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Mac OS X 10.7 Lion im Test: Schieben statt scrollen

Mac OS X wird mit der Version 10.7 alias Lion runderneuert. Im Unterschied zu Snow Leopard ändert sich mit Lion auch für Nutzer vieles, wie Golem.de im Test nachvollziehen konnte. Die meisten Änderungen lohnen sich. Viele Nutzer werden sich aber von gewohnten Mustern trennen müssen, wenn sie von den Neuerungen profitieren wollen. Mac OS X 10.7 alias Lion steht ab sofort zum Download bereit.
/ Andreas Sebayang
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Mac OS X 10.7 alias Lion (Bild: Apple)
Mac OS X 10.7 alias Lion Bild: Apple

Fast zwei Jahre ist es her, dass wir die letzte Version von Mac OS X getestet haben . Mac OS X 10.6, besser bekannt als Snow Leopard, war nur ein kleines, aber dafür günstiges Update für 29 Euro. Apple verlangt für Lion sogar noch weniger. Gerade einmal 24 Euro muss ein Anwender für das neue Betriebssystem ausgeben und erhält dafür viele Veränderungen, die aber nicht jedem gefallen werden. Der folgende Test basiert auf dem Goldmaster von Mac OS X 10.7 auch bekannt als Lion (Build 11A511).

Mac OS X 10.7 alias Lion - Test
Mac OS X 10.7 alias Lion - Test (05:13)

Umdenken ist angesagt

Die größte Änderung fällt gleich beim Start von Mac OS X 10.7 auf: Traditionelles Scrollen gibt es nach Apples Willen nicht mehr. Die Einstellung lässt sich aber auch umkehren. Früher wurde mit dem Mausrad der Scrollbalken bewegt und der Bildschirminhalt in entgegengesetzter Richtung geschoben: Wer das Mausrad in Richtung der Hand dreht, scrollt also nach unten und schiebt dabei den Bildschirminhalt nach oben.

Auf Touchscreens wird der Scrollbalken seit jeher nicht mehr genutzt. Stattdessen wird der Bildschirminhalt selbst bewegt. Genau das will Apple nun auch auf dem Desktop umsetzen. Die allgemeine Sichtbarkeit der Scrollbalken verschwindet - sie werden nur noch bei Bedarf eingeblendet - und der Bildschirminhalt wird direkt angefasst.

Wer also eine Scrollbewegung nach unten ausführt, also beispielsweise das Mausrad in Richtung Hand dreht, bewegt auch den Bildschirminhalt nach unten. Der unscheinbare Scrollbalken bewegt sich hingegen nach oben. Es dauert ein paar Stunden, bis man dieses Verfahren verinnerlicht hat. Jahrzehntelange Gepflogenheiten stellt Apple plötzlich auf den Kopf. Uns gelang dieses Umdenken, jedoch gibt es Probleme, wenn zwischendurch der Rechner und damit das Scrollverhalten gewechselt wird. Wer will kann auf das alte Scrollverhalten in den Systemeinstellungen wechseln.

Nach mehreren Stunden Nutzung von Lion fühlte sich sogar der Wechsel auf Snow Leopard ungewohnt an. Statt durch einen Text zu scrollen, stießen wir beim Versuch, herunterzuscrollen, ständig an die virtuelle Decke des Browsers. Zu lernen, wann in welche Richtung auf welchem Rechner gescrollt werden muss, hat dann jeweils durchaus einige Tage gedauert.

Der Wechsel auf Windows gestaltete sich hingegen einfacher. Wer in beiden Welten lebt, schaltet ohnehin im Kopf automatisch zwischen den unterschiedlichen Tastaturlayouts um. Gefühlt ist das zusätzliche Umdenken beim Scrollen dann kein so großer Schritt mehr.

Multitouchgesten und grundsätzlicher Umbau stehen im Mittelpunkt des Löwen

Mit der neuen Scrollfunktion wird auch die Gestensteuerung runderneuert. Eines vorweg: Wer kein Trackpad besitzt, sei es im Notebook oder als das von uns getestete Magic Trackpad , muss auf einige Gesten verzichten: Mit der Magic Mouse funktioniert nur ein Bruchteil der nun beschriebenen Gesten.

