Fujitsu Q550 im Test: 10-Zoll-Tablet-PC mit mattem Bildschirm und Wechselakku

Fujitsu ist kein Neuling bei Tablets. Der Hersteller bietet schon seit Jahren Tablet-PCs an, sowohl in Convertible- als auch in Slate-PC-Ausführung. Das von uns getestete Stylistic Q550 ist dennoch etwas Neues. Fujitsu versucht den Spagat zwischen professionellen und schweren 12-Zoll-Slates der Stylistic-Serie und dem kompakten 10-Zoll-Formfaktor typischer Endkundentablets. Der Profi bekommt also ein schön handliches Gerät, oder andersherum: Der Endanwender bekommt mit dem Q550 ein kleines Windows-Tablet mit einer sehr außergewöhnlichen Ausstattung.

Grundbedingungen für einen Tablet-PC werden erfüllt
Ein Tablet ist nicht unbedingt ein Tablet-PC, auch wenn die Marketingabteilung einiger Hersteller gerne Android-Tablets als Tablet-PCs verkauft. Fujitsus Stylistic Q550 gehört aber auf jeden Fall zu den Tablet-PCs, auch wenn es vom ersten Aussehen eher einem typischen Tablet ähnelt. Mit einem Digitizer wird der Touchscreen um eine präzise Bedienungsoption ergänzt und Windows liefert die für Tablet-PCs notwendige Handschriftenerkennung.












Der Digitizer samt Stift stammt von N-Trig und nennt sich Duosense . Diesen setzt Fujitsu bereits beim 10-Zoll-Convertible Lifebook T580 ein . Auch beim HTC Flyer gehen wir davon aus, dass N-Trig-Technik benutzt wird . Beim Flyer werden aber nicht alle Funktionen unterstützt, da Android für die Stiftbedienung kaum angepasst ist. Der Stift wird mangels Energieübertragung vom Panel also per Batterie mit Strom versorgt. Es kommt eine nicht ganz gebräuchliche AAAA-Batterie(öffnet im neuen Fenster) (LR8/LR61, Minizelle) zum Einsatz.
Druckempfindlicher Stift mit Schwächen
Der Stift ist prinzipiell druckempfindlich. Je stärker der Nutzer beim Schreiben aufdrückt, desto dicker sind die Linien. In der Praxis haben es N-Trig-Nutzer jedoch schwerer als Nutzer eines Wacom-Stifts. Nicht alle Anwendungen unterstützen die Druckempfindlichkeit bei N-Trig-Stiften, die normalerweise das InkAPI nutzen. Anwendungen, die auf das Wintab-API von Windows setzen, erkennen den Stift nicht vollständig. N-Trig bietet optional einen Wintab-Treiber an. Dann sollen theoretisch auch Artweaver, Corel Painter, Gimp und Photoshop Druckempfindlichkeit interpretieren. Die Wintab-Programme Painter 12 und Photoshop stürzten nach der Installation der N-Trig-Erweiterung jedoch ab und auf Gimp und Artweaver hatte die Erweiterung keine Auswirkung.
Nur das Windows Journal und Artrage waren in der Lage, vom Druck abhängige Linien zu zeichnen. Die beiden Programme arbeiten in der Regel auch bei Problemen mit Wacom-Treibern noch korrekt.












