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Test Child of Eden: Alles so schön bunt hier

Wer braucht schon Drogen – Child of Eden kickt mit seinem Farb- und Formenrausch jedes Bewusstsein mindestens ebenso zuverlässig durch die Galaxie. Die Mischung aus Musik- und Actionspiel lässt sich mit klassischen Konsolencontrollern, aber auch mit Kinect und Move steuern.
/ Peter Steinlechner
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Child of Eden (Bild: Ubisoft)
Child of Eden Bild: Ubisoft

Bunte Urzeitkrebse ziehen ihre Bahnen durch das All, durchsichtige Fischwesen schweben über einem Meer aus Korallen, mitten in einer Art Raumstation pulsiert ein glühend roter Ball. Das alles erinnert, je nach persönlicher Biografie, an Besuche in der Technodisko oder Übermaßen an verbotenen Substanzen beim letzten Trip nach Las Vegas – ist aber das für Playstation 3 und Xbox 360 erhältliche Child of Eden. Dabei handelt es sich um den Nachfolger des 2001 für Dreamcast und Playstation 2 veröffentlichten Klassikers Rez(öffnet im neuen Fenster) , das der Spieldesigner Tetsuya Mizuguchi bei seinem Entwicklerstudio Q Entertainment(öffnet im neuen Fenster) entwickelt hatte.

Child of Eden – Gameplay (Kinect)
Child of Eden – Gameplay (Kinect) (02:16)

Genau genommen spielt die Handlung von Child of Eden vor den Vorgängen von Rez. Es geht um ein Mädchen namens Lumi, das in einer Art galaktischem Internet der Zukunft zu neuem Leben erwacht; in kurzen Sequenzen ist sie als gefilmte Schauspielerin in digitaler Kulisse oder entsprechend verfremdet immer wieder mal zu sehen. Als Feinde gelten alle im virtuellen Raum lebenden Wesen, die ein Computervirus infiziert hat. Bei der Schauspielerin handelt es sich übrigens um die Sängerin der von Mizuguchi gegründeten Band Genki Rockets(öffnet im neuen Fenster) , die auch einen Großteil der Musik beigesteuert hat.

Eigentlich ist Child of Eden ein sogenannter Rail-Shooter. Das Programm schickt den Spieler in der Ich-Perspektive auf einem fest vorgegebenen Weg durchs All, wo er auf Gegner, Geschosse oder Hindernisse ballert. Direkte Kontrolle gibt es nur über die Blickrichtung und die beiden Standardwaffen. Das ist einmal eine mit Blau arbeitende Zielvorrichtung, die Gegner oder Hindernisse unter dem Fadenkreuz markiert und dann beim Auslösen eine Art zielsuchenden Energiestrahl losschickt. Am Controller geschieht das durch den Analogstick und das Loslassen der Haupttaste, bei Kinect durch Bewegungen und einen Stoß mit der Hand nach Vorne. Die zweite Standardwaffe arbeitet in Pink, sie wird am Controller in Standardmanier, an der Kinect durch Bewegungen der anderen Hand gesteuert. Um eine alleszerstörende, aber nicht immer verfügbare Bombe auszulösen, müssen Spieler an der Kinect einfach klatschen. Wer es schafft, seine Schüsse im Rhythmus der Musik abzufeuern, bekommt Extrapunkte und zusätzliche Animationen.

Herausforderung Weltraumreise

Die grundsätzliche Steuerung haben auch Einsteiger nach ein paar Minuten raus. Und trotzdem ist Child of Eden auch für erfahrene Spieler eine Herausforderung. Mit Kinect sowieso, aber auch mit dem präziser arbeitenden Controller ist es teils ganz schön schwierig, die Masse an Gegnern und Hindernissen rechtzeitig aus dem Weg zu räumen. Insbesondere bei den End- und Zwischengegnern ist auch Glück gefragt – zumal der Spieler nach dem "Game Over" die ganze Mission ohne Savegames neu anfangen muss. Das Ganze ist in fünf Abschnitte unterteilt, um den letzten freizuschalten, müssen galaktische Reisende zuvor eine bestimmte Anzahl von Sternen und Punkten gesammelt haben.

In Sachen Musik unterscheidet sich Child of Eden deutlich von Rez. Statt eher kühler Technomucke gibt es deutlich sanfter wabernde Ambientklänge und House-Beats, die nicht ganz so schnell ins Ohr gehen, aber langfristig durchaus Sogwirkung entfalten.

Das Programm ist für Playstation 3 und Xbox 360 verfügbar und kostet jeweils rund 50 Euro. Alle Bildschirmtexte sind vollständig lokalisiert. Die USK hat eine Freigabe ab 6 Jahren erteilt.

Fazit:

Stellenweise sieht die kunterbunte Grafik von Child of Eden arg kitschig aus, manchmal wirkt sie wie ein 90er-Jahre-Techno-Videoclip – aber oft genug hat es das Team von Tetsuya Mizuguchi geschafft, verblüffende Ideen und sehr schicke Animationen umzusetzen. Und dann kann in Verbindung mit der Musik irgendwann tatsächlich so etwas wie ein "Flow" einsetzen. Also so ein schwereloses Spielgefühl, als würde man durchs All sausen. Schade, dass das Gameplay mit der Optik nicht mithalten kann, denn auf Dauer ist das Geballer etwas zu eintönig.

Die Steuerung per Kinect funktioniert gut genug, um Child of Eden damit der Freundin oder der Großmutter vorzuführen. Um sich ernsthaft auf Highscorejagd zu begeben, oder auch nur um den Abspann zu sehen, sollten Spieler aber wegen des durchaus gehobenen Schwierigkeitsgrads doch zum Controller greifen.


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