Die Gesten sind jetzt stärker auf die Nutzung von mehr als zwei Fingern ausgelegt. Mission Control, die Zusammenfassung des Dashboards, der Spaces und Exposés, wird komplett mit drei Fingern bedient. Ein Wischen mit drei Fingern nach oben zeigt die neue Übersicht aller Fenster an. Dort können auch Spaces hinzugefügt werden. Zudem können die einzelnen Fenster per Drag & Drop in den jeweiligen Space gepackt werden. Ein Klick auf das rechts erscheinende Plus-Symbol genügt. Zwischen dem Dashboard, den Spaces und Anwendungen im neuen Vollbildmodus wird mit Rechts-Links-Wischen mit Hilfe von drei Fingern gewechselt.

Der Anwender schiebt dabei den aktuellen Bildschirm zur Seite und wechselt rechtswischend zum Dashboard sowie linkswischend zu den Vollbildanwendungen oder anderen Spaces. Das funktioniert meist ziemlich gut. So kann der Anwender beim Anschauen einer DVD schnell auf einen Desktop wechseln oder seine E-Mails im Vollbildmodus abrufen. Gelegentlich viel aber beim Test auf, dass vor allem Drei-Finger-Gesten etwas haken. Mitunter wurde der dritte Finger nicht erkannt und der Nutzer muss neu ansetzen. Es gibt aber eine einfache Abhilfe: Der Anwender kann im Zweifel auch mit vier Fingern eine Drei-Finger-Geste durchführen.

Der Vollbildmodus selbst ist in der aktuellen Form eine Neuerung. Apple hat hier versucht, möglichst viele Anwendungen so weit anzupassen, dass sie den gesamten Bildschirm ausnutzen. Es verschwinden also sowohl die Menüleiste oben als auch das Dock. Wer mit der Maus nach oben fährt, bekommt die Menüleiste automatisch eingeblendet. Es geht also nicht immer komplett ohne sie. Vollbildanwendungen erkennt der Nutzer an den zwei Pfeilen an der rechten oberen Seite. Prinzipiell ist es möglich, mehrere Vollbildanwendungen gleichzeitig offen zu haben. Zwischen diesen - und den Spaces - wird dann mit der Vier-Finger-Geste umgeschaltet. Davon unabhängig gibt es auch alte Vollbildanwendungen. Diese sind mit Mission Control aber inkompatibel. Wer in der Fotoanwendung Aperture 3.1.2 in den Vollbildmodus geht, kann keine der Mission-Control-Gesten verwenden. Mit der Version 3.1.3 hat Apple die Anwendung einem kompatibel mit dem Vollbildmodus von Lion gemacht.

Radikalumbau - oder, wie iOS und Mac OS auf eine Linie gebracht werden

Apple hat mit Lion zahlreiche Anwendungen generalüberholt. Die Änderungen sind so umfangreich, vor allem im Detail, dass wir uns nur auf einige wenige Anwendungen beschränken.

Apple Mail, iCal und die Kontaktdatenbank sehen nun aus wie die iPad-Versionen der Programme. Das Mailprogramm nutzt zwei Spalten für die Anzeige von E-Mails in der Übersicht und als Anzeige der E-Mails selbst. Die dritte Spalte ist einblendbar für Nutzer, die mehr machen, als nur ihre Inbox zu füllen. Dort werden alle Ordner angezeigt. Wer will, kann auch das klassische Layout von Snow Leopards Mail verwenden. Uns hat das neue Layout gut gefallen. Freunde des gepflegten TOFUs(öffnet im neuen Fenster) freuen sich darüber, dass sinnlose Vollzitate jetzt ausgeblendet werden. Damit steigt aber auch die Gefahr, dass Dinge zitiert werden, die vielleicht nicht zitiert werden sollten.

Am Funktionsumfang hat Apple sonst kaum etwas geändert. Apple Mail bleibt ein sehr einfaches E-Mail-Programm, welches selbst den Funktionsumfang von Thunderbird oder Postbox nicht erreichen kann. Von Windows-Clients wie The Bat ist Apple Mail sehr weit entfernt.

Wer E-Mails schreibt, wird schnell feststellen, dass Mac OS X, wie bei iOS auch, Wortvorschläge unterbreitet. Sie sind Gewöhnungssache. Wir konnten uns während der Testphase nicht entscheiden, ob sie uns nerven oder einfach hilfreich sind und haben sie erst einmal aktiv gelassen. Vor- und Nachteile hielten sich in etwa die Waage.

