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Samsung Chromebook im Test: Browser statt Windows

Ein Notebook, das fast vollständig von einer Internetverbindung abhängig ist? Golem.de hat sich Samsungs Series 5 Chromebook mit Googles Chrome OS näher angeschaut und in der Praxis verwendet. Googles Konzept wirkt möglicherweise etwas verfrüht, aber wir sind uns sicher, dass ein Teil der Anwender in Zukunft auf dieses pflegeleichte Konzept setzen wird.
/ Andreas Sebayang
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Samsungs Chromebook hat ein Google-Logo (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Samsungs Chromebook hat ein Google-Logo Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Mit Samsungs Series 5 Chromebook steht eines der ersten Notebooks in den Läden, die mit Googles Chrome OS ausgeliefert werden. Das 12-Zoll-Notebook ist mit einem typischen Netbook-Innenleben ausgestattet und vor allem von einer guten Netzwerkverbindung abhängig. Im Test haben wir uns angeschaut, wie das Konzept eines Immer-online-Notebooks mit Webanwendungen in der Praxis mittlerweile funktioniert. Immerhin arbeitet Google schon seit Jahren an seinem Browserbetriebssystem.

Samsung Chromebook Series 5 - Test
Samsung Chromebook Series 5 - Test (03:12)

Hardwareausstattung

Bestimmte Komponenten fallen bei einem Onlinegerät wie dem Chromebook einfach weg. Üppigen Festplattenspeicher gibt es nicht, die interne SSD fasst nur 16 GByte. Zusätzlicher Speicherplatz kann über den SD-Kartenschacht hinzugefügt werden. Technische Details verbirgt Chrome OS so weit es geht. Als Prozessor kommt in Samsungs Gerät Intels Atom N570(öffnet im neuen Fenster) zum Einsatz. Die CPU bietet zwei Kerne à 1,66 GHz sowie Hyperthreading und kann auf 2 GByte RAM zurückgreifen. Um die Grafik kümmert sich Intels integrierter Grafikchip GMA 3150.

Für die Netbookhardware des Chromebooks erstaunlich ist das verbaute WLAN-Modul. Es unterstützt 802.11a/n (5 GHz) und 802.11b/g/n (2,4 GHz). Einen Ethernet-Anschluss hat das Chromebook nicht. Dafür gibt es ein optionales 3G-Modem.

Display kann Sonnenlicht nutzen

Der 12-Zoll-Bildschirm hat eine Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln und ist matt - auch nicht unbedingt Standard in dieser Preisklasse - und erreicht laut Samsung eine Helligkeit von 300 Candela pro Quadratmeter. Wir können zumindest bestätigen, dass sich das Chromebook auch im Freien bei direkter Sonneneinstrahlung gut nutzen lässt. Bei Bedarf kann der Anwender die Displaybeleuchtung auch komplett abschalten. Wenn die Sonne im richtigen Winkel auf das matte Display trifft, hat der Nutzer ein recht klares Bild vor sich. Es ist allerdings grünstichig, so dass es sich in vielen Fällen lohnt, trotz strahlender Sonne die Displaybeleuchtung hinzuzuschalten. Der Lichtsensor sorgt dafür, dass das Display immer eine passende Helligkeit hat. Die automatische Helligkeitsumstellung ist mitunter etwas hektisch, aber gerade noch im akzeptablen Bereich.

Verbaut wurde ein TN-Panel, das einen vergleichsweise großzügigen Einblicksbereich bietet. Wer von oben in steilen Winkeln darauf schaut, muss aber mit invertierten Farben rechnen.

Per USB können beispielsweise Datenträger angeschlossen werden. Hinzu kommt der schon erwähnte SD-Kartenschacht. Wird ein Datenträger eingesteckt, erscheint automatisch ein Tab im Browser. Diese Anzeige ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn sie ähnelt der von FTP-Servern in Browsern und nicht der eines gewöhnlichen Dateimanagers. Dementsprechend hakelig ist das Hantieren mit Dateien. Das Bewegen von lokalen Dateien auf einen Datenträger ist beispielsweise nicht vorgesehen. Für die Screenshots mussten wir diese erst in den Google-Dienst Picasa hochladen, um anschließend auf einem anderen Rechner sie zu bearbeiten. Verwundert hat uns, dass es uns nicht gelingen wollte, ein Google Nexus One mit dem Chromebook zu verbinden. Chrome OS meldet zwar den Scan eines Datenträgers, zeigte aber nichts weiter an, obwohl sich das Smartphone als Wechseldatenträger meldet.

