IMHO: Die kommerzielle Revolution von Diablo 3
Was war das für eine Freude, wenn man in Diablo 2 ein besonders scharfes Schwert oder eine richtig dicke Rüstung erbeutet hatte! Bei Teil 3 der Rollenspielreihe von Blizzard könnte der Jubel ob derartiger Funde etwas verhaltener ausfallen, wenn der Blick angesichts mächtiger Objekte weg aus der düsteren Spielumgebung und hin auf den ähnlich düsteren Echtwelt-Kontostand wandert. Das Auktionshaus mit seinen Euro-Angeboten und Verkaufsmöglichkeiten wird zwei Bereiche zusammenführen, die sonst getrennt sind: das Game, und das bei den meisten Menschen von ganz normalen Alltagssorgen umrankte liebe Geld.
Aus Sicht von Blizzard ist es sinnvoll, ein Euro-Auktionshaus direkt in Diablo 3 anzubieten: Es dürfte die etablierten und nicht selten halbseidenen Goldfarming-Vertriebswege kaputtmachen und so den ein oder anderen Spieler davor bewahren, zum Opfer von Abzocke zu werden. Dass es künftig keine Angebote ähnlich dem Goldfarming mehr geben wird, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Ganz im Gegenteil: Die chinesischen Objektsammler-Fabriken dürften schlicht über das Auktionshaus handeln. Zur Freude von Blizzard und den Aktionären, denn das Unternehmen generiert durch Einstellgebühr und Verkaufsprovision einen dauerhaften Cash-flow.
Fraglich ist allerdings, ob das Unternehmen langfristig der Versuchung widerstehen kann, selbst als Anbieter im Auktionshaus mit aufzutreten und dadurch in die Spielbalance einzugreifen. Bei World of Warcraft hat Blizzard schon ein kostenpflichtiges Reittier angeboten – zum Ärger vieler Spieler (von denen dann aber viele doch zugegriffen haben).
Suchtfaktor Taschengeld-Optimierung
Problematisch ist auch, dass der Suchtfaktor von Diablo 3 durch das Auktionshaus noch weiter steigen dürfte. Wer sein Taschengeld künftig mit der Versteigerung von Tränken aufbessern kann, hängt möglicherweise noch länger vor dem Rechner, statt im echten Leben Erfahrungen zu sammeln.
Spannend ist, wie die Konkurrenz auf das Auktionshaus reagieren wird. Besonders die Anbieter von Free-to-play-Titeln, allen voran die Betreiber von Browsergames, könnten langfristig unter Zugzwang geraten, ihre höchst lukrativen Geschäftsmodelle zu überarbeiten. Bei Bigpoint, Gameforge und Travian Games fließt das Geld derzeit nur in eine Richtung. Spieler von Diablo 3 hingegen lernen möglicherweise zu schätzen, dass es auch anders geht, und setzen dies dann auch woanders ganz selbstverständlich voraus.
Wie auch immer: In dem Moment, in dem das Echtgeld-Auktionshaus online geht, wird sich die Spielewelt ein Stück weit verändern.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).
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