Die Überarbeitung von Kalender und Kontakten gefällt uns. Insbesondere die Kontakte lassen sich jetzt leicht mit Bildern der Personen füllen. Ein Doppelklick bietet die Möglichkeit, per iPhoto oder Aperture erkannte Gesichter komfortabel zuzuweisen.

Safari bietet mit der neuen Leseliste und dem integrierten Downloaddialog etwas mehr Komfort. Die Leseliste ist vor allem praktisch, wenn der Anwender Artikel im Internet entdeckt, für die er jedoch erst einmal keine Zeit hat. Statt für jeden Artikel ein Bookmark anzulegen, werden diese einfach in eine abzuarbeitende Leseliste einsortiert. Anders als beim Vorbild Instapaper werden die Artikel aber nicht in der Cloud gespeichert.

Nie wieder speichern

Zu den besonders tief im Verhalten des Anwenders verankerten Tastenkombinationen gehört sicherlich die Kombination Apfel+S alias cmd+S zum Speichern von Dokumenten. Bei iOS gibt es das Speichern nicht und Apple will es auch in Mac OS X abschaffen. Einen Vorgeschmack darauf liefern die Anwendungen Textedit und Vorschau. Sie speichern automatisch und zudem jede Änderung. Apple nennt das "Versions" . Wie bei Time Machine steht jedem Dokument ein Verlauf zur Verfügung. Auf Wunsch können beispielsweise Textstellen aus alten Textversionen herauskopiert und in die aktuelle Version eingefügt werden. Noch können das nicht alle Anwendungen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass zumindest Apple alle seine Anwendungen entsprechend aktualisieren wird. Pages, Numbers und Keynote können das in den uns vorliegenden Versionen beispielsweise noch nicht.

Die lokale Suche Spotlight ist jetzt besser nutzbar. Zum einen gibt es eine Vorschau (Quicklook) auf gesuchte Inhalte, sobald der Cursor über einem Eintrag ist. Das funktioniert sogar mit Videos. Zum anderen können die gesuchten Elemente per Drag-and-Drop herauskopiert werden. Wer einen Anhang für eine zu schreibene E-Mail sucht, hat jetzt eine bequeme Alternative. Spotlight indizierte bei uns auch externe Datenträger. Das geschieht nicht mehr blockierend, so dass trotzdem Inhalte gesucht werden konnten.

Auch die Systeminformationen hat Apple etwas geändert. Sie sind weiterhin über das Apfel-Menü und "Über diesen Mac" zu finden. Dort gibt es einen guten Überblick über die Hardware, die Modell- und Seriennummer sowie die angeschlossen Displays und eingesteckten Speicherriegel. Sehr hübsch ist die von iTunes übernommene Übersicht des verwendeten Speicherplatzes der angeschlossenen Datenträger: Zu sehen ist, wie viel Speicherplatz die Audio- und Videosammlung einnimmt und wie groß der Anteil von Anwendungen, Fotos und Backups ist.

Resume statt Neustart

Zu den kleinen Änderungen mit großen Auswirkungen gehört die Art, wie Apple Neustarts durchführt. Beim Herunterfahren werden auf Wunsch alle Anwendungen vorgemerkt und beim Starten wieder geöffnet. Damit kommt ein Neustart einem Wiederaufwachen aus dem Suspend-to-Disk-Modus nahe. Das funktioniert ganz gut. Außerdem können in der Regel Fenster nun an allen Seiten in der Größe verändert werden.

Interessant ist, dass Time Machine jetzt lokal arbeiten kann. Wer eine Datei löscht, bekommt trotzdem die Möglichkeit, diese wiederherzustellen, da Mac OS bis zur nächsten Verbindung mit dem Backup-Medium Backups lokal durchführt. Time Machine zeigt grundsätzlich an, dass weitere Backups existieren. Sie sind dann aber in der Zeitleiste lila unterlegt.

Finder als einfacher Dateimanager hat sich vor allem, was die Anzeige von Inhalten betrifft, umsortiert, jedoch kaum Neuerungen erfahren. Zu den wenigen neuen, aber interessanten Funktionen gehört Airdrop.

