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Test Dungeon Siege 3: Rollenspielspaß mit den Fantasy 4

Vier Helden, drei Machtblöcke, zwei Kampfhaltungen und das alles in einem Königreich: Mit Dungeon Siege 3 wagt die Rollenspielreihe einen Neuanfang - und gewinnt zumindest auf der Konsole mit einer stimmigen Welt, herausfordernden Gefechten und dem Anstacheln der guten alten Sammellust.
/ Peter Steinlechner
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Dungeon Siege 3 (Bild: Square Enix)
Dungeon Siege 3 Bild: Square Enix

Einerseits: Dungeon Siege ist eine der wenigen Rollenspielreihen, die es mit ganz großem Staraufgebot ins Kino geschafft haben. In Schwerter des Königs(öffnet im neuen Fenster) treten immerhin Jason Statham, Burt Reynolds, Ray Liotta und weitere Hollywoodgrößen auf. Andererseits: Regisseur des Streifens war Trash-König Uwe Boll . Und eigentlich waren schon die beiden ersten Games weder bei den Kritikern noch an der Kasse so richtig erfolgreich. Jetzt also Dungeon Siege 3. Statt des Erfinders Gas Powered Games war Obsidian Entertainment(öffnet im neuen Fenster) (unter anderem Fallout New Vegas ) für die Entwicklung zuständig. Inhaltlich ist das Rollenspiel eher ein Neuanfang als eine Fortsetzung. Immerhin spielt die Handlung erneut in der Fantasywelt Ehb, und auch die mysteriös-übermächtige Jayne Kassynder taucht wieder auf.

Dungeon Siege 3 - Test
Dungeon Siege 3 - Test (03:49)

Ihrem bösen Treiben ein Ende zu bereiten, gleichzeitig der Fraktion um die junge Königin Rosyln zu dienen und der eigenen Armee der 10. Legion zu neuem Glanz zu verhelfen, ist Aufgabe des Spielers. Die Story wirkt auf den ersten Blick komplex und entpuppt sich auch später als nicht allzu sehr dem üblichen Gut-Böse-Schema verhaftet - verständlich bleibt sie trotzdem. Sie wird zu großen Teilen nicht in animierten Zwischensequenzen erzählt, sondern fast wie in einem Hörbuch von einem weisen alten Mann zu Kamerafahrten über minimalistisch animierten Kreidezeichnungen vorgetragen. Allerdings: Wer ohne allzu großen Zeitverlust durch die Kämpfe kommt, sieht nach 10 bis 15 Stunden bereits den Abspann.

Der Spieler darf in Dungeon Siege 3 keinen eigenen Charakter basteln, sondern muss sich seinen Favoriten unter vier Helden aussuchen. Da ist der adelige Schwertritter Lucas Montbarron sowie eine weibliche Feuerkreatur namens Anjali, die im Nahkampf per Stab und im Fernkampf mit Flammenbällen antritt. Ebenfalls ein Hybridcharakter ist ein gewisser Reinhart Manx, der mit Hilfe arkaner Technik wie seinem magischen Handschuh "zaubert". Wer Fernkämpfer mag, wählt die rassige Katarina. Kleine Teile der Zwischensequenzen und der Handlung ändern sich je nachdem, mit welcher Hauptfigur der Spieler antritt; im Großen und Ganzen erlebt er aber immer das gleiche Abenteuer.

Von den nicht gewählten Figuren steht jeweils eine im Singleplayermodus als computergesteuerter, sehr zuverlässig mitkämpfender Begleiter zur Verfügung. Wer mit auf Reisen geht, kann der Spieler fast jederzeit wieder neu festlegen. Seine oder ihre Rolle kann am gleichen Bildschirm übrigens an beliebiger Stelle ein menschlicher Kumpel übernehmen. Im Online-Koop-Modus dürfen sogar vier Spieler gemeinsam der Handlung folgen. Unschön insbesondere für PC-Spieler: Anders als bei Titeln wie Diablo 2 ist es nicht möglich, seinen eigenen - etwa hochstufigeren - Helden in die Welt zu entsenden, außerdem können sich die Charaktere nur im jeweils sichtbaren Kameraausschnitt bewegen.

