Razer Hydra ausprobiert: Bewegungssteuerung für PC-Spieler

Einfach den Arm ausstrecken - und gleichzeitig damit verlängert sich auch der Strahl in den Bildschirm hinein, der in Portal 2 eine Kiste festhält. Das war der Moment, den wir beim Ausprobieren der Bewegungssteuerung Hydra am spannendsten fanden. Das System von Razer ist auf den ersten Blick die PC-Konkurrenz für Nintendos Wii , Move auf der Playstation 3 und Xbox 360 Kinect . Im Grunde unterscheidet sich Hydra aber doch stark von den beiden Eingabesystemen für Konsolen. Zum einen hält der Spieler zwei Controller in der Hand - beide erinnern entfernt an den Nunchuk, den Zusatzcontroller für die Wii. Zum anderen arbeitet das Eingabegerät, das Razer zusammen mit Sixense Entertainment entwickelt hat, extrem präzise: Bewegungen von einem Millimeter und Drehungen von einem Grad kann es erfassen.

Hydra erfasst die Bewegungen der beiden kabelgebundenen Controller über ein Magnetfeld. Das stammt aus einer kleinen, grün leuchtenden Kunststoffkugel, die eine Art magnetische Kugel mit einem Durchmesser von ungefähr drei Metern um sich herum aufbaut. In diesem Feld muss auch der Spieler sitzen; ob sich die Kugel vor oder neben ihm befindet, ist egal - allerdings müssen die Controller vor der Verwendung auf ihre Position hin kalibriert werden.


Das künstliche Magnetfeld ist nach Angaben von Razer rund 20-mal schwächer als das der Erde - der Kompass eines probehalber direkt an die Hydra-Kugel gehaltenen Smartphones hat nicht darauf reagiert. Allerdings ergab sich dadurch ein anderes Problem: Der ebenfalls innerhalb des Feldes aufgebaute, recht große Flachbildschirm hat mit seinem Magnetfeld so sehr gestört, dass wir am kleineren Notebookdisplay spielen mussten - das dann allerdings ohne irgendwelche Schwierigkeiten.
Helipiloten haben Vorteile
Razer liefert die Hydra mit einer Vollversion von Portal 2 aus, die einige von Valve entwickelte zusätzliche Levels enthält, die speziell auf die Möglichkeiten des Systems zugeschnitten sind. Die ersten Schritte mit der ungewohnten Bedienung in der Spielewelt sind noch ein bisschen wackelig. Das Ganze erinnert leicht an die Art und Weise, wie ein Pilot einen Helikopter steuert: Mit Bewegungen der einen Hand bestimmt er den Weg, mit der anderen die Blick- und vor allem Ausrichtung. Ein leichtes Emporziehen mit der Hand genügt, und schon macht die Spielfigur einen Sprung. Eine kurze Nach-unten-Bewegung reicht, schon duckt sie sich.


Was mit Hydra funktioniert, und mit Maus oder gängigen Konsolencontrollern eben nicht, ist das eingangs erwähnte Ausstrecken der Hand. Damit lassen sich Kisten auch in die Tiefe des Bildschirms hineinbewegen, was in Portal 2 ganz neue Puzzles ermöglicht. Ebenfalls nur mit Hydra ist es möglich, ein einmal platziertes Dimensionstor auch auf größere Entfernung hin zu "ergreifen" und es dann beliebig zu drehen, zu verschieben und neu an der Wand zu befestigen.
Nach einer kurzen Gewöhnungsphase funktioniert das ganz gut - wobei wir teils doch froh waren, auf die direkt am Controller angebrachten Analoysticks und die vier Schalter zurückgreifen zu können, die etwa Shortcuts für Sprünge erlauben. Allerdings scheint es auf Dauer schon recht anstrengend zu sein, mit Hydra zu spielen, denn zum einen sind immer beide Hände und Arme in Bewegung, zum anderen ist der Koordinationsaufwand vergleichsweise hoch.
Das System bietet über ein komfortables Windows-Menü jede Menge Möglichkeiten, die Steuerung an die persönlichen Vorlieben anzupassen. Auch Filter, die dafür sorgen, dass nicht jede Minimalbewegung gleich am Bildschirm ausgeführt wird, sind enthalten. Außerdem liefert Razer rund 130 Profile(öffnet im neuen Fenster) für andere PC-Spiele mit, darunter die letzten paar Call of Duty -Teile.
Razer Hydra ist vereinzelt bereits jetzt im deutschen Handel für rund 150 Euro zu finden. Regulär und in größeren Stückzahlen erscheint das System nach Angaben des Herstellers zwischen Mitte und Ende Juli 2011.