Einfaches Netzwerken mit Airdrop

Airdrop ermöglicht einen Austausch von Daten zwischen Rechnern, ohne dass etwas konfiguriert werden oder gewartet werden muss, wenn sich ein Rechner im Netzwerk meldet. Apple hat das mit Bonjour alias Rendezvous schon seit längerem unter anderem für Drucker oder Chats verwirklicht. Airdrop geht noch einen Schritt weiter und schließt die Datenkommunikation mit ein. Ein Rechner in der Nähe taucht im Finder unter Airdrop auf und kann als Empfänger für Daten genutzt werden, einfach per Drag & Drop.

Interessant: Airdrop funktioniert auch, wenn einer der Rechner bereits in ein WLAN eingebucht ist, während der andere nur im Suchmodus ist. Ein Mac hat also zwei Verbindungen zugleich offen. Typische Netzwerkanzeigen für Netzwerkverkehr zeigen übrigens keine Datenrate an. Wir haben per Hand beim Transfer über etwa zwei Meter Luftlinie eine Datenrate von 3,7 MByte/s messen können (Macbook Pro 13 2009 zu Macbook Pro 15 2010).

Airdrop hat nur eine begrenzte Reichweite, die weit unterhalb der liegt, die sonst per WLAN möglich ist. Bei etwa 10 Metern im Büro war Schluss. Macbook-Pro-Antennen gehören aber auch nicht unbedingt zu den besten, wie wir schon häufig feststellen mussten.

Macs werden zu eigenen Access Points

Mit dem Netzwerksniffer InSSIDer für Windows konnten wir über ein drittes Notebook erkennen, was im Luftraum passiert. Beide Macs waren über ein 5-GHz-WLAN in einem Netzwerk eingebucht. Die Rechner waren als Access Point (Typ Infrastructure) auszumachen. Mitunter waren beide gleichzeitig zu sehen. Sie arbeiteten beide auf dem 5-GHz-Band, allerdings auf einem anderen Kanal und nur mit 144 MBit/s. Zudem wurde weder ein Hersteller noch eine SSID oder eine WLAN-Verschlüsselung angezeigt. Apple sagt aber, dass die eigentliche Kommunikation zwischen den beiden Rechnern verschlüsselt ist.

Wenn sich beide Rechner im selben Netzwerk per WLAN befinden, wird der Transfer über dieses Netz abgewickelt. Über kabelgebundene Netzwerke funktioniert Airdrop nicht, wie wir mit einer Kabelverbindung festgestellt haben. Der Austausch von Daten muss somit auf herkömmlichem Wege geschehen. Airdrop setzt eine aktive WLAN-Schnittstelle voraus, die aber mit keinem Netzwerk verbunden sein muss. Außerdem müssen die Rechner sich physikalisch in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. Es reicht nicht, dass die Rechner im gleichen WLAN eingebucht sind.

Leider funktionierte Airdrop nicht auf einem Mac Mini des Jahres 2009. Das entsprechende Symbol wurde im Finder gar nicht erst angezeigt. Hingegen funktionierte Airdrop mit einem Macbook Pro 2009 sowie einem Macbook Pro aus dem Jahr 2010.

Kompatibilität? Wozu?

Dass Apple rigoros seine Vergangenheit aufräumt, ist keine Neuigkeit. Kompatibilität war nie eine Stärke des Herstellers. Mit Lion ist das nicht anders. Während Nutzer, die nach dem Wechsel zur Intel-Architektur den Mac entdeckt haben, sich kaum daran stören sollten, wird die alte Nutzerschaft doch deutlich überstrapaziert. Mit Snow Leopard fiel die allgemeine Unterstützung von PowerPC-CPUs weg, so dass sich Mac OS X nicht mehr auf Power-Macs installieren lässt. Mit Lion geht Apple noch einen Schritt weiter: Nun können nicht einmal mehr Programme für Power-Macs gestartet werden. Unter Snow Leopard und den Vorgängern war es dank Rosetta(öffnet im neuen Fenster) noch möglich, PowerPC-Anwendungen zu starten. Apples Rosetta hat die notwendige Übersetzung übernommen, um PowerPC-Code auf Intel-Architektur laufen zu lassen.

