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BSI: Zahl der Schwachstellen in Software nimmt bedrohlich zu

Schwachstellen in Anwendungsprogrammen und Softwarekomponenten sind per Drive-By-Exploits der neue Hauptangriffspunkt für Cyberkriminelle geworden. "Schadprogramme haben nur eine Einsatzdauer von wenigen Tagen, bevor sie durch eine neue Variante ersetzt werden, die nicht mehr von Virenschutzprogrammen entdeckt wird" , erklärte das BSI.
/ Achim Sawall
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Eröffnung des Nationalen Cyberabwehrzentrum in Bonn (Bild: Wolfgang Rattay/Reuters)
Eröffnung des Nationalen Cyberabwehrzentrum in Bonn Bild: Wolfgang Rattay/Reuters

Die Zahl der Schwachstellen in Softwareprodukten nimmt zu. Das gab das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Eröffnung des Cyberabwehrzentrums in Bonn bekannt. "Zwar verlieren Sicherheitslücken in Betriebssystemen für die Angreifer zunehmend an Bedeutung. Stattdessen rücken aber Schwachstellen in Anwendungsprogrammen und Softwarekomponenten von Drittanbietern in den Fokus. Diese Entwicklung ist insbesondere kritisch in Anbetracht des hohen Verbreitungsgrades solcher Anwendungen" , heißt es in dem BSI-Bericht (PDF)(öffnet im neuen Fenster) "Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2011" .

Die größte Gefahr für die Ausnutzung von Sicherheitslücken bestünde durch Drive-By-Exploits, bei denen der Besuch einer manipulierten Internetseite ausreicht, um einen Rechner mit Schadsoftware zu infizieren. Mittlerweile sei dafür die Manipulation auch seriöser Webseiten gängige Praxis. Die Installation von Malware könne dann unbemerkt und ohne weiteres Zutun des Nutzers erfolgen. "Typische Schadprogramme haben heute nur eine Einsatzdauer von wenigen Tagen, bevor sie durch eine neue Variante ersetzt werden, die nicht mehr von Virenschutzprogrammen entdeckt wird" , erklärte das BSI.

Die Bedrohung durch Botnetze habe in den vergangenen zwei Jahren massiv zugenommen. Software-Bots würden entweder für Angriffe professionell vermietet oder dienten dem politischen Hacktivismus.

Durch "die Unsicherheit der GSM-Schnittstelle" und die Zunahme der Verbreitung von Smartphones, Tablet-PCs und Netbooks erwartete das BSI eine Zunahme von Angriffen gegen mobile Endgeräte. Die Verschlüsselung beim GSM-Standard ist "nicht mehr auf dem Stand der Zeit" und Werkzeuge zum Abhören seien "längst verfügbar" .

Beim gewinnträchtigen Identitätsdiebstahl hätten sich hochprofessionelle Strukturen entwickelt. Angreifer nutzten trojanische Pferde, um die Zugangsdaten zu Handelsplattformen und zu Webmaildiensten zu erbeuten, über die sie dann weitere Zugangsdaten erlangten.

Die Anzahl der Spammails ist rückläufig, rechnete das BSI vor. Der digitale Werbemüll macht aber immer noch 96,1 Prozent des gesamten E-Mail-Aufkommens aus. Sprache und Inhalte der Spammails seien "überzeugender" geworden. Deutschland liegt unter den Spam-Versender-Nationen hinter den USA, Brasilien und Indien weltweit auf Rang 4.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte am Rande der Eröffnung des Cyberabwehrzentrums dem Fernsehsender Phoenix: "Ich glaube, man muss sich darüber im Klaren sein, dass es kein Netz mehr gibt, von dem man sagen kann, dass es absolut sicher ist. Wir werden immer versuchen müssen, in einem Wettlauf der Technologie den Hackern einen Schritt voraus zu sein." Hierfür diene das neue Cyberabwehrzentrum. Es solle vor allem zur Verhinderung von Cyberangriffen beitragen, so der Minister.


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