IMHO: Lulzsec nervt

Lulzsec(öffnet im neuen Fenster) ist spätestens seit den DDoS-Attacken vom Dienstag nicht mehr cool. Die Crackertruppe hat an dem Tag mit ihrem "Lulz Cannon" getauften Botnet auch das Spielemagazin The Escapist, die Onlinespiele Eve Online , League of Legends und die Server des Independent-Kultspiels Minecraft zumindest zeitweise geplättet. Zuvor hatte sie einen " Titanic Takeover Tuesday " ausgerufen und dazu aufgefordert, über eine Telefonhotline DDoS-Angriffsziele vorzuschlagen(öffnet im neuen Fenster) .
Ehrenhaftigkeit Fehlanzeige
Damit wird immer offensichtlicher, dass Lulzsec ohne Schema vorgeht, von Hackerethik nichts hält und dass es der Gruppe nur darum geht zu stänkern. Sicherheitslücken nutzt sie lediglich, um die betroffenen Unternehmen und ihre Kunden zu verspotten. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von Anonymous , einer Gruppierung, die zwar auch fragwürdige DDoS-Angriffe ausführt, aber für sich wenigstens in Anspruch nimmt, aus moralischen Gründen zu handeln. Für Lulzsec hingegen ist es lediglich wichtig, andere bloßzustellen und sich an den Folgen zu ergötzen.
Das wurde schon in den Tagen vor dem Titanic Takeover Tuesday immer deutlicher: Jeden Tag musste wieder eine Webseite dran glauben – selbst Seiten von Unternehmen, die Lulzsec angeblich mag. Aus dem internen Netz von Bethesda Softworks klauten die Cracker nach eigenen Angaben heimlich den Quellcode von Spielen und baten gleichzeitig dreist die Entwickler um einen Gefallen: Sie sollten doch bitte The Elder Scrolls 5: Skyrim schneller fertigstellen.
Keine Gnade
Liegt ein Unternehmen bereits am Boden, Beispiel Sony, bei dem die vorhandenen Sicherheitslücken bereits offenlagen, dann treten die Cracker von Lulzsec genüsslich nach. Auch die Nutzer der angegriffenen Webdienste werden gnadenlos mit abgestraft – ihre E-Mail-Adressen und Passwörter landen für jeden einsehbar im Netz. Für eine weitere Schädigung der Betroffenen hat Lulzsec auch noch Ideen: Die Cracker haben dazu aufgerufen, die fast 26.0000 Nutzer eines unspektakulären Pornoportals bei ihren Kollegen und Familien zu diskreditieren – weil es so lustig ist, sich am Elend anderer zu weiden.
Wenig Humor zeigen die Cracker allerdings, wenn sie selbst angegriffen werden, und sei es nur verbal. Seit dem sinnlosen Machtspiel mit wahllos erscheinenden DDoS-Angriffen auf Webseiten und Onlinespiele mehrt sich die Kritik auch bei Lulzsecs Anhängern. Vor allem die Angriffe auf Eve Online und Minecraft nahmen viele persönlich – wenig überraschend, denn beide Spiele sind stark communitygetrieben und ihre Betreiber in regem Austausch mit den Kunden.
Imponiergehabe
Lulzsec antwortete über den eigenen Twitter-Feed auf die Kritik(öffnet im neuen Fenster) teils mit Beleidigungen(öffnet im neuen Fenster) ( "Heulsusen" ), teils mit Enttäuschung(öffnet im neuen Fenster) ( "Gamer [...] glauben, wir können nur DDoS. :-(" ). Außerdem drohte Lulzsec unverhohlen allen, die sich mit der Gruppe anlegen, darunter etwa 4Chan-Nutzer, die jetzt nach Lulzsec-Mitgliedern jagen und bereits ersten Hinweisen nachgehen. Mit der Lulz Cannon sei nicht zu spaßen(öffnet im neuen Fenster) , warnten die Cracker gestern über Twitter.
Heute hat Lulzsec sich bei den Anrufern bedankt(öffnet im neuen Fenster) , die die DDoS-Angriffe auf Eve Online, League of Legends und Minecraft gewünscht hatten. Eve Online soll heute Abend offenbar noch einmal ins Visier der Cracker genommen werden, wie aus einer Lulzsec-Ankündigung(öffnet im neuen Fenster) zu entnehmen ist. Auch hat es heute wieder weitere Onlinespiele und Webseiten getroffen.
Lulzsec mag fähig sein, Websites zu hacken und mit ihrem Botnet auszuschalten. Unseren Respekt verdient die Gruppe deshalb nicht.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).



