Rage angespielt: Der Cartoon-Kampf-Kuchen von id Software

"Welcome to the future" : Diese Begrüßung bekommen wir kurz nach dem Start der Kampagne von Rage zu hören. Gemeint ist sie als Willkommensgruß in einer postapokalyptischen Welt, aber der Spieler kann sie auch als Hinweis auf neueste Grafikalgorithmen von id-Chefprogrammierer John Carmack verstehen. Die wohl wichtigste technische Neuerung der id-Tech-5-Engine in Rage dürften die Megatexturen sein, durch die jeder Quadratmeter ein unverwechselbares Aussehen bekommt. Im Video erklärt Chefentwickler Tim Willits die Details, und was es mit dem "Backen" von Texturen auf sich hat.

Keine spektakuläre Landschaft, sondern das Innere eines ziemlich kleinen Bunkers ist das erste, was wir in der Kampagne von Rage zu sehen bekommen. Der Spieler erwacht rund 100 Jahre nach einem Einschlag des – tatsächlich existierenden und nicht ganz ungefährlichen – Asteroiden 99942 Apophis(öffnet im neuen Fenster) aus dem Tiefschlaf. Sobald die Hauptfigur die Luke öffnet, sieht sie allerdings in die gleißende Sonne. Ein paar Momente später offenbart sich dann ein spektakulärer Anblick: Wir stehen in einem gewaltigen Canyon, tief unten im Tal schwappt realistisch animiertes Wasser.

































Nach ein paar Metern blicken wir aus wenigen Zentimetern Entfernung plötzlich ins Auge eines blutrünstigen Mutanten, der ein paar Sekunden später glücklicherweise von Kugeln getroffen wird und zusammenbricht. Zu verdanken ist das einem gewissen Dan Hagar, dem ersten Verbündeten, der nach ein paar Begrüßungsworten einen Beifahrerplatz in seinem Mad-Max-Buggy anbietet, und den Spieler dann in sein Versteck chauffiert.
Dort bekommt der Spieler im Gespräch mit Dan Hagar seine erste Mission zugeteilt: Ganz in der Nähe gibt es ein Banditenlager und das muss vollständig beseitigt werden – keine Überlebenden. Dan drückt dem künftigen Helden einen Revolver in die Hand. Außerdem gibt's die Erlaubnis, per Quad zum Feind zu sausen. Den Weg markieren kleine Punkte auf der Minimap, das Fahrgefühl ist angenehm und unkompliziert. Das Versteck der Gegner entpuppt sich als riesige Höhle direkt hinter einer Hängebrücke; bevor wir uns durch deren Inneres kämpfen, müssen wir allerdings erst eine längere Ladezeit überstehen.
In der Höhle wartet spannend inszenierte, aber letztlich klassische Ballerkost auf den Spieler: Nach und nach greift einer der Banditen an – einige rennen einfach auf uns zu, andere schwingen sich von Vorsprüngen und springen dann fast in unser Feuer hinein. Nach einer kurzen Zwischensequenz lernen wir in der Höhle eine der Neuerungen von Rage kennen: den Defibrillator. Um uns im Falle unseres Todes wieder zum Leben zu erwecken, müssen wir uns mit einem – nicht sehr schön gemachten – Menü im richtigen Moment einen Stomschlag verpassen, damit unser virtuelles Herz neu zu schlagen beginnt. Praktischerweise bekommen so gut wie alle Feinde in unmittelbarer Nähe einen für sie tödlichen Blitzschlag verpasst. Der Defi steht grundsätzlich immer bereit, benötigt aber eine gewisse Zeit, um sich aufzuladen. Wer also zu oft ins Gras beißt, muss in Rage notfalls vom letzten Speicherpunkt an neu beginnen.
Noch kleinere Grafikprobleme
Sobald alle Banditen erledigt sind, geht es zu Dan zurück. Von diesem Moment an öffnet sich das Spiel immer mehr. Dan schickt uns zu einem Kumpel in eine Siedlung, um ein paar Gegenstände abzuholen. Die kriegen wir aber nur, wenn wir für ihn einen Auftrag erledigen. Dafür gibt es eine stärkere Waffe, kurz darauf den eigenen Buggy – und so kommt eines zum anderen. Nach gut zwei Stunden, vielen Kämpfen und ein Wettrennen später landet der Spieler in der Stadt Wellspring. Zwischendurch kann er mit weiteren Figuren in der Welt von Rage plaudern, im Shop neue Waffen kaufen, und aus eingesammelten Gegenständen unter anderem stärkere Munition basteln.

Die Entwicklung von Rage ist noch nicht ganz abgeschlossen, und ein paar kleinere Designschnitzer und Grafikbugs sind uns beim Anspielen aufgefallen. So finden wir es schade, dass wir am Anfang nur einen – immerhin schick aussehenden – Revolver besitzen, aber die deutlich großkalibrigeren Kanonen von erledigten Feinden nicht einsammeln können. Dezent nervig finden wir auch, dass wir tote Gegner erst anvisieren und am PC mit "E" anklicken müssen, um an ihre Habseligkeiten zu gelangen – einfach drüberlaufen würde uns besser gefallen.

































Die Grafik offenbart an einigen Stellen sehr grob aufgelöste Texturen, was allerdings tatsächlich daran liegen dürfte, dass das Spiel noch nicht fertig ist. Ebenfalls nicht perfekt ist teils das sogenannte Animation Blending: Wer etwa einen Gegner mitten in dessen Sprung erledigt, bekommt teils noch Reste von Bewegungen zu sehen, erst dann bricht der Feind zusammen.
Auf der Habenseite verbucht Rage eine tolle Atmosphäre und Grafik, die zumindest uns nach einer halben Stunde des Spielens wesentlich besser gefallen hat, als wir nach früheren Präsentationen oder den Videos erwartet hatten. Die Designer scheinen es geschafft zu haben, eine Welt aus einem Guss zu erschaffen, die aber – auch dank der Megatexturen – durch unfassbar viele Details doch glaubwürdig und abwechslungsreich wirkt. Die Wettrennen in den Buggys machen Spaß, die Kämpfe sind abwechslungsreich und spannend. Ob der teils künstliche, teils fast schon künstlerische Cartoon-Look auch bei Spielern ankommt, die sonst lieber zu etwas realistischeren Titeln wie Call of Duty oder zu Bombastgrafik wie in Gears of War greifen, bleibt abzuwarten.
Rage erscheint nach aktuellem Stand am 7. Oktober 2011 für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3. Hierzulande kommt eine ungeschnittene Version mit guter deutscher Sprachausgabe auf den Markt – ob sie auch die englische Tonspur enthält, konnte man uns auf Nachfrage leider noch nicht mitteilen.