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Privatsphäre

Teilen bedeutet Kontrollverlust

Versehentlich 1.500 Leute zum Geburtstag geladen? Kontrollverlust ist kein Fehler im System sozialer Netzwerke. Er ist Teil der Idee, mit der wir lernen müssen zu leben.

Artikel veröffentlicht am , Kai Biermann/Zeit Online
Jugendliche feiern nach einem Facebook-Aufruf am 1. Juni in Nantes eine Straßenparty.
Jugendliche feiern nach einem Facebook-Aufruf am 1. Juni in Nantes eine Straßenparty. (Bild: Frank Perry/AFP/Getty Images)

Jeder vierte Teenager schützt in sozialen Netzwerken sein Profil nicht gegen Blicke von außen, meldete der Branchenverband Bitkom vor einigen Monaten unter Berufung auf eine Umfrage in Deutschland. 19 Prozent zeigten ihre Daten allen Mitgliedern des Netzwerks oder gar gleich allen Internetnutzern.

Inhalt:
  1. Privatsphäre: Teilen bedeutet Kontrollverlust
  2. Nur knapp 50 Prozent ändern die Einstellungen

Eine Hamburger Jugendliche lud versehentlich via Facebook Tausende zu ihrem 16. Geburtstag ein und konnte den Sturm nicht mehr stoppen. Mehr als 1.500 ungebetene Gäste kamen und randalierten vor dem Elternhaus, 100 Polizisten mussten sie von der Erstürmung abhalten.

Zwei Meldungen, ein Thema: Privatsphäre in sozialen Netzwerken. Wer von solchen Netzwerken redet, meint meistens Facebook - wegen der schieren Größe und wegen der legendär komplexen Einstellungsmöglichkeiten im Bereich Privatsphäre. Der Marktführer müht sich inzwischen, transparenter zu werden und seinen Nutzern mehr Kontrolle über die eigenen Daten zu geben. In den vergangenen Monaten wurde viel an der Seite verändert. Auch, um genauer darüber zu informieren, welche Dienste welche Daten abfragen und weitertragen. Wer will, kann inzwischen durchaus kontrollieren, was wohin geht.

Das aber sollte nicht von der Tatsache ablenken, dass Facebook nicht dazu gedacht ist, die Privatsphäre seiner Nutzer zu schützen. "Privacy is an interesting concept for a plattform, which is fundamentely designed about sharing." Diesen Satz sagte Richard Allan vor kurzem, er bedeutet: Wer etwas für sich behalten will, sollte nicht zu Facebook gehen. Allan ist Director EU Policy von Facebook und damit der oberste Lobbyist für den europäischen Markt. Er soll Politikern die Idee Facebook erklären.

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Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Der Konzern hat inzwischen auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Zitat Allan: "Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass jemand, der zu Facebook kommt, anderen etwas mitteilen möchte. Wer privat sein will, der postet nichts im Internet." Facebook ist ein System, das zu dem Zweck gebaut wurde, Informationen mit anderen zu teilen.

Selber schuld also, wer versehentlich Tausende Menschen zu sich nach Hause einlädt. Für Facebook ist damit die Debatte beendet, ebenso die Debatte über eine eventuelle Verantwortung für solche Probleme.

Ganz so leicht ist es aber nicht. Auch Autos sind dazu gedacht, sich schnell zu bewegen. Trotzdem brauchen sie Bremsen, falls jemand anhalten will. Und es ist Aufgabe der Autohersteller, solche Bremsen zu installieren. Und zwar so, dass der Fahrer sie im Ernstfall auch finden und bedienen kann.

Das haben auch die Entwickler Facebook begriffen. Unter dem Punkt "Privatsphäre-Einstellungen" gibt es inzwischen drei Ebenen - Vernetzen, Inhalte teilen, externe Anwendungen - mit jeweils vielen Unterpunkten, bei denen es gilt, Häkchen zu setzen. Jedes einzelne verändert, was andere über den Inhaber des Accounts erfahren können.

Nur knapp 50 Prozent ändern die Einstellungen 
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Anonymer Nutzer 07. Jun 2011

Nein, es stimmt nicht oder er hatte nicht bis zum Ende gedacht. Wir sind diese...

Lachser 07. Jun 2011

ich sehe das etwas anders. einerseits könnte man meinen, jeder sei selber schuld, wenn er...

lokke009 07. Jun 2011

Die Übersetzung bzw. das Fazit daraus ist aus dem Satz exakt so abzuleiten ? Wers auf...

antares 07. Jun 2011

Jetzt wissen wirs: Director EU Policy (@golem kann es sein dass da noch ein of oder for...

Me.MyBase 07. Jun 2011

... dazu noch ein Schlechter. Autos sind definitv nicht dazu erfunden worden um schnell...


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