Schwierige Touchpad-Treiber und Gastzugang

Ein Drucker muss an die USB-Schnittstellen nicht angeschlossen werden. Gedruckt wird über Google Cloud Print(öffnet im neuen Fenster) , was im Test auch funktionierte. Allerdings braucht ein simpler Druckauftrag mehrere Minuten. Das Chromebook schickt diesen an den Dienst, der sich damit wiederum bei einem lokalen Chrome-Browser meldet, welcher dann den Druckauftrag zu einem lokalen Drucker schickt.

Einen VGA-Ausgang gibt es nur per Dongle. Unserem Testgerät lag leider keiner bei, so dass wir nicht ausprobieren konnten, wie sich das Chromebook mit einem externen Bildschirm verhält. Die Anschlüsse sind zum Teil hinter Staubschutzklappen versteckt, was gut zum Design des Geräts passt.

Ein Schacht ist für eine SIM-Karte vorgesehen. Vorausgesetzt, das Chromebook hat, wie unser Testmuster, ein 3G-Modem. Nach dem Einstecken muss das System erst neu gestartet werden, sonst wird die SIM-Karte nicht erkannt.

Weitere Informationen zur Ausstattung gibt es im Datenblatt des Chromebook(öffnet im neuen Fenster) . Es sei allerdings angemerkt, dass das Datenblatt an einigen Stellen falsche Bezeichnungen verwendet.

Die Tastatur ist in einer Chiclet-Ausführung verbaut. Das Layout gefällt und die Tasten bieten genug Platz für Vielschreiber. F-Tasten gibt es nicht. Stattdessen wird die F-Tastenreihe beispielsweise Browserfunktionen (Vor, Zurück, Neuladen) oder Notebookfunktionen (Helligkeit, Lautstärke) benutzt. Als Mausersatz gibt es ein Multitouch-Touchpad, das ohne separate Tasten auskommen muss. Das Eingabegerät wird Clickpad genannt und ist von Synaptics. Für einen Tastendruck wird das gesamte Touchpad auf der Vorderseite heruntergedrückt, ähnlich Apples Glastrackpads. Synaptics verspricht eine verbesserte Gestenerkennung mit dem Clickpad gegenüber älteren Touchpads.

Die überzeugt allerdings nicht. In modernen Touchpad-Treibern steckt viel Wissen und die Variante ohne Tasten ist schwieriger für Treiber, da aufliegende Finger als solche interpretiert und ignoriert werden müssen. Beim Chromebook merkt der Anwender recht schnell, dass die Treiber noch nicht ausgereift sind. Es gibt genug Situationen, bei denen die Steuerung kurz hakt, etwa wenn neben dem Zeigefinger auch der Daumen auf dem Touchpad verweilt. Während viele Windows- und Mac-OS-Geräte hier intelligent den Daumen zuverlässig erkennen und auch ignorieren, ist dies beim Chromebook nicht immer der Fall. Es sind nur kleine Aussetzer, aber sie fallen dennoch auf. Besonders nervig ist es, wenn das Trackpad einen Kontextklick durch die Daumenposition vermutet. Kontextklicks werden mit zwei Fingern nebeneinander ausgelöst. Manchmal muss der Nutzer die Hand vom Touchpad nehmen und neu ansetzen. Vor allem ein aufliegender Daumen ist beim Chromebook ein Problem.

Chromebook auch ohne Google-Zugang verwendbar

Bei der Ersteinrichtung fordert das Chromebook die Eingabe eines Google-Kontos. Notwendig ist das aber nicht. Es ist auch möglich, einfach im Gastmodus zu starten. Einige administrative Einstellungen funktionieren dann aber nicht. Ein WLAN lässt sich aber beispielsweise einrichten.

Positiv am Gastmodus ist der Umstand, dass dieser als anonymer Zugang gilt. Laut Google hinterlässt der Anwender keine Spuren auf dem Rechner. Chromebooks sind damit ideal als Gastrechner, die etwa auf Veranstaltungen verteilt werden. Der Administrationsaufwand ist praktisch nicht vorhanden und viel kaputtgehen kann auch nicht.

Sinnvoller ist natürlich die Nutzung des Chromebooks mit einem Google-Zugang. Nach der Anmeldung im System stehen dann alle Google-Dienste ohne weitere Anmeldung zur Verfügung. Hier ist eine Datenverbindung bei der ersten Verbindung zwingend notwendig. Danach funktioniert der Zugang auf dem Chromebook aber auch ohne Verbindung mit dem Internet, um beispielsweise Daten auf einem USB-Stick anzuschauen. Leider ist das sehr beschränkt, da Chrome OS viele Dateitypen nicht kennt. Die Möglichkeit haben auch Gäste, sofern der Gastzugang erlaubt ist.