Für den Stift gibt es leider keinen Schacht im Q550. Entweder wird er so mitgenommen oder per Schlaufe an einer Öse befestigt und baumelt samt Schnur herunter. Beides ist nicht ideal und verlangt nach Zubehör.
Neben der Stiftbedienung bietet das Q550 auch einen kapazitiven Touchscreen. Maximal vier Finger interpretiert N-Trigs Duosense-Digitizer. Der Touchscreen ist recht empfindlich. Als wir die Oberfläche mit einem Displayreiniger leicht besprühten, kam es zu einer Interpretation von Signalen. Bei anderen Touchscreens haben wir das bisher nicht beobachtet.
Sehr praktisch ist N-Trigs optionaler Automode. Kommt der Stift in Reichweite des Displays, wird die Interpretation des Touchscreens so lange abgeschaltet, bis der Anwender mit dem Finger einen Doppeltipp durchführt. Das verhindert sogenanntes Vectoring, also versehentliches Verschieben des Mauscursors, wenn der Handballen vor dem Stift das Display erreicht. Windows 7 besitzt leider keine intelligente Handballenerkennung, obwohl das Betriebssystem für Touch optimiert wurde. Aufgrund des langsamen Prozessors muss der Nutzer in der Praxis jedoch häufiger das Display antippen. Wacom-Digitizer der Konkurrenz mit Touchscreen bieten diese Option mittlerweile auch. Allerdings hat sich nicht jeder Hersteller mit Wacom-Hardware entschieden, diese Option mit in die Treiber zu integrieren.
Versenkte Tasten
Einige Tasten erlauben die Nutzung wichtiger Funktionen unter Windows. Sie sind leicht versenkt, so dass ein versehentliches Drücken der Tasten beim Halten nahezu ausgeschlossen ist. Wer sich an herkömmliche Tablets gewöhnt hat, muss umdenken: Eine Taste ist beispielsweise für den Aufruf der virtuellen Tastatur zuständig. Eine andere entspricht der für Tablet-PCs obligatorischen Tastenkombination Strg+Alt+Entf. Die dritte Taste lässt den Bildschirminhalt rotieren.
Glücklicherweise verzichtet Fujitsu in der Standardeinstellung darauf, per Lagesensor die Ausrichtung zu bestimmen. Bei anderen Windows-Tablets nervt das schnell, da bei leicht gekippter Haltung manchmal mehr als 10 Sekunden gewartet werden muss, bevor das Tablet wieder korrekt ausgerichtet ist. Wer will, kann die Funktion aber dennoch aktivieren. Während die Tablet-PC-Tasten vorhanden sind, fehlt seltsamerweise eine Lautstärkewippe. Zwei Schiebeschalter sind für das An- und Ausschalten des Systems und der drahtlosen Module zuständig.
Ausstattung lässt fast keine Wünsche offen
Das Display des 10-Zoll-Geräts gehört zu den langsam selten werdenden 16:10-Displays mit einer Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln. Viel Raum für Windows also. Ein IPS-Panel sorgt für gute Einblickwinkel. Zudem verspricht ein Helligkeitswert von 400 Candela pro Quadratmeter Tauglichkeit für den Außeneinsatz. Da das Display matt ist, wird ein Teil der Helligkeit nicht zum Überblenden der Spiegelungen gebraucht. Übrigens blendet das Display durchaus. Vor allem abends sollte tunlichst darauf geachtet werden, dass das Q550 nicht zu hell eingestellt ist. 400 cd/qm schmerzen ziemlich, wie wir feststellen mussten. Ein Helligkeitssensor fehlt leider.
Auf einen Lüfter hat Fujitsu beim Q550 verzichtet. Das Gerät arbeitet dadurch unhörbar, wird aber durchaus warm – was sich dabei aber in Grenzen hält.
Wie es sich für ein Businessgerät gehört, ist WLAN als Dual-Band-Ausführung dabei (802.11a/n und 802.11b/g/n). Ein Mobilfunkmodem gibt es in einigen Modellen. Unser Testmuster hatte jedoch keines. Wir konnten aber immerhin den SIM-Karten-Schacht ausprobieren, der trotzdem vorhanden war. Der befindet sich im Schacht des Akkus.
Demzufolge ist der Akku entnehmbar. Wer will, kann mit einem Zweitakku die Laufzeit verdoppeln. Sehr ungewöhnlich für diesen Formfaktor sind ein Fingerabdruckleser sowie ein Lesegerät für Smart Cards. Hier ist dem Q550 anzumerken, dass es von der Stylistic-Serie abstammt. Zudem gibt es einen proprietären Dockanschluss, USB 2.0, HDMI und zwei Kameras.












