• IT-Karriere:
  • Services:

Telex

US-Wissenschaftler entwickeln Anti-Zensursystem

Wissenschaftler aus den USA haben ein System entwickelt, das es Nutzern in Ländern mit Internetzensur ermöglichen soll, blockierte Websites aufzurufen. Das System nutzt unter anderem Deep Packet Inspection - eine Technik, die sonst eher mit Zensur in Verbindung gebracht wird.

Artikel veröffentlicht am ,
Internetnutzer im Iran: Telex soll Zugang zu gesperrten Websites ermöglichen.
Internetnutzer im Iran: Telex soll Zugang zu gesperrten Websites ermöglichen. (Bild: Raheb Homavandi/Reuters)

Wissenschaftler der Universität des US-Bundesstaates Michigan in Ann Arbor haben ein System entwickelt, das es Nutzern in Ländern mit Internetzensur ermöglichen soll, gesperrte Websites dennoch aufzurufen. Die Wissenschaftler um Alex Halderman wollen das System in der kommenden Woche auf dem Usenix Security Symposium vorstellen.

Stellenmarkt
  1. Marc Cain GmbH, Bodelshausen
  2. Fachhochschule Südwestfalen, Iserlohn

Telex sei, so schreiben die Entwickler,"ein neuer Ansatz, staatliche Internetzensur zu umgehen." Das System besteht aus zwei Komponenten: einer Software auf dem Rechner des Nutzers und einer auf dem Server eines Internet Service Providers (ISP), der Telex-Station.

Will der Nutzer eine zensierte Website besuchen, ruft er zunächst eine beliebige auf, zu der die Zensoren den Zugang nicht blockieren. Auch in Ländern, in denen das Internet stark reguliert ist, sind nie alle ausländischen Websites gesperrt. Zu dieser Seite öffnet die Telex-Software eine verschlüsselte Verbindung, wie sie beispielsweise auch beim Onlinebanking genutzt wird.

Seitenaufruf versteckt

Den Aufruf für die blockierte Seite versteckt die Software in einem Marker, der in den Seitenaufruf für die nicht blockierte Website eingebettet wird. Dies geschieht mit Hilfe von Steganografie. Um den Marker zu erkennen, bedarf es eines Schlüssels. Wer den nicht hat - also die Systeme der Zensoren - weiß nicht, dass er überhaupt verschickt wurde.

Die Telex-Stationen im Ausland hingegen verfügen über diesen Schlüssel. Sie erkennen deshalb den Marker und leiten den Aufruf an die Website weiter, die der Nutzer tatsächlich aufrufen wollte. Bei der Auslieferung wird dann der Datenstrom so verändert, dass es aussieht, als werde die Seite ausgeliefert, die der Nutzer vermeintlich aufgerufen hat.

DPI als Antizensurwerkzeug

Die Ironie an Telex ist, dass die Stationen für die Erkennung eine Technik nutzen, die viele im Netz als eine Zensurtechnik ansehen: die Deep Packet Inspection, der Blick in die Datenpakete. Kritiker wenden ein, dass diese Technik Zensoren ermögliche, gezielt Inhalte auszufiltern. Rechteverwerter fordern den Einsatz dieser Technik, um den illegalen Tausch von Dateien zu unterbinden. DPI sei bislang als Zensurwerkzeug berüchtigt gewesen, sagte Halderman dem US-Wissenschaftsmagazin Technology Review. Sie stellten das System auf den Kopf, um daraus ein starkes Anti-Zensurwerkzeug zu machen.

Telex ist nicht das erste System zur Umgehung von Zensurmaßnahmen. Systeme wie The Onion Router, kurz Tor, oder Dynaweb ermöglichen das auch schon. Sie nutzen Proxies im Ausland, über die zensierte Seiten ausgeliefert werden. Diese müssen den Nutzern im Land aber mitgeteilt werden, und das so, dass die Zensoren das nicht mitkriegen. Außerdem kennen die Behörden diese Systeme inzwischen und versuchen, den Zugang zu den Proxies zu sperren. China und der Iran etwa verfügten laut Halderman inzwischen über recht wirkungsvolle Abwehrmaßnahmen gegen Tor.