Wir berichteten bereits über beliebte Programme, die unter Lion nicht laufen . Zudem ist einige Vorsicht nötig, wenn es um neue Betriebssystemversionen geht. Ende 2009 zeigte sich beispielsweise, dass einige UMTS-Sticks mit ihrer Software Macs mit Snow Leopard schädigen . Einen UMTS-Stick, der nicht mehr funktionierte, haben wir auch gefunden. Zum Glück richtete der Stick keine Schäden an.

Apples Launchpad zeigt übrigens Programme, die nicht gestartet werden können, gar nicht erst an. Programme, die grundsätzlich nicht mehr funktionieren, werden im Finder mit einem Symbol versehen, das deutlich macht, dass die Anwendung nicht mehr benutzt werden kann.

Apples Strategie, alte Funktionen über Bord zu werfen, ist einerseits eine große Stärke. Denn ohne den alten Ballast hat es Apple leichter, Neuerungen durchzusetzen und der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen. Andererseits ist es auch eine große Schwäche, denn insbesondere treue Apple-Nutzer früherer Tage werden verärgert.

Ob der Weg nun der bessere ist, sei dahingestellt. Wer neben Mac OS X auch ein Windows pflegt, der weiß, zu welchem Preis Microsoft sich die Dauerkompatibilität erkauft. Immerhin wurde der Wechsel auf Intel-Hardware bereits 2006 gestartet.

Dazu passt auch, dass nun der Umstieg auf 64 Bit vollzogen wurde. Wenige Ausnahmen gibt es aber weiterhin: Dazu gehören Apples DVD-Player und natürlich zahlreiche Programme von Drittherstellern.

Lion spricht deutsch

Mac OS X bietet schon länger die Möglichkeit, Texte vorlesen zu lassen. Dazu hat Apple einige Stimmen integriert, doch die konnten bisher nur englische Texte vorlesen. Neue Stimmen brauchte es also für Mac OS X 10.7 und so hat das neue Betriebssystem nun erstmals eine deutsche Stimme. Eigentlich sind es drei, nämlich Anna, Steffi und als einzige männliche Stimme Yannick. Diese Stimmen lesen deutsche Text vor. Es ist auch möglich, sich im Viertel-, Halb- oder Vollstundentakt die Uhrzeit ansagen zu lassen. Lobenswerterweise mit einer eigenen Lautstärkeeinstellung. So wird Lion dem Nutzer bei zu lauter Einstellung des Systems nicht gleich die Uhrzeit ins Ohr brüllen.

Im Vergleich zu den anderen Sprachen ist die deutsche Auswahl gering, da regionale Unterschiede bei den Aussprachen nicht berücksichtigt werden. So gibt es weder einen Bayern, einen Sachsen, noch Stimmen aus den deutschsprachigen Nachbarländern. Für Französisch oder Spanisch bietet Apple mehr Auswahl: So gibt es etwa Stimmen aus Kanada oder Frankreich beziehungsweise aus Mexiko oder Spanien, die unterschiedlich klingen.

Besonders groß ist die Auswahl für die englischsprachige Welt: Englisch mit indischem Akzent? Kein Problem. Auch ein Schotte oder Ire kann dem Anwender die Uhrzeit ansagen oder Texte vorlesen. Natürlich gibt es auch britische und amerikanische Sprechweisen. Allen Stimmen ist deutlich anzumerken, dass sie nicht echt sind. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Stimmen. Insbesondere im Englischen fällt auf, dass die alten Mac-OS-Stimmen wie Alex nicht ganz so gut klingen wie die neue Samantha.

Es lässt sich immer nur eine Sprache festlegen. Eine Erkennung der Sprache anhand des vorliegenden Textes gibt es nicht. Wer sich einen englischen Text mit der deutschen Stimme vorlesen lässt, bekommt eine Aussprache zu hören, die einen das Fürchten lehrt.

Die meisten Stimmen müssen erst heruntergeladen und es müssen Sprachpakete installiert werden, die teilweise fast 500 MByte groß sind.

Lion hat ein paar Fehler

Mac OS X Lion hat einige kleine Fehler. Diese sind zwar harmlos, aber durchaus sichtbar. Wir gehen davon aus, dass Apple diese schnell korrigieren wird. Ein Mac OS X 10.7.1 ist vermutlich nur eine Frage von Wochen. Das war bei der Version 10.6.1 nicht anders .

