Test Alice - Madness Returns: Wahnsinn im Wunderland

Die arme Alice! Sie ist älter geworden, aber besser geht es ihr nicht. Immer noch plagen sie Alpträume, ausgelöst durch den gewaltsamen Feuertod ihrer Eltern vor elf Jahren. Alice gibt sich die Schuld an den Vorkommnissen. Nach ihrem ersten Abstecher ins Wunderland im 2000 veröffentlichten American McGee's Alice muss sie jetzt in Madness Returns erneut dorthin aufbrechen, um dort aufzuräumen und so die Bilder und Stimmen in ihren Träumen ruhigzustellen.

Das Wunderland ist kein heimeliger Platz. Böse Kräfte sorgen dafür, dass die skurrilen Figuren und schaurig-schönen Schauplätze von Tod und Verzweiflung umgeben sind. Um sich der Gefahren zu erwehren, muss Alice einerseits zu den Waffen greifen und sich gegen immer neue Gegner wehren, andererseits aber auch zahlreiche knifflige Hüpf- und Sprungpassagen überstehen. Für die Gefechte steht ein kleines Arsenal aus ungewöhnlichen Waffen und Fähigkeiten bereit: angefangen bei scharfen Klingen und einer als Maschinengewehr fungierenden Pfeffermühle, bis hin zu Extras wie der Möglichkeit zu schrumpfen oder sich in Schmetterlinge aufzulösen und so den gegnerischen Attacken zu entgehen.












Allerdings sind die Kämpfe nicht sonderlich abwechslungsreich: Letztlich gibt es nur vier echte Waffen, und die Gegnertypen wiederholen sich oft. Wirkliche Taktik ist fast nur bei den wenigen Endgegnern gefragt. Zudem verursachen die ungenaue Zielerfassung und die oft schlecht positionierte Kamera im Kombination mit den teils in großen Massen ankommenden Kontrahenten immer wieder Frust.
Kameraprobleme beim Kämpfen
Frust ist auch das Stichwort für die Geschicklichkeitsherausforderungen: Über Pilze, bewegliche oder transparente Plattformen hüpft es sich trotz Kombosprüngen und der Möglichkeit zu gleiten aufgrund von Kameraproblemen oft nicht angenehm, zumal meist perfektes Timing gefragt ist. Zahlreiche Bildschirmtode sind die Folge. Auch bei der Langzeitmotivation patzt die neue Alice. Vieles wiederholt sich, neue Ideen im Spielablauf sind selten, die Rätsel beschränken sich oft auf einfaches Schalterumlegen. Minispiele und Auflockerung in Form einer Retro-Shooter-Passage gibt es zwar, allerdings wirken diese Stellen aufgesetzt.












Rundum gelungen ist dafür wieder die Inszenierung. Weniger aufgrund der Detailfülle, denn die hätte in einigen Bereichen angesichts der grauen und matschigen Texturen durchaus besser sein dürfen. Dafür überzeugen die Charaktere, angefangen von der Grinsekatze über die Kartensoldaten bis zum Hutmacher, die Szenerien und die Story. Das Wunderland strotzt vor abgedrehten Ideen und hat viel Atmosphäre zu bieten, ebenso wie die kurzen Passagen im viktorianischen London, die Alice ebenfalls durchläuft.
Alice Madness Returns ist für Windows-PC, Playstation 3 und Xbox 360 im Handel erhältlich und kostet etwa 40 Euro (PC) beziehungsweise 60 Euro (Konsole). Die PC-Fassung muss als Kopierschutz beim EA-Portal Origin einmal registriert werden. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit
Jede Menge Atmosphäre, viel Stil und ein abgedrehtes Szenario machen das neue Alice-Spiel zu einer stimmungsvollen Angelegenheit. Leider enttäuscht das eigentliche Spiel: Monotone Kämpfe, teils frustrierende Geschicklichkeitspassagen und zu wenig gute Rätsel lassen den Titel im spielerischen Mittelmaß. Die Meinungen in der Redaktion gingen in diesem Fall sehr weit auseinander: Die einen wollten wegen der Atmosphäre unbedingt weiterspielen, die anderen hatten dazu aufgrund der spielerischen Schwächen – etwa Kameraprobleme kombiniert mit Gegnermassen – gar keine Lust.