Spannende Abenteuer in Nebenquests

Spieler können selbst bestimmen, ob sie der Haupthandlung folgen oder sich auch noch um Aufträge am Wegesrand kümmern. Dann müssen sie den ermordeten Mann einer Witwe rächen, ein Flussmonster töten oder das Geheimnis einer Gruft erforschen. Die Nebenmissionen sind vergleichsweise aufwendig gestaltet und bringen den Spieler immer wieder mal in Gebiete, die er sonst nicht zu sehen bekäme - ein paar simple Botengänge sind aber auch mit dabei. Auf Knopfdruck zeigen leuchtende Markierungen direkt auf dem Boden ähnlich wie in Fable den jeweils kürzesten Weg zum nächsten Einsatzziel. Anders als in Fable geht dadurch in Dungeon Siege 3 das Gefühl für eine zusammenhängende Welt nicht so stark verloren, weil es keine harten Übergänge - sprich: Ladebildschirme - gibt, sondern das Königreich aus einem Stück besteht und nur gelegentlich im Hintergrund kaum spürbar neue Landschaften nachlädt.

Wer gerade nicht mit Auftraggebern oder Kumpanen plaudert oder reist, befindet sich so gut wie sicher im Kampf. In Wäldern und Höhlen lauern Banditen, Riesenspinnen und andere Biester. Dazu kommen, meist am Ende einer Mission, noch Endgegner. Spätestens die stellen auch im einfachsten der drei Schwierigkeitsgrade mitunter eine größere Herausforderung dar: Sie greifen oft mit massiver Unterstützung von Standardgegnern an und feuern mit verheerender magischer Energie - der Spieler allerdings meist ganz gut ausweichen können. Außerdem verfügen die Bossmonster über einen eingeblendeten extralangen Lebensbalken und teils über Zauberschutz. Wie der jeweils auszuhebeln ist, muss der Spieler selbst herausfinden. Der Spielstand lässt sich an den zahlreichen, gut platzierten Speicherstellen sichern.

Dungeon Siege 3 - Teaser-Trailer
Dungeon Siege 3 - Teaser-Trailer (00:52)

Jede der Figuren verfügt über zwei Kampfmodi. Anjali tritt wahlweise in Menschengestalt in Nahkämpfen an, oder als Feuerwesen mit flammendem Haar und einer Spezialisierung auf größere Distanzen. Bei den anderen Charakteren sind die Unterschiede weniger groß - Katarina etwa wechselt lediglich von der Flinte zur Nahkampf-Schrotflinten. Alle sammeln Erfahrungspunkte und steigen regelmäßig im Spielverlauf auf. Bei jedem neuen Level lassen sich gleich mehrere Fähigkeiten wie Kampfkönnen, Verteidigungswerte oder Selbstheilungskräfte den persönlichen Vorlieben anpassen. Außerdem sorgen Massen an Rüstungen, Waffen und Amuletten mit unterschiedlichen, meist sehr spürbaren Auswirkungen für rasch wachsende Kräfte.

Dungeon Siege 3 ist für Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC erhältlich; die Preise liegen im üblichen Rahmen, betragen also rund 60 Euro für die Konsolenfassungen und knapp 50 für die PC-Version. Während die Grafik am leistungsstarken PC deutlich besser aussieht, insbesondere dank der feineren Texturen, gefällt uns die auch am PC verfügbare Steuerung mit Konsolencontroller statt Maus und Tastatur besser. Die PC-Version verwendet eine einmalige Registrierung bei Steam als Kopierschutz. Das Spiel ist vollständig lokalisiert, die Texte sind einwandfrei übersetzt, die Sprecher sehr gut ausgesucht. Die USK hat eine Freigabe ab zwölf Jahren erteilt.

Fazit

Die Handlung ist spannend, die Welt wirkt interessant und stimmig, Kampf- und Rollenspielsystem sind durchdacht und die vier Helden bieten Abwechslung: Mit Dungeon Siege 3 liefert Obsidian Entertainment ein solides Abenteuer ab. Dem Spiel mangelt es zwar an echten Highlights, aber von der ersten Minute an macht es Spaß, sich durch die Welt zu kämpfen. Regelmäßig tut sich was, und es gibt frische Gegenstände, einen Levelaufstieg oder eine Überraschung in der Story. Frust kommt einzig bei den teils sehr herausfordernden Kämpfen gegen Oberbosse auf.

Zurückhaltung ist allerdings für eingefleischte PC-Fans angesagt. Trotz der etwas besseren Grafik wirkt Dungeon Siege 3 wie eine Konsolenumsetzung. Klassische PC-Rollenspieltugenden, insbesondere in Sachen Multiplayer, gibt es schlicht nicht, und sogar die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig. Wer allerdings nur nach ein paar Stunden spannender Unterhaltung in der - kurzen - Kampagne sucht, kann auf alle drei Plattformen zugreifen.


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