Der Besitzer eines Chromebooks hat diverse Kontrollmechanismen. So kann die Gastnutzung unterbunden werden, 3G-Roaming aktiviert und die Benutzung auf bestimmte bekannte Anwender eingeschränkt werden.

Anwendungen sind meist nur Bookmarks

Die Anwendungen lassen sich eigentlich sehr schnell zusammenfassen. Was es im Internet gibt, gibt es auch als Anwendung fürs Chromebook. Im Chromebook-Webstore gibt es beispielsweise die herunterladbare Anwendung Facebook. Sie ist aber nichts weiter als ein Bookmark auf die Webseite des sozialen Netzwerks. Andere Anwendungen sind fürs Chromebook angepasst worden. Dazu gehört das Spiel Angry Birds, das einen Teil der Daten auf das Chromebook lädt und sogar offline ein Spiel zulässt.

Apps sind nicht als Tabs, sondern als Minianwendungen umgesetzt. So gibt es etwa Google Talk als überblendbares kleines Fenster. Zu sehen ist nur der kleine Rahmen, ein Klick darauf fährt den Instant Messenger hoch, der nur einen kleinen Teil des Bildes einnimmt. Auch das Scratchpad ist so aufgebaut. Nebeneinander passen mehrere dieser Anwendungen, die nur bei Bedarf eingeblendet werden.

Chrome-OS-Eigenarten

Googles Browser Chrome ist de facto das Einzige, was der Anwender vom Betriebssystem sieht. Nur an sehr wenigen Stellen findet der Nutzer klassische Merkmale eines Betriebssystems. Am ehesten ist dies am Login-Dialog zu sehen. Sobald sich der Nutzer angemeldet hat, sind aber eigentlich nur noch der Browser und seine Tabs zu sehen, die zum Teil Betriebssystemfunktionen übernehmen.

Zwischen Anwendungen wird über die Tabs gewechselt. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Taskmanager. Dieser ist als eigenes Fenster zu sehen, das zudem immer über allen anderen liegt. Dort sieht der Anwender, welche Tabs wie viel Prozessorlast oder auch wie viel Netzwerklast auslösen.

Schon ein Klick auf die Schaltfläche für Statistiken öffnet aber schon wieder ein Tab mit dem Namen about:memory . Das kennen Chrome-Benutzer bereits.

Die ganze Systemkonfiguration findet ebenfalls in Browsertabs statt. Ausnahmen gibt es in Form kleiner Icons rechts oben für Uhrzeit, Akkuanzeige und Netzwerkverbindungen. Letzteres zeigt auch an, ob gerade HSPA zur Verfügung steht. Die Schlichtheit erinnert doch sehr an die Anzeige auf Smartphones.

Nach einem Neustart des Systems werden in der Standardeinstellung übrigens alle Tabs wieder geöffnet. Das kann mitunter etwas Zeit beanspruchen, vor allem wenn die Netzverbindung nicht die schnellste ist. Letztendlich ist das aber sehr praktisch, da alle geschlossenen Anwendungen so wieder erscheinen.

Das hat jedoch den Nachteil, dass etwa Youtube-Videos automatisch nach einem Neustart anfangen, Ton von sich zu geben. Wer das verhindern will, muss über about:flags die Option Click-to-Play aktivieren und dann in den Einstellungen (Details, Inhaltseinstellungen) ebenfalls für das Plugin aktivieren.

3G-Modem ist schnell einsatzbereit

Interessant ist die Funktion der Wiederaufnahme von Mobilfunkverbindungen (WWAN) sowie das automatische Umschalten zwischen WLAN und WWAN. Ist ein bekanntes WLAN in der Nähe aufgespannt, bleibt das Modem in Bereitschaft. Fällt das WLAN weg, weil es außerhalb der Reichweite ist, schaltet das Gerät automatisch auf WWAN um. Der Nutzer bekommt von dieser Umschaltung nur in seltenen Fällen etwas mit. Laufende Downloads werden beispielsweise gestoppt und nicht automatisch wieder aufgenommen. Das ist bei anderen Betriebssystemen aber auch nicht anders.