Eine frische Installation auf einer externen Festplatte sorgte für Kopfzerbrechen. Wir hatten plötzlich ein Mac OS mit einem Standardnutzer installiert. Mangels Administratorrechten konnten wir aber keine systemrelevanten Einstellungen übernehmen. Zudem hatten wir das Problem, dass die WLAN-Verbindung manchmal nicht sofort wieder funktionierte. Zumindest in Safari, Mail und Adium. Camino ließ sofort eine Verbindung zu. Die Netzwerkdiagnose entdeckte auch keinen Fehler. Nachdem die Diagnose durchgelaufen war, funktionierte auch sofort wieder alles.

Überraschend ist, dass ausgerechnet einige Apple-Anwendungen es nicht erlauben, die Größe des Fensters an allen Stellen zu ändern. Interessanterweise ist es die 32-Bit-Anwendung DVD Player.

Der DVD Player fasziniert in gewissem Maße. Einerseits sieht es so aus, als hätte Apple nichts an dem Programm geändert, andererseits sind neue Fehler ein deutliches Zeichen dafür, dass doch irgendetwas getan wurde. In wenigen Fällen muss erst einmal die Größe des Fensters kurz manipuliert werden, damit das richtige Seitenverhältnis bei DVDs angezeigt wird.

Mitunter funktionieren einige Anwendungen nicht mehr, insbesondere, wenn sie hardwarenah arbeiten. Wir hatten Probleme mit Hardware Growler, einer Erweiterung von Growl, dem iStumbler sowie einem UMTS-Stick und dessen Anwendung. Hier helfen vermutlich nur Updates der Programmentwickler.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Abstürze einzelner Anwendungen derzeit häufiger bei Lion anzutreffen sind als bei Snow Leopard.

Benchmarks und Sicherheit

Die meisten Tests haben wir auf einem Mac Mini des Jahres 2009 gemacht. Einem Produktivsystem, das explizit auf Unterschiede untersucht wurde, die nach der Umstellung auftraten. Für den Praxistest kam ein Macbook Pro 13 aus dem Jahre 2009 zum Einsatz. Es wurde einfach benutzt, um Eindrücke aus dem Alltag zu sammeln und nicht, um Messungen durchzuführen. Zudem war in einzelne Tests noch ein Macbook Pro 15 2010 verwickelt.

Zumindest subjektiv fiel bei der Reaktion des Systems nichts Negatives, aber auch nichts Positives auf. Das System reagierte wie gehabt. Einzig Safari fiel negativ auf. Eine grundsätzlich höhere CPU-Last und eine damit verbundene stärkere Geräuschentwicklung auf dem Macbook Pro 13 waren erkennbar, wenn auch nur zeitweise.

Benchmarks und Messungen bestätigten später diesen Eindruck. Außerhalb der Messtoleranzen waren weder bei dem xCPU-Test noch beim OpenGL-Test von Cinebench R10 Unterschiede auszumachen. Es waren jeweils um die 4.250 beziehungsweise 4.100 Punkte. Beim Booten haben wir eine Verlangsamung festgestellt. Allerdings nur minimal. Bis zum Login-Bildschirm vergingen mit Snow Leopard 28 bis 29 Sekunden. Bei Lion sind es rund 31 Sekunden.

Safari zeigte in seiner Lion-Version, dass der Browser nicht mehr ganz so schnell arbeitet. Während mit Snow Leopard der Mac Mini mit Safari 362 ms für den Sunspider-0.9.1-Test brauchte, erhöhte sich das mit Lion auf 457 ms deutlich. Für den Einbruch der Geschwindigkeit ist eine Safari-Erweiterung verantwortlich. Bei uns ist es die Ultimate Status Bar. Ein Update brachte keine Besserung. Wer mit Lion und Safari Schwierigkeiten hat, sollte testweise die Erweiterungen deaktivieren.

Sicherheit

Apple hat nach eigenen Angaben die Sicherheit des gesamten Betriebssystems verbessert. Durch eine verbesserte Address Space Layout Randomization (ASLR) sollen es Angreifer schwerer haben, Sicherheitslücken in Anwendungen auszunutzen. Das gilt auch für alte 32-Bit-Anwendungen. Ein Application Sandboxing soll zudem verhindern, dass eine Anwendung über die eigenen Fähigkeiten hinaus Schaden im System anrichten kann.

