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Spieletest Brink: Der Kampf der komischen Kerle

Etwas merkwürdig sehen sie aus, die Helden in Brink – aber dafür haben sie viele kampfstarke Kumpels und großkalibrige Kanonen. Der Shooter des Entwicklerstudios Splash Damage (Enemy Territory) punktet vor allem im Mehrspielermodus.
/ Peter Steinlechner
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Brink (Bild: Bethesda)
Brink Bild: Bethesda

Knollennasen, schlechte Haut und viel zu große Ohren: Die Charaktere im Multiplayer-Shooter Brink sehen nicht aus wie Helden. Sie sind auch keine – denn sowohl die Mitglieder der Fraktion "Sicherheit" als auch ihre Gegner vom "Widerstand" leben in einer kaputten und verseuchten Welt. Das war nicht geplant, denn eigentlich sollte eine künstliche Insel namens Arche der Menschheit ein umweltgerechtes, biologisch korrektes Leben ermöglichen. Dann ging einiges schief, und jetzt dümpeln die rostenden Reste im Meer vor sich hin und sind Schauplatz heftiger Kämpfe. In Brink, das beim britischen Entwicklerstudio Splash Damage(öffnet im neuen Fenster) entstanden ist, kämpft der Spieler als Mitglied von einer der Fraktionen mit bis zu 15 Mitstreitern – acht pro Fraktion – offline gegen Bots, online gegen und mit Menschen oder mit beiden zusammen.

Brink – Test
Brink – Test (03:22)

Auf den acht mitgelieferten, direkt anwählbaren Karten müssen die Spieler nach und nach und unter Zeitdruck bestimmte Ziele absolvieren. Beispielsweise muss Team "Sicherheit" erst innerhalb von ein paar Minuten eine Sprengladung an einem großen Tor anbringen und das Dynamit dann verteidigen. Dann fährt ein computergesteuerter Kran durch den Level und die Spieler müssen das Vehikel verteidigen und reparieren – die gegnerische Fraktion versucht, genau das zu verhindern.

Bevor der erste Schuss fällt, darf sich der Spieler ein Alter Ego basteln. Wie in einem Rollenspiel kann er seinen Charakter aus einer Vielzahl von Kopfformen, Frisuren und Klamotten zusammenstellen. Im Spiel lassen sich nach und nach immer weitere Extras freischalten, von der Rasta-Haartracht bis zur schicken Polizeirüstung. Später gibt es neben einer normalen Körperform auch eine besonders stämmige – langsam, aber hält viel aus – und eine agile dünnere, in die man seinen existierenden Helden stecken kann.

Wer dann endlich mit gezückter Waffe auf dem Kampffeld steht, könnte in Brink selbst als erfahrener Spieler auf den ersten Blick von der Vielzahl an Optionen, Anzeigen und gleichzeitigen Vorgängen um sich herum überfordert sein. Das Chaos lichtet sich dann aber schnell, denn letztlich funktioniert der Großteil wie in jedem Multiplayer-Shooter. In Brink gibt es allerdings viel mehr Kleinkram zu tun: Der Spieler kann einfach mit dem von der KI oder von Menschenhand gesteuerten Rudel mitlaufen. Oder er wählt im Menü statt der jeweiligen Hauptaufgabe einen Nebenjob und verlegt in einem Seitengang Minen. Oder er "buffed" seine Teamkameraden mit mehr Gesundheit, Agilität oder panzerbrechender Munition.

Mission: Erfahrungspunkte sammeln

Egal, was der Spieler tut: Für fast alles bekommt er Erfahrungspunkte. Wer neben einem Safe steht, kriegt alle paar Sekunden zwei oder drei "XP" gutgeschrieben. Wer einen Gegner umlegt, erhält so um die 60 bis 80, und wer das Absolvieren einer Hauptaufgabe eingeleitet hat, ein paar hundert – egal, ob er dabei gegen Bots oder Kumpels angetreten ist. Groß ist der Unterschied in Brink sowieso nicht: Die computergesteuerten Helden kämpfen so gut und lebensecht, dass es kaum zu merken ist, wenn ein Mensch aus der Partie aussteigt und automatisch ersetzt wird. Nur eines können die KI-Kämpfer nicht so gut: sich selbstständig auf die Hauptziele konzentrieren – stattdessen nehmen sie gerne den nächstbesten Feind unter Feuer. Ein Manko ist das nicht unbedingt, denn so bleibt es der Initiative der menschlichen Spieler überlassen, konsequent für Missionsfortschritte zu sorgen.

Brink – Trailer (Klassen)
Brink – Trailer (Klassen) (01:58)

Die computergesteuerten Krieger wählen auch selbstständig aus, mit welcher Klasse sie antreten. Es gibt den Soldaten ohne besondere Extras. Den Techniker, der unter anderem Selbstschussanlagen aufstellen und reparieren kann. Der Spion kann sich als Mitglied der gegnerischen Fraktion verkleiden, der Sanitäter seinen Kumpels mit Heilung und Wiederbelebungsspritzen dienen. Überhaupt, das Respawn-System ist in Brink sehr durchdacht: Sobald der Spieler stirbt, kann er selbst entscheiden, ob er nach ein paar Sekunden am Missionsstart wieder aufersteht. Oder ob er darauf hofft, dass ein Sanitäter vorbeikommt und ihn rettet. Wie weit die Medizinmänner gerade entfernt sind, zeigen kleine Richtungspfeile an. Der Wechsel zwischen den Klassen ist auch während der laufenden Partien an Ingame-Computer-Terminales möglich.