Anders ist hingegen die Standardeinstellung, sich nach Möglichkeit sofort mit einem Mobilfunknetz zu verbinden. Die Geschwindigkeit des Modems fällt positiv auf und damit ist nicht die Datenrate, sondern die Reaktionszeit gemeint. In Tests baute das Samsung Chromebook in 15 bis 18 Sekunden eine Netzwerkverbindung auf. Wer empfehlenswerterweise nach einem Standby das Google-Passwort nochmal abfragen lässt, hat beim Einloggen durchaus Mühe, schneller zu sein.

Dementsprechend macht das kurze Arbeiten, beispielsweise in einem Zug, viel Spaß. Aufklappen, fünf Minuten arbeiten, zuklappen, umsteigen und wieder aufklappen - das war in unserem Test kein Problem. Zu Verlusten in Textdokumenten, die gerade in Google Docs in Bearbeitung waren, kam es nicht. Zudem sperrt Google Docs die Bearbeitung, wenn gerade keine Verbindung da ist. Wir gehen aber dennoch davon aus, dass genau solche Arbeit nicht ganz unkritisch ist und mahnen zur Vorsicht. Alle Worst-Case-Szenarien waren in der Praxis nicht durchtestbar.

Zuverlässiges Modem im Alltag

Das Modem arbeitet an kritischen Stellen sehr zuverlässig. Es gibt in Berlin einige Bereiche, bei denen das Handover von Mobilfunkzelle zu Mobilfunkzelle nicht immer klappt. Mitunter sind sogar Smartphones von Aussetzern betroffen. Einfahrten in Tunnelmündungen wie am Berliner Nordbahnhof (Nordsüd-S-Bahn-Tunnel), wo das Modem vom HSPA-Betrieb auf den 3G-Betrieb beim Zellenwechsel umschalten muss, sorgen bei uns immer für Unterbrechungen. Samsungs Modem GT-Y3300X und der dazugehörige Treiber meisterten diese Stelle mit einem nur kurz störenden Aussetzer. Google Talk war allerdings ein Beispiel für eine Anwendung, die mit einem solchen Handover länger ausgefallen ist. Auch ein Neustart der Webanwendung brachte zunächst nichts.

Auch in der Berliner U-Bahn (U12), dort gibt es nur GPRS/Edge, verhielt sich das Modem besser als viele andere Geräte. Google-Anwendungen waren wider Erwarten benutzbar. Diese waren zwar spürbar langsamer, aber immer noch im akzeptablen Bereich.

Im Mobilfunkbetrieb kann Samsungs Chromebook bei der Reaktionsgeschwindigkeit in einer Großstadt mit dem WLAN-Modus fast mithalten. Das setzt allerdings einen guten Netzbetreiber voraus. Und selbst wenn die Verbindung schlecht ist, lässt sich immerhin noch mit dem Gerät arbeiten.

Was uns am Modem fehlt, ist ein Zähler, der das benutzte Volumen auflistet. Eine Flatrate ist bei der Nutzung eines Chromebooks aber ohnehin Pflicht.

Und was macht der Anwender ohne Netzverbindung?

Ein Ausfall der Netzverbindung ist für einen Chromebook-Nutzer fast eine Katastrophe. Es funktioniert dann nämlich gar nichts mehr, vor allem in der Anfangsphase. Es ist zwar möglich, Dokumente auf der SSD oder einer SD-Karte abzulegen, aber ohne Google Docs lassen sich nur wenige Dateitypen öffnen. Um es etwas spitzer zu formulieren: Ohne WLAN und WWAN ist das Chromebook nicht viel mehr als ein batteriebetriebener SD-Kartenleser mit Display. Fotos lassen sich beispielsweise anschauen, solange sie nicht im Rohdatenformat, sondern als *.jpg vorliegen.

Im Offlinemodus sind die gesamten Google-Apps derzeit nicht verwendbar. Offlineversionen sind aber geplant . Der Kalender oder Google Mail laden beispielsweise leider nicht einmal aus dem Cache Termine beziehungsweise E-Mails. Die Onlinebindung geht sogar so weit, dass selbst die Anleitung für das Chromebook ohne Netzanbindung nicht erreichbar ist. Eine Ausnahme ist das bereits erwähnte Spiel Angry Birds, das in seiner derzeitigen Betaversion auch offline spielbar ist.

Diesen klaren Nachteil zu kritisieren fällt dennoch schwer, schließlich ist es Teil des Konzepts und Offlineapplikationen auf Basis von HTML5 sind noch rar. Das aber dürfte nur eine Frage der Zeit sein, so dass davon auszugehen ist, dass auch Google Mail und Docs sowie andere Web Apps künftig ohne Internetverbindung sinnvoll zu verwenden sind. Der Vorteil an dieser Herangehensweise besteht in einem extrem pflegeleichten System.

