Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Prozessoren: Intel will viel sparsamere PCs - und endlich auch Tablets

Auf seiner jährlichen Investorenkonferenz hat Intel bekanntgegeben, dass ab 2012 alle Prozessoren für mobile Geräte des Unternehmens deutlich sparsamer werden sollen. Das soll für dünnere Notebooks und auch Tablets mit Intel-CPUs sorgen.
/ Nico Ernst
22 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die Vision vom Intel-Tablet 2012 (Bild: Intel)
Die Vision vom Intel-Tablet 2012 Bild: Intel

Unter der Überschrift "Wir erfinden den PC neu – schon wieder" hat Intel-Vize David Perlmutter einen Vortrag gehalten, der als Neuausrichtung von Intels Strategie bei mobilen Geräten gewertet werden kann. Der Chef der Prozessorabteilung nannte das einen "historischen Wandel in unserer Roadmap" .

Beginnend mit dem Sandy-Bridge -Nachfolger mit dem Codenamen Ivy Bridge sollen ab Anfang 2012 Leistungsaufnahmen von 10 bis 15 Watt der Standard für Notebook-CPUs von Intel werden. Bisher kommen nur die teuren und vergleichsweise langsamen Ultra-Low-Voltage-CPUs (ULV) in diese Regionen. Die Standardleistungsaufnahme (TDP) für Intels Notebookprozessoren liegt seit Jahren unverändert bei 25 bis 45 Watt.

In der Praxis erreichen nur die schnellsten CPUs diese Werte, die Hersteller mobiler Geräte müssen ihre Kühlsysteme aber stets auf diese Maximalwerte ausrichten – oder darauf vertrauen, dass die Schutzmechanismen wie das "Thermal Throtteling" den Prozessor vor dem Hitzetod bewahren. Das reduziert jedoch die Rechenleistung und kommt bei Kunden schlecht an, wenn der Trick bemerkt wird.

Wie Intel mit Ivy Bridge und dessen für 2013 geplantem Nachfolger Haswell die niedrigere Leistungsaufnahme erreichen will, erklärte Perlmutter nicht genau. Er verwies jedoch auf "Intels führende Fertigungstechnik" , womit offenbar die Trigate-Transistoren für die 22-Nanometer-Fertigung gemeint sind. Wie Intel bereits darlegte, kann diese dreidimensionale Bauform entweder für höhere Schaltgeschwindigkeiten oder niedrige Leistungsaufnahme genutzt werden. Bei den Mobilprozessoren der Zukunft dürfte Intel wohl den Schwerpunkt aufs Stromsparen legen.

Das Ergebnis sollen unter anderem Tablets werden, welche die Rechenleistung eines PCs erreichen und trotzdem 10 Stunden Akkulaufzeit bieten – ein Wert, der auch von den bisherigen Geräten dieser Kategorie mit Ausnahme des iPads selten erreicht wird. Dafür sieht Intel aber erst 2013 als Ziel, und welche Prozessorserie diese Geräte antreiben soll, sagte Perlmutter nicht.

Atom schon 2014 mit 14 Nanometern

Der Intel-Vize wies aber nochmals auf die kürzlich beschleunigte Entwicklung des Atom-Prozessors hin. 2013 soll mit Silvermont der erste Atom mit 22 Nanometern Strukturbreite auf den Markt kommen, und 2014 schon das bisher unbekannte Design Airmont mit 14 Nanometern. Diese nächste Verkleinerung der Schaltungen hatte Intel bisher noch nicht angekündigt. Die Atoms sollen künftig in zahlreichen Varianten mit Leistungsaufnahmen von 500 Milliwatt bis 10 Watt verfügbar sein. Ab da übernehmen die größeren Intel-Designs wie Ivy Bridge und Haswell.

Um vom Microserver bis zum Tablet flexible Versionen der System-on-a-Chip (SoC) mit Atom-Kernen zu ermöglichen, will Intel auch auf dem eigenen Die Schaltungen vom Fremdherstellern integrieren. Dieses "3rd Party IP" ist beispielsweise in Smartphones wichtig, wo die Funklogik bisher kaum in das SoC integriert wird.

Intel selbst besitzt zwar durch die Übernahme von Infineons Mobilfunksparte inzwischen auch Designs für solche Anwendungen, viele gerätespezifische Schaltungen werden bei mobilen Geräten von deren Herstellern aber selbst eingebracht. Das will Intel nun erleichtern, indem die nötige Logik gleich auf dem SoC landet. Gleiches gilt für Geräte der Unterhaltungselektronik, wo beispielsweise die Audioverarbeitung oft auf separaten Chips landet.

Vor David Perlmutters Vortrag hatte Intel-Chef Paul Otellini die Neuausrichtung auf besonders dünne und sparsame Geräte in seiner Rede bereits angedeutet. Er führte dabei auch an, dass Intel im weiteren Sinne bereits der Chiphersteller sei, der mit mobilen Geräten am meisten Geld verdiene – denn die brauchen am anderen Ende auch einen Server. Laut Otellini verdient Intel mit einem Server so viel, wie dem Hersteller eines Smartphones 600 Geräte einbringen. Um einen Intel-Server gegenzufinanzieren, seien alternativ auch 122 Tablets nötig. Das iPad nannte der Intel-Chef dabei nicht, zeigte aber ein Bild des Geräts in der entsprechenden Folie. Das Apple-Tablet wurde in keinem der Vorträge namentlich genannt – es steckt auch (noch?) kein Intel-Prozessor darin.


Relevante Themen