  3. 3 Monate gratis (danach 14,99€ pro Monat, jederzeit kündbar)
  4. (u. a. Einhell-Werkzeug, Neues Xiaomi Mi 11 5G mit 150-Euro-Amazon-Gutschein)

Trollversteher 13. Okt 2020

Oha, was hast Du denn da für einen antiken Thread ausgegraben - aber ich erinnere mich...

TW1920 24. Jul 2019

Was will man groß neues dazu sagen? Der hat noch so anderthalb Jahre ganz groß neue...

MaerzHase 11. Jan 2017

Ich ärgere mich einfach bis heute, dass ich damals meinen Mund nicht aufgemacht habe...

der_wahre_hannes 30. Jun 2015

Jetzt bin ich 3 Jahre später hier gelandet, nur um zu erfahren, dass aus maindow auch nix...

chrizzy 30. Nov 2014

schlechten Menschen gehts immer gut ^^


Folgen Sie uns
       


Xbox Series X und S - Fazit

Im Video zum Test der Xbox Series X und S zeigt Golem.de die Hardware und das Dashboard der Konsolen von Microsoft.

Xbox Series X und S - Fazit Video aufrufen
    •  /