Crysis 2 und DirectX-11: "Operation Tessellation" ist weitgehend gelungen

Am 24. März 2011 hat das Frankfurter Entwicklerstudio Crytek den Shooter Crysis 2 veröffentlicht, und rund drei Monate später ist jetzt ein Patch verfügbar, mit dem die PC-Fassung alternativ unter DirectX-11 läuft - die ursprünglich veröffentlichte Fassung hat lediglich das veraltete DirectX-9 unterstützt. Das Update, das zusammen mit noch höher aufgelösten Texturen erschienen ist , sorgt insbesondere dank der Verbesserungen durch Tessellation tatsächlich für sichtbar bessere Grafik - insbesondere Mauern wirken plastischer.

Nicht ganz so offensichtlich sind einige der anderen Detailverbesserungen. So gibt es auf leistungsstarken Rechnern dank Shading jetzt Echtzeitreflexionen etwa in Wasserpfützen, Schatten wirken glaubwürdiger und es gibt einen weiteren Unschärfemodus. Tessellation und Shading sind relativ hardwarehungrig, sie schlucken jeweils rund 15 Prozent der Ressourcen. Die weiteren Effekte sind kaum sichtbar, haben aber auch nur minimale Auswirkungen auf die Bildwiederholrate. Es gibt aber auch ein paar sichtbare Grafikfehler: Im Video von Golem.de sorgt ein Bug in der Tessellation dafür, dass ungewollt Terraforming unter Treppen entsteht.













Die sonst durchaus kritische Fangemeinde scheint trotzdem positiv auf das Update zu reagieren. Bei einer Onlineumfrage der Kollegen von PC-Games.de berichten insgesamt rund zwei Drittel der Teilnehmer(öffnet im neuen Fenster) , dass sie dank besserer Effekte zufrieden oder sogar begeistert sind - allerdings ist die Datenbasis nicht repräsentativ. Im offiziellen Forum von Crytek(öffnet im neuen Fenster) ergibt sich allerdings ein ähnliches Bild. Auffällig sind die vielen Nachfragen nach den Highres-Texturen, die nicht aktivierbar sind. Das scheint in den meisten Fällen schlicht daran zu liegen, dass die Nutzer ihr Windows nicht im 64-Bit-Modus betreiben; Crytek hatte klar auf diese Bedingung hingewiesen. Ebenfalls positiv: Obwohl die Entwickler traditionell eng mit Nvidia zusammenarbeiten, ist uns keine besondere Häufung von Problemen mit AMD-Grafikkarten aufgefallen - nach der Veröffentlichung von Crysis 2 war das noch anders.
Benchmarks mit AMD- und Nvidia-Grafikkarten
Die neuen Grafikeffekte fordern aber zusätzliche Rechenleistung, und zwar auf AMD-Karten deutlich mehr als bei Nvidia-Konfigurationen. So kam in derselben Szene ein Rechner mit Core i7-2600 und Nvidias GTX 570 mit 1,5 GByte RAM bei 1.680 x 1.050 Pixeln in der Detailstufe nach dem Patch im DirectX-9-Modus "Ultra" auf 74 fps. Dieser Wert verringerte sich nur auf 61 fps, nachdem der DirectX-11-Patch installiert und genutzt wurde.
Auf einem anderen System mit Core i7-870 und einer Radeon HD 6950 mit 2 GByte lief das Spiel mit dem Patch 1.9 im DirectX-9-Modus bei 1.920 x 1.200 Pixeln und den Standardtexturen beim Detailgrad "Extreme" mit 42,9 Bildern pro Sekunde. Bei "Ultra" ergaben sich nur noch 30,6 fps. Verwendet wurde stets der aktuelle Catalyst 11.6.

Nachdem wir den DirectX-11-Patch installiert und aktiviert hatten, erreichte der Rechner bei unveränderten Einstellungen 39,7 fps im Extreme- und 24,8 fps im Ultra-Detailgrad. Diese Werte scheinen fest vorgegeben zu sein, denn ein nochmaliger Leistungsabfall mit den Highres-Texturen war nicht festzustellen: 39,0 und 25,0 fps ergaben sich mit den Einstellungen Extreme beziehungsweise Ultra bei Verwendung der neuen Pixeltapeten.













Anders als bei früheren "The way it´s meant to be played"-Spielen scheint die Bremse nicht mehr alleine bei der Bewegungsunschärfe zu sitzen. Ein Abschalten von "Motion Blur" auf dem AMD-System brachte nur Verbesserungen im einstelligen Prozentbereich. Nvidias höhere Tessellationsleistung scheint sich hier erstmals in einem Spiel deutlich auszuwirken. Grafikfehler, die sich von den gelegentlich defekten Clippings auf Nvidia-Rechnern unterscheiden, ergaben sich diesmal jedoch nicht.
Damit sieht Crysis 2 auch mit AMD-Grafikkarten und den Patches nun wesentlich besser aus als bisher. Auch eine 200-Euro-Karte wie die Radeon HD 6950 reicht nun aber nicht mehr aus, um das Spiel wirklich flüssig mit allen Optionen in Full-HD-Auflösung zu spielen. Dass AMD mit neuen Treibern nachbessert, ist mehr als wahrscheinlich.
Für Fans von Cryis 2, die selbst gerne basteln, hat Crytek noch einen höchst interessanten Nachschlag für das Update angekündigt: Am Mittwoch, dem 29. Juni 2011, soll auch die neue Version des Sandbox-Editors offiziell als Download verfügbar sein. [von Nico Ernst und Peter Steinlechner]



