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Spieletest Hector - Badge of Carnage: Derbe Typen, Sprüche und Rätsel

Ein trinkfester Cop als Held, dazu Omas mit Elektroschocker und gewalttätige Terroristen: Hector – Badge of Carnage hat wenig mit dem familienfreundlichen Entertainment typischer Adventures zu tun. Gerade deshalb bietet der Titel von Telltale Games gute Unterhaltung.
/ Thorsten Wiesner
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Hector - Badge of Carnage (Bild: Telltale Games)
Hector - Badge of Carnage Bild: Telltale Games

Hector ist kein Polizist, wie er im Lehrbuch steht. Er ist übergewichtig, meist betrunken und nicht gerade nett und freundlich im Umgang mit seinen Mitmenschen. Trotzdem ist ausgerechnet er die letzte Hoffnung der Kleinstadt Clappers Wreake, die ein gewalttätiger Terrorist ins Visier nimmt. Der will nicht länger mit ansehen, wie seine Heimat vor die Hunde geht, und greift deshalb zu den Waffen. Nur Hector wird zugetraut, den Gewalttäter zu besänftigen – blöd nur, dass der vermeintliche Retter nach einer durchzechten Nacht mal wieder in der Ausnüchterungszelle festsitzt, in der er sich offensichtlich selbst eingeschlossen hat.

Hector Badge of Carnage – Trailer
Hector Badge of Carnage – Trailer (01:25)

Die erste Aufgabe lautet also, aus dem selbst geschaffenen Gefängnis auszubrechen – und sich dabei mit dem derben Charme von Hector und seiner Umgebung vertraut zu machen. Die verdreckte Toilette benutzen, Müllhaufen durchwühlen, eine Angel aus Kondom und Schnürsenkeln basteln und dann im WC-Becken fischen: Wer Probleme mit Fäkalhumor und teils ekligen Rätseln hat, wird Hector kaum ins Herz schließen können. Trotzdem kann dem schroffen Burschen eine gehörige Portion Charme nicht abgesprochen werden: Wenn er Teenagern ihre Hosen klaut, Prostituierte beschimpft oder mit blöden Sprüchen den Terroristen verwirren möchte, hat das immer wieder einen äußerst hohen Unterhaltungswert – eine gewisse Abgebrühtheit beim Spieler vorausgesetzt.

Bedienung und Rätseldesign sind typisch für ein Point-and-Click-Adventure: Der Spieler untersucht Gegenstände per Mausklick und steckt sie damit ein oder wendet sie an. Gespräche führt er in Multiple-Choice-Manier. Per Klick auf ein Fragezeichensymbol lassen sich Tipps aufrufen, die Aufgaben sind aber nie wirklich schwer, sondern meist durch ein kleines bisschen Um-die-Ecke-denken zu lösen.

Derbe und ungehobelte Technik

Technisch wirkt der erste Teil der als Trilogie angelegten Serie eher unterdurchschnittlich – dem Spiel ist anzusehen, dass es zunächst für iPhone und iPod touch erschien und auch in einer Variante für iPad verfügbar ist. Die Hintergründe sind grob gezeichnet und meist statisch, die Animationen abgehackt, und immer mal wieder gibt es kleine Darstellungsfehler. Dafür ist die englische Sprachausgabe trotz etwas dumpfer Sounds durchweg gelungen – egal ob polnische Prostituierte oder schottischer Obdachloser, fast immer sind die Figuren gut getroffen. Allerdings finden sich auch hier technische Mängel, angefangen bei nicht synchronen Passagen bis hin zu einigen Momenten, in denen nur Untertitel verfügbar sind, aber keine Sprachausgabe.

Episode 1 von Hector – Badge of Carnage für Windows-PC und Mac OS kann bei Telltale Games(öffnet im neuen Fenster) für 10 US-Dollar heruntergeladen werden. Es ist etwa 500 MByte groß und bietet Unterhaltung für etwas mehr als drei Stunden. Die Episoden 2 und 3 sind bereits angekündigt und derzeit in Entwicklung. Für iPhone und andere iOS-Plattformen kostet die erste Episode in Deutschland rund drei Euro.

Fazit

Technisch kaum der Rede wert, inhaltlich aber große Unterhaltung: Hector ist spaßige Adventure-Kost für alle die, die sich an einem sex- und alkoholsüchtigen Polizisten ebenso wenig stören wie an überzeichneter Gewalt und derben Flüchen. Allen kleineren Mankos zum Trotz vergeht die Spielzeit wie im Fluge. Wer über die nötigen Englischkenntnisse verfügt, sollte sich dieses ungewöhnliche und politisch gänzlich unkorrekte Adventure nicht entgehen lassen.


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