LHC@home 2.0: Higgs auf dem eigenen Rechner

Das Higgs-Teilchen ist der neue Außerirdische: Das europäische Kernforschungszentrum Cern hat die Internetgemeinde aufgefordert, sich an der Suche nach dem Higgs-Boson zu beteiligen.
LHC@home 2.0(öffnet im neuen Fenster) heißt das Grid-Projekt, das auf der Berkeley Open Infrastructure for Network Computing(öffnet im neuen Fenster) (Boinc) basiert. Es ist eine Erweiterung des bereits 2004 gestarteten LHC@home(öffnet im neuen Fenster) . Die Entwicklung von LHC@home 2.0 wurde von der Shuttleworth Foundation(öffnet im neuen Fenster) unterstützt, der Stiftung von Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth .
Protonenkollisionen simulieren
Das erste Projekt dieses Grids heißt Test4Theory@Home(öffnet im neuen Fenster) . Die Nutzer sollen dabei Rechenzeit zur Verfügung stellen, um die Kollision von Protonen zu simulieren. Die errechneten Daten werden dann mit denen verglichen, die bei den im Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider durchgeführten Kollisionen aufgezeichnet wurden.
Organisiert wird das Grid-Projekt vom Citizen Cyberscience Centre(öffnet im neuen Fenster) , an dem neben dem Cern das Forschungs- und Ausbildungsinstitut der Vereinten Nationen (UNITAR) und die Genfer Universität beteiligt sind. Die Aktion steht im Rahmen des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit(öffnet im neuen Fenster) .
Das Citizen Cyberscience Centre hat auch gemeinnützige Grid-Projekte initiiert, wie etwa das Operational Satellite Applications Programm. Dabei werden durch verteiltes Rechnen Landkarten aus den Daten von staatlichen und privaten Satellitenbetreibern erstellt, etwa um die Auswirkungen von Naturkatastrophen in Ländern der Dritten Welt festzustellen oder um die Abholzung der Regenwälder zu verfolgen.
Kooperation mit World Community Grid
Ein anderes Projekt, Computing for Clean Water, führt das Citizen Cyberscience Centre unter anderem mit dem World Community Grid durch. Das Grid hat IBM 2004 für die humanitäre Forschung, etwa zur Entschlüsselung der genetischen Codes von Krankheitsauslösern, gegründet.
Die privaten Computer werden in einem solchen Grid zu einem virtuellen Supercomputer zusammengeschlossen, der immense Datenmengen verarbeitet. Die Berechnung einer Teilchenkollision, wie sie im Rahmen von Test4Theory@Home durchgeführt werden soll, würde mehrere Physiker mehrere Jahre lang beschäftigen, schreiben(öffnet im neuen Fenster) die Cern-Forscher. Per Gridcomputing werden indes nicht nur Simulationen berechnet, sondern auch die Daten der echten Kollisionen ausgewertet .
Private Computer für die Wissenschaft
LHC@home 2.0 ist nicht das einzige Grid, bei dem private Computer für wissenschaftliche Berechnungen eingesetzt werden. Weitere sind beispielsweise Climateprediction.net(öffnet im neuen Fenster) , das versucht, den Klimawandel bis Ende des Jahrhunderts vorauszuberechnen, oder Einstein@Home(öffnet im neuen Fenster) , das die Daten des Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory(öffnet im neuen Fenster) sowie des Arecibo-Radioteleskops(öffnet im neuen Fenster) auswertet.
Im vergangenen Jahr hatten drei Amateurwissenschaftler aus Deutschland und den USA, die Rechenkapazität ihrer Computer für das Projekt zur Verfügung stellten, einen Pulsar entdeckt . Ihre Computer fanden die Signale des Neutronensterns in den Daten, die das Arecibo-Radioteleskop im Februar 2007 aufgezeichnet hatte.