Als Betriebssystem kommt Windows 7 in der Professional-Ausführung zum Einsatz. Fujitsu spart zum Glück nicht am Arbeitsspeicher, der 2 GByte groß ist. Die SSD ist mit 32 GByte sehr knapp bemessen. Als Hauptprozessor wird einer der seltenen Atom-Chips der Z-Serie eingesetzt. Es handelt sich dabei um einen Atom Z670(öffnet im neuen Fenster) mit 1,5 GHz und Hyperthreading. Es ist ein Ein-Kern-Prozessor mit einem TDP-Wert von nur 3 Watt. Als Grafikkern kommt Intels GMA 600 zum Einsatz.
Bei der Ausstattung zu bemängeln sind die fehlende Festplattenleuchte und der Lautsprecher, der nur sehr bescheidenen und leisen Ton von sich gibt. Alles in allem also ein sehr gut ausgestattetes Tablet mit einem vergleichsweise langsamen Prozessor.
Weitere Informationen gibt es im PDF-Datenblatt des Q550(öffnet im neuen Fenster) . Dort sind auch andere Konfigurationsmöglichkeiten beschrieben.
Lange Ersteinrichtung
Bei der Ersteinrichtung kann der Anwender zwischen verschiedenen Sprachen wählen. Die Entscheidung ist aber endgültig. Windows 7 ist zwar prinzipiell mehrsprachig ausgelegt, eine Umschaltung allerdings nicht vorgesehen. Das geht ohne Tricks nur mit der Ultimate- oder Enterprise-Variante. Fujitsu installiert die Professional-Variante.
Nett ist die Möglichkeit, bei der Ersteinrichtung zu bestimmen, ob das Gerät mit einer oder zwei Partitionen arbeiten soll. In Anbetracht der geringen Speicherkapazität von 32 GByte in unserem Modell haben wir uns allerdings für nur eine Partition entschieden. Die Ersteinrichtung meckert übrigens, wenn kein Netzteil angeschlossen wird. Aus gutem Grund, wie wir feststellten.
Zumindest bei der Ersteinrichtung fällt die geringe Geschwindigkeit des Atom-Prozessors deutlich auf. Mehr als eine Stunde hat es gedauert, bis das Windows-Image bereit war. Danach folgen die üblichen administrativen Aufgaben wie stundenlanges Patchen. Ein Windows-Tablet ist nun einmal kein Android- oder iOS-Gerät, die in wenigen Minuten bereit sind.
Da Fujitsu das Service Pack 1 nicht mitinstalliert, dauert der gesamte Vorgang mehrere Stunden, wenn der Anwender nicht per Hand das SP1 herunterlädt, denn Windows installiert zuvor erst einmal andere Patches. Die Geschwindigkeit der SSD hilft hier überhaupt nicht, da Intels Single-Core-Atom Z670 den Prozess drastisch ausbremst. Schon das Herunterladen von Updates verlangt dem Hyperthreading-Prozessor viel ab.
Falsche Standard-Energie-Einstellungen bremsen das Windows-Tablet massiv aus
Schon beim ersten Nutzen ohne Netzteil fiel auf, dass das Tablet mit zum Langsamsten gehört, was die Golem.de-Redaktion je in den Händen hatte. Damit war der Sinn von Benchmarks in gewissem Maße infrage gestellt, denn die werden mit angeschlossenem Netzteil gemacht.
Der normalerweise mit 1,5 GHz getaktete Prozessor wird im Akkubetrieb auf nur 600 MHz beschränkt. Das lässt sich in den Energieeinstellungen ändern, aber wir staunten nicht schlecht über Fujitsus Entscheidung, im Akkubetrieb nicht einmal genug Leistung für den Touchscreen- und Digitizertreiber zur Verfügung zu stellen. Aber selbst bei 1,5 GHz folgt der Mauscursor mit sichtbarer Verzögerung den Stiftbewegungen. In Lastsituationen reagiert das System verzögert auf Fingerbedienungen. Da ist der Stift besser. Gelegentlich kommt es zudem vor, dass der Anwender sekundenlang auf das Kontextmenü warten muss. Auch die von Fujitsu bereitgestellte optionale Touchscreenoberfläche ist zu fordernd für den Prozessor.












In der Praxis zeigt sich noch an einer anderen Stelle, dass der Prozessor zu langsam ist. 720p-Videos, wie etwa aus dem Open-Movie-Projekt Sintel , bringen das Q550 nahe an seine Grenzen. Ruckler gibt es im Windows Media Player schon bei wenigen Hintergrundaktivitäten. Die Ausgabe von hochauflösendem Material über die HDMI-Schnittstelle bleibt damit ausgeschlossen. Geringere Videoauflösungen stellen das System aber nicht vor eine Herausforderung.
Wenn dann noch ein Virenscanner auf dem System läuft, bremst das System das Arbeiten noch weiter aus. In einem Fall erzeugte die laufende Anwendung NtrigOnScreenMenu.exe eine CPU-Last von 20 bis 30 Prozent. Infolgedessen war selbst das Abspielen von SD-Videos nur mit Aussetzern möglich. Sogar die Tonausgabe wurde gestört. Immerhin können die großzügige RAM-Ausstattung und die SSD das Manko des lahmen Hauptprozessors etwas ausgleichen. Der Vergleichbarkeit halber haben wir einige Tests durchgeführt, die dann bestätigten, was wir durch die Praxis vermuteten:
Benchmarks bestätigen schlechte Praxisleistung des Atoms
Die Benchmarks sind mehr oder weniger Idealwerte mit abgeschalteten Diensten. In der Praxis sind diese Werte eigentlich nicht konstant erreichbar. Zu sehr schwankt die Leistungsfähigkeit des Tablet-PCs durch Hintergrundanwendungen, die die CPU belasten. Mit 106,798 Sekunden im Super-PI-Benchmark bei einer Million Iterationen rangiert das Tablet sogar unterhalb des allerersten Netbooks mit Atom-Prozessor . Damals, als der Hype gerade anfing, war noch Intels N270 in Medions Akoya E1210 verbaut. Ein Schritt nach vorne ist der drei Jahre jüngere Z670 in Sachen Rechenleistung nicht. Der Cinebench R10 kommt im xCPU-Test auf nur 750 Punkte und im OpenGL-Test auf gerade einmal 108 Punkte. Das 3DMark-2001-SE-Ergebnis ist mit 1576 Punkten kaum der Rede wert. Das ist zwar eine Verbesserung gegenüber dem Atom Z520 auf fast das Doppelte, aber dennoch nur die Hälfte dessen, was ein Atom-Netbook der ersten Generation mit einem N270 schafft. Spielen ist praktisch ausgeschlossen. Zudem waren bei dem alten Benchmark sogar Grafikfehler auszumachen. Gelegentliches Flackern gab es beim zweiten Spieletest und die dritte Spielszene war mit sekundenlangen Aussetzern gespickt. Das deutet auf Fehler im Grafiktreiber hin.
Akzeptable Akkulaufzeiten durch den Atom-Prozessor
Vermutlich hat sich Fujitsu wegen der Akkulaufzeiten für den sparsamen, aber langsamen Prozessor entschieden. 6 bis 7 Stunden Akkubetrieb sind durchaus realistisch. Mehr als bei dem 100 Gramm schwereren Acer Iconia Tab W500, das wir ebenfalls getestet haben . Acers Iconia ist aber klar als Tablet und nicht als Tablet-PC einzuordnen. Wenn wir die Wahl hätten, würden wir lieber ein wenig Akkulaufzeit einbüßen, dafür aber ordentliche Leistung unterwegs haben. Zwischen dem AMD C-50 und Intels Atom Z670 liegen Welten und der Z670 ist eine Qual.












