Roboterpatientin: Frau Showas Schwester hat auch keine Angst vor dem Zahnarzt

Im Frühjahr 2010 haben die Showa Universität in Tokio und der Roboterhersteller Tmsuk Hanako Showa vorgestellt . Frau Showa ist eine robotische Patientin, an der Zahnärzte üben können. Jetzt hat Frau Showa eine Schwester bekommen.
Mehr Funktionen, mehr Realismus
Hanako Showa 2 zeichnet sich laut Hersteller Tmsuk(öffnet im neuen Fenster) unter anderem durch einen höheren Realismus und eine einfachere Bedienung aus. So wurde im Nacken ein Motor integriert, wodurch die Bewegungen des Kopfes realistischer werden. Zuvor war der Nacken durch ein pneumatisches System angetrieben worden.
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| Video: Die robotische Zahnarztpatienten Hanako Showa 2 – Diginfo.tv |
Ein Spracherkennungssystem des japanischen Unternehmens Raytron ermöglicht eine Kommunikation mit dem Roboter. Dieser soll den angehenden Zahnmediziner auch dann verstehen, wenn dieser einen Mundschutz trägt. Die Patientin kann zudem ihre linke Hand heben und es ist möglich, ihr an der rechten den Puls zu fühlen.
Haut aus Silikon
Für den höheren Realismus sorgt schließlich die neue Haut des Roboters: War die von Hanako Showa 1 aus PVC, hat ihre Nachfolgerin eine Haut aus Silikon, die der menschlichen ähnlicher sieht. Die Haut stammt von dem japanischen Unternehmen Orient Industry, das zum einen realistische Prothesen und zum anderen Puppen für Erwachsene herstellt.
Orient Industry hat auch einen neuen Mund für die Roboterpatientin gebaut: Zunge und Mundraum bestehen jetzt aus einem einzigen Stück. Das hat den Vorteil, dass es keine Nahtstellen mehr gibt, durch die Wasser sickern und in das empfindliche Innere des Roboters gelangen kann.
Roboter statt Puppe
Entwickelt wurde Hanako Showa als Trainingsobjekt für Studenten der Zahnmedizin. Diese sollen an der Roboterdame ihre Fertigkeiten verbessern, ohne Gefahr zu laufen, durch Fehler Schaden anzurichten. Der Roboter soll die Puppen ersetzen, an denen die Studenten früher geübt haben.




Frau Showas Kopf hat acht Freiheitsgrade: Sie kann den Kopf in mehrere Richtungen bewegen, den Mund auf- und zumachen, die Augen schließen oder zur Seite verdrehen, die Zunge gerade oder zur Seite herausstrecken. Während der Behandlung reagiert die Roboterpatientin: Wie bei einem Menschen fließt auch bei ihr Speichel, wenn sie den Mund offen hat. Sie kann niesen oder husten und berührt der Zahnmediziner das Gaumenzäpfchen des Roboters, löst das einen Würgereflex aus. Hat sie Schmerzen, äußert sie diese.
Steuerung per Computer
Gesteuert wird der Roboter von einem Ausbilder über einen Computer. Auf einem Touchscreen kann er verschiedene Aktionen wählen, die der Roboter dann autonom ausführt. Es sei wichtig, dass der Roboter einen möglichst echten Eindruck vermittele, sagte Koutaro Maki, Zahnmediziner an der Showa Universität, dem japanischen Nachrichtenangebot Diginfo.tv(öffnet im neuen Fenster) . "Wenn man nicht versucht, das Gesicht eines Roboters möglichst echt aussehen zu lassen, hat das psychologisch auf den Nutzer nicht die gleiche Wirkung. Wie Ärzte und Studenten sich in der Gegenwart eines Patienten fühlen, ist ein großer Faktor."
Zunächst war Hanako Showa nur für die zahnmedizinische Ausbildung an der Showa Universität gedacht, jedoch hätten sie schon bald Anfragen nach dem System auch aus dem Ausland bekommen, erzählt Maki. Aufgrund der Nachfrage wird das japanische Unternehmen Yoshida Dental Manufacturing Hanako Showa 2 deshalb künftig vermarkten.