Test Infamous 2: Der elektrische Fahrradkurier kämpft weiter

Wer das erste Infamous gespielt hat, kann nahtlos den zweiten Teil starten. Das Spiel beginnt fast genau dort, wo der Vorgänger endete. Aber nur fast, denn ein Monster hat Coles Heimatstadt Empire City zerstört und dafür gesorgt, dass er in die Südstaatenmetropole New Marais umsiedeln musste. Dort nimmt er die Verfolgung eines Oberbösewichts auf, muss aber, bevor er ihn trifft, zahlreiche Missionen und Aufträge abarbeiten. Das kann selbstredend nur dank seiner elektrischen Stromschlagsuperkräfte gelingen. Ihre Kapazität lässt sich im Spielverlauf immer weiter ausbauen. An Stromleitungen oder Generatoren lädt er sich auf und kann die Energie fortan nutzen, um zum Beispiel Blitze auf Kontrahenten zu schleudern.

MacGrath kann sich auf verschiedene Arten durch das frei begehbare New Marais bewegen. Er kann laufen, kurz fliegen sowie an Hauswänden und Laternenmasten entlangkraxeln oder auf Stromleitungen gleiten. Die Steuerung ist denkbar einfach: Per Knopfdruck erklimmt der wendige Superheld jedes Objekt oder rast wie auf Schienen durch die Metropole.




















In der Stadt warten zahlreiche Bewohner mit Aufträgen auf Cole. Die reichen von einfachen Transport- oder Befreiungsaktionen bis hin zu Missionen, in denen sich Cole für eine Seite entscheiden muss. Wie im ersten Teil ist es freigestellt, ob er sich zum Helden oder zum Feind der Stadt entwickelt. Welche Aktion dabei welche Auswirkungen hat, ist immer klar ersichtlich. Wer in Feuergefechten wenig Rücksicht auf das Leben von Zivilisten nimmt oder Demonstranten verprügelt, muss sich nicht wundern, wenn ihn die Stadteinwohner irgendwann mit Steinen bewerfen. Helden hingegen unterstützen die Polizei, bekommen auch mal Applaus und erstrahlen in hellem Licht.
Böser und guter Superheld
Egal welchen Weg der Spieler einschlägt, in beiden Fällen gibt es ein beeindruckendes Arsenal an Waffen und die Möglichkeit, im Spielverlauf durch das Einsammeln von Erfahrungspunkten immer neue Extras und Aktionen zu gewinnen. Außer mit grundlegenden Dingen wie Blitzen und Granaten für Feuerangriffe kann Cole sich auch im Nahkampf mit einer Art elektrischem Schlagstock wehren. Für erledigte Gegner und zerstörte Anlagen kommen dann neue oder mächtigere Attacken dazu, etwa Scharfschützenfunktionen und die Möglichkeit, ein Gewitter auszulösen.

Ähnlich wie die Kletterpassagen sind auch die Kämpfe denkbar einfach zu bedienen – zumindest, solange sich Cole auf den Fernkampf beschränkt und etwa von Stromleitungen während der rasanten Fahrt Granaten um sich schmeißt oder von Hausdächern aus agiert. Stürzt er sich direkt in den Kampf, kann dies aufgrund der nicht immer günstigen Kamerapositionen und der teils großen Gegnermengen zu einer unübersichtlichen und chaotischen Angelegenheit werden.




















Optisch bietet das bei Sucker Punch(öffnet im neuen Fenster) entwickelte Infamous 2 deutliche Fortschritte gegenüber dem ersten Teil. Nicht nur MacGrath selbst, auch die neue Stadt ist detailreicher und vor allem farbenfroher. Nur gelegentlich trüben kurze Ruckler, mangelnde Fernsicht und die störrische Kamera das insgesamt positive Gesamtbild.
Infamous 2 ist nur für Playstation 3 erhältlich und kostet etwa 60 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Es enthält übrigens auch einen Missionseditor, mit dem der Spieler eigene Levels erstellen und anderen online zur Verfügung stellen kann – dank einfacher Bedienung und vielfältiger Möglichkeiten ein nettes Extra. Das Spiel ist aufwendig lokalisiert, aber wer lieber auf Englisch spielt, kann die Sprache laut den Kollegen von Videogamezone.de(öffnet im neuen Fenster) ganz bequem in den Optionen umstellen.
Fazit
Bessere Story, schönere Grafik und mehr Extras, Waffen und Wumms: Infamous 2 setzt auf die Stärken des ersten Teils und bessert an vielen Stellen gekonnt nach. Spielerisch halten sich die Veränderungen allerdings in Grenzen. Wer den ersten Teil wegen der flotten Action oder der offenen Spielewelt mochte, wird mehr als zufrieden sein. Wer schon damals abwechslungsreichere Missionen und ein geschmeidigeres und komplexeres Bewegungssystem haben wollte, muss auf Teil 3 hoffen.