Das Laden des Akkus dauert erstaunlich lang, da maximal 20 Watt aus dem Stromnetz gezogen werden, trotz 45-Watt-Netzteil. In diesem Fall also mit angeschaltetem Tablet. Im ausgeschalteten Zustand lädt das Q550 nur mit maximal 16 Watt den 38-Wattstunden-Akku auf. Positiv: Es gibt einen Schutz vor unnötigem Laden. Ist der Akku oberhalb von 90 Prozent, wird er prinzipiell nicht aufgeladen.
Mit dem Akku wiegt das Tablet rund 860 Gramm. Mit zwei Händen ist es durchaus gut benutzbar. Wer aber den Stift verwendet, muss zwangsläufig das Tablet einhändig bedienen, was durchaus auf die Handgelenke geht. Der Akku selbst wiegt rund 280 Gramm. Die Akkus besitzen eine LED, die mit verschiedenen Farben den Ladezustand anzeigt.
Verfügbarkeit und Fazit
Fujitsu Stylistic Q550 ist in einigen Varianten bereits verfügbar. In der von uns getesteten Variante kostet es rund 650 Euro. Rund 800 Euro sind es bei dem Modell mit 62-GByte-SSD. Die UMTS-Modelle sollen erst Ende Juli 2011 auf den Markt kommen. Für das Modem werden nach derzeitigen Händlerpreisen etwa 150 Euro Aufpreis fällig.
Fazit
Eigentlich hat das Tablet alles, was sich ein Anwender mit Anspruch an der Ausstattung von so einem Gerät wünschen kann. Gutes Display, lange Laufzeit, fixe SSD und sogar richtige Stiftbedienung. Also ein richtiger Tablet-PC in der Größe von Consumer-Tablets. Ein Businessgerät, das man sich durchaus auch als Privatgerät vorstellen kann.
Das größte Ärgernis des Stylistic Q550 ist aber der Prozessor. Der mag zwar schön stromsparend sein, aber der Atom Z670 versetzt den Anwender in die Anfangszeiten von Netbooks, als Windows XP gerade noch schnell genug war für den Prozessor. Mit Windows 7 und dem Z670 macht die Arbeit wirklich wenig Spaß. Schon ein paar parallel geöffnete Anwendungen nerven den Anwender.
Für einige Ärgernisse ist auch Windows selbst verantwortlich. Bestimmte Betriebssystemelemente sind mit dem Finger schwer zu treffen und Windows besitzt auch keine intelligente Interpretation von Fingerbewegungen.
So kann von dem Tablet generell nur abgeraten werden. Es ist ein Geschäftskundengerät für sehr spezielle Zwecke und kann nur dort seine Stärken durch Ausstattung, Windows-Kompatibilität und lange Laufzeit ausspielen. Vorausgesetzt die Software, die beispielsweise Firmen für eigene Zwecke für dieses Gerät entwickeln, fordert nicht zuviel Rechenleistung von dem Atom Z670.
Mit einem schnelleren Prozessor wäre Fujitsus Q550 eines der besten Windows-Tablets, die es gibt. Bleibt die Hoffnung, dass irgendwann einmal ein solches Gerät auf den Markt kommt.