Wer seine Festplatte verschlüsseln will, ist mit Filevault 2 nun nicht mehr nur auf den eigenen Benutzerordner beschränkt. Auch externe Festplatten können verschlüsselt werden. Neben dem Passwort gibt es nun für den Fall eines vergessenen Passworts auch einen 24-stelligen Wiederherstellungsschlüssel, den der Nutzer aufschreiben und sicher lagern sollte. Gehen Passwort und Wiederherstellungscode verloren, ist ein Zugriff auf die Daten nicht mehr möglich, so Apple. Interessant ist die Funktion Instant Wipe. Wird der Schlüssel mit der Funktion entfernt, sollen die Daten auf dem Datenträger sofort unbrauchbar sein.

Lions digitale Verfügbarkeit und Fazit

Mac OS X 10.7 alias Lion gibt es nur noch digital als Download(öffnet im neuen Fenster) über den Mac App Store für rund 24 Euro. Zumindest gilt das für Anwender von Snow Leopard, das in der Version 10.6.8 grundlegend installiert sein muss . Bei neuen Macs wird Apple vermutlich Datenträger beilegen, sei es in Form einer DVD oder als USB-Sticks für Macs ohne optische Laufwerke. Im Geschäft wird der Anwender aber keine DVD entdecken können. Im August 2011 will Apple Lion auch auf einem USB-Stick anbieten. Dieser wird mit rund 60 Euro aber deutlich teurer als die App-Store-Variante sein.

Die Installation dauerte in unseren Tests auf insgesamt vier Rechnern jeweils rund eine halbe Stunde. Der Anwender braucht häufig mehr Zeit, das Paket herunterzuladen. Nach dem Herunterladen des Lion-Pakets empfiehlt es sich, die Installationsdatei noch einmal extern zu sichern. Im Falle des Mac Minis waren nach der Installation mehr als 5 GByte Speicher freigeworden.

Von uns ungetestet ist eine Anleitung, wie ein Datenträger mit Lion erstellt werden kann(öffnet im neuen Fenster) . Vor allem bei der Installation auf mehreren Macs ist das interessant.

Lion wird auch als Server angeboten. Wer will, der kann seine Installation mit einer Extralizenz umwandeln. Im Mac App Store kostet Lion Server, den wir nicht getestet haben, rund 40 Euro.

Fazit

Lion ist im Unterschied zu Snow Leopard ein sehr radikaler Umbau des Betriebssystems. Angefangen beim Scrollverhalten über die Vollbildanwendungen bis hin zu der Art, wie zwischen Anwendungen umgeschaltet wird, hat sich aus Nutzersicht enorm viel verändert. Ohne Umdenken kann der Nutzer nicht von den Neuerungen profitieren. Mac OS X macht es Umsteigern aber leicht, die Neuerungen zu verinnerlichen. In den ersten Stunden fühlt sich Lion wie ein anderes Betriebssystem an und etwas Überwindung ist nötig. Wer sich damit schwertut, kann glücklicherweise viele Neuerungen auch einfach abschalten, verliert dabei aber auch ein wenig an neu gewonnener Produktivität.

Vor der Installation ist ein Blick in die 250 Änderungen, die mit Lion einhergehen(öffnet im neuen Fenster) , ratsam. So kann jeder selbst entscheiden, ob er sofort aktualisieren will oder vielleicht lieber etwas wartet.

Grobe Stabilitätsprobleme konnten wir auf unseren beiden Macs nicht feststellen. Einzig Safari fiel, verglichen mit Snow Leopard, negativ auf. Hier muss der Anwender gegebenenfalls einige seiner Erweiterungen deaktivieren.

Mac-OS-Neulinge, die vorher nur ein iOS-Gerät hatten, werden sich unter Lion schnell heimisch fühlen. Nur beim Scrollen müssen auch diese Anwender umlernen, wenn sie Windows-Erfahrung haben. Langjährige Benutzer sollten lieber erst prüfen, ob ihre Programme überhaupt Lion-kompatibel sind. Diese Nutzergruppe wird Lion vermutlich so weit umkonfigurieren, dass das Verhalten eher alten Mac-OS-Versionen entspricht.

Nachtrag vom 20. Juli 2011, 21:15 Uhr:

iTunes ist mittlerweile in der Version 10.4 erschienen, die als 64-Bit-Software ausgeführt wird. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.


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