Mit den gesammelten Erfahrungspunkten kann der Spieler zwischen den Missionen seinen Charakter auch mit neuen Fähigkeiten ausstatten, etwa mit mehr Gesundheit oder der Möglichkeit, seine Waffe auch im Laufen nachzuladen. Neben Skills, die allen Klassen zur Verfügung stehen, gibt es auch klassenspezifische Upgrades. Auch im riesigen Waffenarsenal bekommt der Spieler Zugriff auf immer mehr der anfangs gesperrten Schusswaffen.

Eine der vielen kleinen Besonderheiten in Brink ist SMART. Das steht für "Smooth Movement Across Random Terrain" und erleichtert gelegentlich die Fortbewegung. Sobald der Spieler die dafür vorgesehene Taste drückt – "Shift" am PC; linke Schultertaste am Konsolencontroller -, sprintet sein Alter Ego. Vor allem aber klettert er fast vollautomatisch auf Kisten oder kleinere Anhöhen, hüpft über Treppengeländer und Tische. Das System ist keine Revolution, aber es macht das Spiel etwas schneller und einfacher.

Version für Xbox 360 mit Abstürzen und Fazit

Brink ist ab dem 13. Mai 2011 für Xbox 360 und Playstation 3 (jeweils rund 60 Euro) und für Windows-PC (rund 50 Euro) erhältlich. Die PC-Fassung setzt nach Herstellerangaben mindestens einen Intel Core 2 Duo mit 2,4 GHz oder einen vergleichbaren Hauptprozessor voraus. Als Grafikkarte sollten beispielsweise eine Nvidia 8800 GS, eine AMD Radeon HD 2900 Pro oder etwas noch Leistungsstärkeres im Rechner stecken. Sowohl unter Windows XP als auch unter Vista und 7 benötigt das Programm 3 GByte RAM, auf der Festplatte müssen 8 GByte frei sein.

Die zum Test vorliegende Fassung für Xbox 360 hatte einige technische Probleme. Das Programm stürzte mehrfach vollständig ab, wonach nur ein Neustart der Konsole half. Im Tutorialvideo sind viele Sätze der deutschen Sprachausgabe offenbar zu lang und deshalb abgeschnitten. Außerdem dauert es teils mehrere Sekunden, bis niedrig aufgelöste Texturen im Spiel durch Highres-Varianten ersetzt werden – bis dahin ist der Spieler oft schon ein paar Meter weitergestürmt. Die ebenfalls getestete PC-Version glänzt dagegen mit schicker Grafik auf Basis der id-Tech-4-Engine ( Doom 3 ), auf der solcherlei Probleme bei entsprechend schneller Hardware keine Rolle gespielt haben. Die Fassung für Playstation 3 lag nicht vor – auch wegen der ungelösten Probleme im Playstation Network; bei früheren Pressevorführungen hat sie einen etwas besseren Eindruck als ihr Xbox-360-Gegenstück hinterlassen.

Als Kopierschutz verwendet die Windows-Version von Brink nur Steam, sprich: Eine Onlineaktivierung ist nötig. Außerdem unterstützt der Titel unter anderem die Achievements, den Sprachchat, die Bestenlisten, das Anti-Cheat-System und die Cloud von Steamworks zum Spielstandsichern. Das Programm erscheint vollständig lokalisiert und ohne Schnitte mit einer USK-Freigabe "ab 16".

Fazit

Viel mehr kann ein teambasierter Multiplayer-Shooter nicht richtig machen: Brink ist von vorne bis hinten durchdacht. Es bietet hervorragende Maps, ein tolles Klassensystem, je nach Plattform ordentliche bis sehr gute Grafik, extrem kampfstarke KI-Kämpfer, und auch das "Smart"-Bewegungssystem macht Spaß. Vor allem hat der Spieler ständig was zu tun, von der Hauptmission bis zum Munitionsnachschub liefern – und alles wird, zur optimalen Motivation, mit mehr oder weniger vielen Erfahrungspunkten belohnt. Lediglich bei der Feind- und Treffererkennung hätten die Entwickler für etwas mehr Klarheit sorgen sollen.

Trotz der Vielzahl von Stärken fehlt Brink aber ein Alleinstellungsmerkmal, das den Kaufpreis von bis zu 60 Euro rechtfertigt. Sehr viel anders als vergleichbare Shooter spielt sich das Ding nach ein paar Stunden eben doch nicht. Schon wer den eigenwilligen Stil nicht mag und stattdessen beispielsweise Soldatenszenarien bevorzugt, ist mit Call of Duty und vergleichbaren Titeln besser bedient. Spieler, die in erster Linie an einer Kampagne interessiert sind, bekommen zwar gut gemachte Zwischensequenzen, aber narrative Spannung kommt – auch wegen der direkt anwählbaren Missionen – nicht auf. Wer Brink trotzdem kauft, sollte unbedingt zur PC-Fassung greifen, und insbesondere von der Xbox-360-Version die Finger lassen.


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