Recovery

Bei der Ersteinrichtung wird zugleich auch der Besitzer des Chromebooks bestimmt. Dieser kann erweiterte Konfigurationen vornehmen. Wir mussten ein Recovery durchführen, da der Vorbesitzer keine Möglichkeit hatte, beim Testmuster den Besitzer neu zu definieren.

Unten im Gehäuse befindet sich ein Schalter, der den Modus für die Wiederherstellung auslöst. Zum Drücken bedarf es einer Büroklammer, da der Schalter hinter einem kleinen Loch sitzt. Für die Wiederherstellung muss dieser sowie die Anschalter gedrückt werden. Allerdings gibt es kein Recovery-Image auf der SSD des Chromebooks.

Das muss erst einmal heruntergeladen werden. Der Prozess ist aber recht einfach. Google hat eine Anleitung samt Installationsprogramm(öffnet im neuen Fenster) für Windows- und Mac-OS-Nutzer veröffentlicht. Über diese Betriebssysteme lässt sich einfach ein Google-Chrome-Image erstellen. Eine Anwendung wird heruntergeladen, die Chrome OS herunterlädt und auf einen USB-Stick spielt.

Nachdem der Stick eingesteckt wurde, ist das neue System in rund 5 Minuten installiert und das Chromebook wie neu.

Flottes Chromebook mit Ruckeleinlagen

Googles Chrome OS beweist eindrucksvoll, dass auch Netbookhardware sehr schnell sein kann. Der Browser und die Webanwendungen reagieren in der Regel fix. Natürlich ist Chrome auf einem Desktop oder vollwertigen Notebook schneller. Und auch richtige Anwendungen arbeiten fixer als die Webanwendungen. Solange die Internetverbindung schnell ist, lässt sich aber gut damit arbeiten.

Für alle Anwendungen ist das Chromebook nicht geeignet. Wir haben uns per Youtube einige HD-Videos angeschaut. 720p-Videos lassen sich im Flash-Player noch gerade so anschauen. Bei 1080p-Videos fängt das Bild aber an, Aussetzer zu bekommen. Ein Blick in den Taskmanager zeigt eine CPU-Auslastung von 300 Prozent und mehr, nur für den Flash-Player. Beide Kerne mit ihren jeweils zwei Threads werden also nahezu ausgelastet.

Für diverse Webdemos ist das Chromebook anscheinend ebenfalls nicht gut genug ausgestattet. Das HTML5-Spiel Emberwind von Erik Möller , einem Opera-Entwickler, stürzte regelmäßig nach dem Start ab. Auch einige Mozilla-Demos(öffnet im neuen Fenster) waren entweder sehr langsam oder brachen beim Start ab.

Abschalten mit visuellen Effekten

Visuell sehr hübsch ist die Art und Weise, wie bei Chrome OS das Abschalten des Betriebssystems dargestellt wird. Wer auf den Ausschalter drückt, sieht, wie sich der Bildschirm erst zusammenzieht und anschließend der Nutzer ausgeloggt wird. Wer noch länger drückt, sieht den Login-Bildschirm sich zusammenziehen, ehe das System heruntergefahren wird. Beide Animationen dauern jeweils etwa eine Sekunde und können durch das Loslassen jederzeit unterbrochen werden. Wer versehentlich den Ausschalter drückt, kann dank der visuellen Rückmeldung reagieren und den Vorgang damit abbrechen. Bis das System heruntergefahren ist, vergehen etwa 5 Sekunden.

Das Booten ist ähnlich schnell: 9 Sekunden dauert es bis zum Login-Bildschirm. Je nach Komplexität des eigenen Passworts müssen noch einmal ein paar Sekunden für das Anmelden hinzugerechnet werden.

Akkulaufzeiten und Lautstärke

Wir konnten für den Test keine vollständigen Akkulaufzeittests machen, da wir uns auf das Benutzen des Chromebooks konzentriert haben. Wir können also nur die Schätzungen des Betriebssystems wiedergeben, die jeweils von uns in verschiedenen Situationen beobachtet wurden. Im Rahmen des Praxistests erschienen uns die gemeldeten Laufzeiten aber realistisch. Im WLAN-Betrieb sind gute 7 bis 8 Stunden möglich. Im 3G-Betrieb reduziert sich das auf etwa 5 bis 6 Stunden. 3G-Modems sind wahre Akkufresser, das ist auch beim Chromebook nicht anders. Allerdings sind 5 bis 6 Stunden für diese Gewichts- und Größenklasse ordentlich. Wer häufiger Flashinhalte anschaut, muss mit deutlich reduzierten Laufzeiten rechnen. Etwa 4 Stunden sind es nur noch beim Anschauen von Youtube-Videos im WLAN-Betrieb.