Freundliche Provider

Telex hingegen kommt ohne Proxies im Ausland aus. Stattdessen werden harmlose Websites ohne das Wissen der Betreiber zu Proxies umfunktioniert. Die Wissenschaftler sind sich auch sicher, dass die Telex-Stationen keine Hindernisse darstellen werden. "Wir stellen uns vor, dass ein freundlich gesonnener ISP Telex-Stationen auf dem Weg zwischen den Netzen der Zensoren und beliebten, nicht-zensierten Internetzieladressen aufstellen", schreiben sie.

Noch ist Telex nicht bereit für den breiten Einsatz. Die Entwickler haben aber schon ein Testnetz aufgesetzt, das sich bewährt hat, wie Halderman berichtete. Es sei möglich gewesen, aus China zensierte Websites aufzurufen.

Das Usenix Security Symposium findet vom 8. bis zum 12. August 2011 in San Francisco statt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-20%) 47,99€ (Release April 2021)
  2. 21,99€

Yeeeeeeeeha 04. Aug 2011

Stichwort Datenhafen: Es gibt genug Länder, deren Probleme einfach zu groß werden, um sie...

foo 03. Aug 2011

Was spricht gegen ähnliche Finanzierungsquellen wie im Fall von Freegate... hat ja...

OdinX 02. Aug 2011

Ist Telex nicht was völlig anderes? http://de.wikipedia.org/wiki/Telex

Mingfu 02. Aug 2011

Nein, das funktioniert anders, siehe das Paper https://telex.cc/pub/telex-usenixsec11...

Altruistischer... 02. Aug 2011

Natürlich nicht, ich vergas die Anführungszeichen, man sehe es mir nach. Im Übrigen...


Folgen Sie uns
       


LG Gram 14 (14Z90N) im Test

Das LG Gram 14 ist weniger als 1 kg leicht und kann trotzdem durch lange Akkulaufzeit überzeugen. Das Deutschlanddebüt des Geräts ist gelungen.

LG Gram 14 (14Z90N) im Test Video aufrufen
SSD vs. HDD: Die Zeit der Festplatte im Netzwerkspeicher läuft ab
SSD vs. HDD
Die Zeit der Festplatte im Netzwerkspeicher läuft ab

SSDs in NAS-Systemen sind lautlos, energieeffizient und schneller: Golem.de untersucht, ob es eine neue Referenz für Netzwerkspeicher gibt.
Ein Praxistest von Oliver Nickel

  1. Firecuda 120 Seagate bringt 4-TByte-SSD für Spieler

Xbox, Playstation, Nvidia Ampere: Wo bleiben die HDMI-2.1-Monitore?
Xbox, Playstation, Nvidia Ampere
Wo bleiben die HDMI-2.1-Monitore?

Trotz des Verkaufsstarts der Playstation 5 und Xbox Series X fehlt von HDMI-2.1-Displays jede Spur. Fündig werden wir erst im TV-Segment.
Eine Analyse von Oliver Nickel


    Corsair K60 RGB Pro im Test: Teuer trotz Viola
    Corsair K60 RGB Pro im Test
    Teuer trotz Viola

    Corsair verwendet in der K60 Pro RGB als erster Hersteller Cherrys neue preiswerte Viola-Switches. Anders als Cherrys günstige MY-Schalter aus den 80ern hinterlassen diese einen weitaus besseren Eindruck bei uns - der Preis der Tastatur hingegen nicht.
    Ein Test von Tobias Költzsch

    1. Corsair K100 RGB im Test Das RGB-Monster mit der Lichtschranke
    2. Corsair Externes Touchdisplay ermöglicht schnelle Einstellungen
    3. Corsair One a100 im Test Ryzen-Wasserturm richtig gemacht

      •  /