Großbritannien: Teenager wird wegen DDoS-Attacken angeklagt

Die Londoner Polizei hat Details zu der Verhaftung des 19-jährigen Mannes aus Wickford in der südostenglischen Grafschaft Essex bekanntgegeben. Ihm werden fünf Verstöße gegen bestehendes Recht zur Last gelegt(öffnet im neuen Fenster) . Der Mann ist in Haft und soll am heutigen Vormittag einem Richter vorgeführt werden.
Botnetz aufgebaut
Die Behörden werfen ihm vor, zusammen mit anderen ein Botnetz aufgebaut zu haben, um darüber Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) durchzuführen, was einen Verstoß sowohl gegen den Criminal Law Act(öffnet im neuen Fenster) als auch gegen den Computer Misuse Act(öffnet im neuen Fenster) darstellt.
Des Weiteren soll der Mann an drei DDoS-Attacken in den vergangenen Monaten beteiligt gewesen sein. Darunter ist der Angriff auf die Strafverfolgungsbehörde Serious Organised Crime Agency(öffnet im neuen Fenster) (Soca), den die Gruppe Lulz Security (Lulzsec) nach eigenen Angaben(öffnet im neuen Fenster) am 20. Juni 2011 durchgeführt hat. Die beiden anderen Attacken fanden im Herbst 2010 statt. Sie richteten sich gegen den Verband der britischen Musikindustrie (British Phonographic Industry, BPI) und den Weltverband der Phonoindustrie (International Federation of the Phonographic Industry, IFPI).
Zusammenarbeit von Scotland Yard und FBI
Die Verhaftung geht auf eine Zusammenarbeit der Londoner Polizei mit dem FBI zurück. Die US-Bundespolizei war bei der Untersuchung mehrerer spektakulärer Aktionen von Lulzsec auf den Mann gestoßen. Das FBI verdächtige ihn, bei den Angriffen auf den US-Senat , den US-Geheimdienst CIA sowie auf das Unternehmen Sony mitgemacht zu haben, berichtet die britische Tageszeitung Daily Telegraph(öffnet im neuen Fenster) .
Zudem soll er an Planungen für einen Angriff auf das soziale Netz Facebook beteiligt gewesen sein. Ob ein solcher Angriff durchgeführt wurde, ist unklar. Facebook wollte sich gegenüber der Zeitung dazu nicht äußern. FBI-Beamte wollen den 19-Jährigen zu diesen Vorgängen befragen.
Lulzsec oder nicht Lulzsec
Lulzsec leugnet indessen weiterhin, dass der Mann ein Mitglied der Gruppe ist. Lulzsec habe lediglich "einen unserer vielen Chaträume" auf dessen Server betrieben, erklärte(öffnet im neuen Fenster) die Gruppe bei Twitter. Sie nutze diverse IRC-Server, ohne dass deren Betreiber zu der Gruppe gehörten, heißt es in einem anderen Tweet(öffnet im neuen Fenster) . Scotland Yard selbst hat bisher Lulzsec auch nicht im Zusammenhang mit der Verhaftung genannt.
Dem Verdächtigen werde die Attacke auf Soca zur Last gelegt, schreibt(öffnet im neuen Fenster) Lulzsec. "Vielleicht hat er Soca nach uns angegriffen? Sie war verdächtigerweise nochmal offline, nachdem wir sie wieder online gehen lassen haben." Mit den Angriffen auf die IFPI und die BPI habe Lulzsec nichts zu tun(öffnet im neuen Fenster) .
Für den 24. Juni hat Lulzsec eine weitere Aktion mit dem Decknamen Payload #1 angekündigt(öffnet im neuen Fenster) .