Der Akku ist fest verbaut, der Anwender kann die Laufzeit also nicht verlängern.

Rund 1,5 kg wiegt das Chromebook und ist mit 24 mm inklusive der Gummifüße angenehm flach gebaut. Die Gummifüße des Chromebooks finden wir etwas übertrieben, fast 4 mm gehen allein auf Kosten der Füße. Da hätte auch die Hälfte gereicht. Insbesondere, da in dem Gerät keine stoßempfindliche Hardware steckt. Es wirkt subjektiv dennoch sehr dünn, da in der Regel an Stellen gegriffen wird, die 20 mm dick sind. Die Fertigungsqualität überzeugte uns nicht so sehr, ist aber angesichts des Preises von unter 500 Euro in Ordnung. Der Deckel ist etwas zu locker und das Gerät knarzt ein wenig.

Netbookhardware ist in der Regel sehr leise und in diese Riege gehört eigentlich auch Samsungs Chromebook. Doch leider steckt ein surrender Lüfter in dem Gerät, der die ganze Zeit läuft, auch wenn der Rechner nichts zu tun hat. Dabei wird Samsungs Gerät nur sehr selten überhaupt so warm, dass es gekühlt werden müsste.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Samsung Series 5 Chromebook ist bereits verfügbar und kostet in der WLAN-Variante rund 400 Euro. Das 3G-Modell sollte eigentlich 450 Euro kosten, ist aber derzeit nicht zu bekommen. Ohnehin hat es den Anschein, als sei Amazon der einzige Händler, der hierzulande Samsungs Chromebook anbietet.

Fazit

Wer Interesse an einem Chromebook hat, sollte nicht den Fehler machen und denken, es wäre ein Notebookersatz. Zudem sollte er sichergehen, dass er in seinem Arbeitsumfeld auch wirklich immer eine gute Netzanbindung hat. Für die Wifi-Variante ist zumindest in Deutschland die Infrastruktur noch lange nicht gut genug ausgebaut und wir würden ganz klar von diesem Modell abraten. Ein Chromebook ist nur mit einem 3G-Modem und einem Mobilfunkvertrag sinnvoll einsetzbar. Dann klappt's auch mit dem Internet - fast überall. Selbst innerhalb der meisten Länder des Schengen-Raums ist die Nutzung bezahlbar, da hiesige Anbieter mittlerweile akzeptable Roamingtarife anbieten.

Der Anfang für ein neues Arbeitskonzept ist mit dem Chromebook da und überzeugt bereits in großen Teilen. Ein bisschen früh dran ist Google dennoch, das merkt der Anwender etwa an dem Umstand, dass das Drucken über Cloud Print noch als Beta gekennzeichnet ist und Offlineapplikationen praktisch komplett fehlen. Viele Arbeiten lassen sich dennoch bereits gut auf einem Chromebook durchführen. Wer ohnehin experimentierfreudig ist und kein Problem damit hat, sich innerlich auf die neue Arbeitsweise umzustellen, sollte sich zumindest mal ein paar Stunden mit einem Chromebook beschäftigen. Ein Teil der Anwender wird in Zukunft diesem pflegeleichten Konzept folgen.

Besonders gefallen hat uns die Hardwareausstattung trotz des niedrigen Preises. Ein mattes und sehr helles Display, das zudem direkte Sonneneinstrahlung nutzen kann, Dual-Band-WLAN und ein 3G-Modem sind vorbildlich und zeigen, dass das Chromebook für unterwegs sehr gut ausgestattet ist. Diese Kombination gibt es sonst nur bei sehr teuren Businessnetbooks, wie etwa dem von uns getesteten HP Mini 5103 .

Chromebooks sehen wir abseits der Einzelanwendung noch in einem anderen Bereich als gute Alternative. Gastrechner, die nur zum Surfen verwendet werden, lassen sich schnell verteilen. Alles, was gemacht werden muss, ist, das WLAN-Passwort einzurichten. Und sollte doch einmal etwas kaputtgehen, ist das Chromebook nach ein paar Minuten neu installiert und eingerichtet.


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